Flugausfälle und Schlangen bei Kontrollen Lufthansa-Chef rechnet erst im Winter mit Besserung beim Flugchaos

Er habe es vielleicht beim Sparen »an der ein oder anderen Stelle« übertrieben: Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat Stellung bezogen zum Flughafenchaos und Besserung gelobt. Allerdings nicht für diesen Sommer.
Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Foto: Peter Kneffel / dpa

Das ist nicht unbedingt, was Bürger kurz vor Antritt ihres Sommerurlaubs hören wollen: Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat die Passagiere auf weitere Schwierigkeiten im Luftverkehr eingestimmt. Die von Personalmangel, Teileknappheit und eingeschränktem Luftraum geprägte Situation werde sich »kurzfristig kaum verbessern«, erklärte der Chef der größten Airline-Gruppe Europas in einem Schreiben an die Passagiere. Zwar plane die Branche allein in Europa mehrere Tausend Neueinstellungen. »Dieser Kapazitätsaufbau wird sich allerdings erst im kommenden Winter stabilisierend auswirken können.«

Spohr entschuldigte sich im Namen des Unternehmens dafür, dass nach dem Coronaeinbruch das »Hochfahren des komplexen Luftverkehrssystems von fast null auf derzeit wieder fast 90 Prozent« nicht zur angestrebten Verlässlichkeit, Pünktlichkeit und Robustheit geführt habe. Der Manager räumte ein, dass auch dem Lufthansa-Konzern in einigen Bereichen Personal fehle. Ab dem kommenden Sommer möchte der Konzern wieder die zwischenzeitlich stillgelegten Großflugzeuge vom Typ A380 einsetzen.

In einem weiteren Schreiben an die Belegschaft erklärte Spohr, dass der Vorstand es »an der ein oder anderen Stelle« mit dem Sparen übertrieben habe. Der Lufthansa-Chef führte dafür den Druck der mehr als zehn Milliarden Euro schweren Verluste in der Coronakrise an. Er wies auf die Einmaligkeit der Situation hin: »Ganz offen gesagt: Es war auch für unsere Führungsmannschaft und mich persönlich die erste zu bewältigende Pandemie.«

TUI meldet: Keine Ausfälle

Immerhin: Der Tourismuskonzern TUI macht seinen Kunden Hoffnung auf einen relativ entspannten Sommerurlaub. »Trotz aller Herausforderungen aufgrund von Personalengpässen in der Branche werden die Ferien für die überwiegende Mehrheit reibungslos verlaufen«, sagte der Deutschlandchef des Reisekonzerns, Stefan Baumert.

Anders als die Lufthansa wolle die konzerneigene Fluggesellschaft TUIfly keine Flüge streichen. Der Flugplan der eigenen TUIfly-Maschinen bleibe bestehen, wie auch Planungen für zusätzliche Reserveflugzeuge zu Spitzenzeiten. Oft lohne sich auch ein Flughafenwechsel für den Start in den Urlaub aus einem Bundesland, in dem Ferien noch nicht begonnen hätten, empfahl Baumert.

Dem Manager zufolge stieg die Nachfrage nach Sommerreisen in den vergangenen Wochen deutlich und liegt »durchgängig über dem Niveau von 2019«. »Wir holen rasant auf und sind mehr als zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr ein Sommergeschäft sehen, das an 2019 herankommt«, bekräftigte Baumert frühere Erwartungen. Auch die Buchungen für die Monate September und Oktober zögen seit einigen Tagen kräftig an.

beb/dpa
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