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09. August 2011, 00:26 Uhr

Luftverkehr

Flugsicherung ruft Schlichter an - Lotsenstreik abgesagt

Der Stillstand im deutschen Luftverkehr ist abgewendet: Die Deutsche Flugsicherung hat im Tarifstreit die Schlichtung angerufen, damit ist der für Dienstag geplante Streik der Fluglotsen abgesagt. Auch in den nächsten Wochen ist ein Ausstand nun nicht möglich.

Frankfurt am Main - Passagiere und Fluggesellschaften können aufatmen: Der für Dienstag ab 6 Uhr morgens angekündigte Streik der Fluglotsen ist im letzten Moment abgewendet worden. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) rief am frühen Morgen die Schlichtung an. Mit der Schlichtung beginnt sofort eine neue Friedenspflicht, die einen möglichen Arbeitsausstand der Lotsen um etwa vier Wochen verschiebt.

Wenige Minuten vor dem Schritt waren die Arbeitgeber auch in zweiter Instanz vor dem hessischen Landesarbeitsgericht gescheitert. Sie hatten einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den Streikaufruf der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) gestellt, weil sie in ihm enthaltene Forderungen als nicht rechtmäßig ansah. Am Nachmittag hatte bereits das Arbeitsgericht in Frankfurt am Main zugunsten der Gewerkschaft entschieden. Die DFS legte daraufhin Berufung ein.

In beiden Verhandlungen hatten die Richter vor der Urteilsverkündung an die Parteien appelliert, sich zu einigen. Die GdF sollte den Streik absagen, im Gegenzug sollten die Arbeitgeber die Schlichtung anrufen. Beide Male lehnte die DFS die Vorschläge ab. Mit der Anrufung der Schlichtung tritt jedoch eine sofortige mehrwöchige Friedenspflicht in Kraft. Das hatten beide Parteien bereits im Vorfeld der Tarifrunde vereinbart.

Die Arbeitgeber zogen damit den letzten verbliebenen Trumpf. "Ich kann von unseren Kunden den Schaden nicht anders abwenden, deshalb haben wir die Schlichtung anberufen", sagte der Personalchef der DFS, Jens Bergmann. Als Schlichter steht bereits der von den Arbeitgebern benannte Münchner Arbeitsrechtler Volker Rieble fest.

Ursprünglich hatte die GdF die Beschäftigten für den Dienstagmorgen von 6 bis 12 Uhr zu einem sechsstündigen Streik aufgerufen. Dieser hätte nahezu den gesamten deutschen Flugverkehr lahmlegen können. Rund 3000 Flüge und etwa 400.000 Passagiere wären unmittelbar betroffen gewesen - da aber die Flugpläne erheblich durcheinandergewirbelt worden wären, hätte der Ausstand der Lotsen Auswirkungen auf noch weit mehr Fluggäste gehabt.

Außer mehr Gehalt verlangt die GdF in der aktuellen Tarifrunde mehr Einfluss auf Stellenbesetzungen und Arbeitsbedingungen der mehr als 5000 Tarifbeschäftigten bei der Flugsicherung. Rund 1900 von ihnen sind Fluglotsen.

fdi/dpa/Reuters/dapd

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