Gestrichene Flüge Lufthansa lässt 1,4 Millionen Kunden auf Ticket-Erstattungen warten

In der Coronakrise stornierte die Lufthansa fast alle Flüge - und immer noch haben viele Kunden ihr Geld nicht zurück. Bis Ende August will die Fluggesellschaft die Anträge aus dem ersten Halbjahr bearbeitet haben.
Lufthansa-Maschinen in Berlin: Während der Coronakrise häufig am Boden

Lufthansa-Maschinen in Berlin: Während der Coronakrise häufig am Boden

Foto: Soeren Stache / dpa

Die zögerliche Erstattung von Tickets durch die Lufthansa hat bei Kunden, Politikern und Verbraucherschützern in den vergangenen Monaten viel Unmut erzeugt. Aktuell sind noch 1,4 Millionen Anträge offen, teilte die Fluggesellschaft mit. Demgegenüber sei konzernweit an insgesamt 5,4 Millionen Kunden Geld ausgezahlt worden. Insgesamt hat die Lufthansa für Erstattungen seit Jahresbeginn mehr als 2,3 Milliarden Euro ausgegeben. Der weitaus größte Teil dieser Erstattungen geht auf ausgefallene Flüge infolge der Corona-Pandemie zurück.

"Ziel ist es weiterhin, bis Ende August alle berechtigten Ansprüche, die bis Ende Juni eingegangen sind, zu begleichen", teilte die Lufthansa mit. Wichtig ist bei diesem Ziel wohl die Einschränkung auf die bis Ende Juni eingegangenen Anträge. Denn Anfang August bezifferte der Konzern gegenüber dem Luftfahrtbundesamt die Zahl der offenen Anträge noch auf lediglich 1,24 Millionen. In der Zwischenzeit sind offenbar weitere Anträge eingegangen.

Inzwischen sind laut Konzern rund 92 Prozent aller Anträge von Lufthansa-Passagieren aus dem ersten Halbjahr bearbeitet und ausbezahlt. Konzernchef Carsten Spohr hatte sich auf der Hauptversammlung im Juni dafür entschuldigt, dass die Rückzahlung stornierter Tickets nur sehr langsam vorangehe.

Verbraucherschützer und Politiker hatten die Lufthansa und andere Fluglinien wiederholt kritisiert, dass die Rückzahlungen so lange dauerten. Das Bundeswirtschaftsministerium hat erheblichen Druck auf das Unternehmen ausgeübt, die Erstattungen schneller voranzubringen - auch vor dem Hintergrund der massiven staatlichen Hilfen. Der Bund hatte ein Rettungspaket im Volumen von neun Milliarden Euro für die Lufthansa geschnürt.

Vor Kurzem mahnte die für Verbraucherschutz zuständige Bundesjustizministerin Christine Lambrecht: "Die Airlines dürfen die Geduld der Kunden jetzt nicht überstrapazieren und ihr Vertrauen nicht aufs Spiel setzen." Die Verpflichtung, die Tickets sehr zügig zu erstatten, sei "glasklar" europarechtlich vorgeschrieben. "Dieser Pflicht müssen alle Fluggesellschaften jetzt endlich nachkommen", sagte die SPD-Politikerin. 

Aus Brüssel kommen unterdessen positive Nachrichten für die Lufthansa: Belgien darf der in der Coronakrise ebenfalls in Schieflage geratenen Konzerntochter Brussels Airlines nach einer Entscheidung der EU-Kommission mit 290 Millionen Euro helfen. Eine entsprechende Staatsbeihilfe genehmigten die EU-Wettbewerbshüter. Die Hilfe besteht zum allergrößten Teil aus einem zinsvergünstigten Darlehen.

"Brussels Airlines spielt als Arbeitgeber und Garant für die Anbindung des Landes eine wichtige Rolle in Belgien", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Die belgische Unterstützung sei an die nötigen Auflagen gebunden, um Wettbewerbsverzerrungen zu begrenzen.

Nach Angaben von Brussels Airlines besteht das Hilfspaket zusätzlich aus 170 Millionen Euro der Lufthansa. Bereits zu Wochenbeginn sei das Paket vom deutschen Rettungsschirm für Unternehmen - dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) - genehmigt worden, nun sei die EU-Kommission gefolgt.

fdi/Reuters/dpa
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