Weniger Inhalt, gleicher Preis Verbraucher wählen »Rama« zur »Mogelpackung des Jahres«

Die Packung ist so groß wie früher, doch nun enthält sie 400 Gramm Streichfett statt 500: Über diese versteckte Preiserhöhung des »Rama«-Herstellers haben sich Verbraucher in einer Abstimmung besonders häufig geärgert.
»Rama«-Streichfett von Upfield: Verbraucher sahen hier die dreisteste Preiserhöhung des vergangenen Jahres

»Rama«-Streichfett von Upfield: Verbraucher sahen hier die dreisteste Preiserhöhung des vergangenen Jahres

Foto: Verbraucherzentrale Hamburg

Dass Waren teils erheblich teurer werden, ist in Zeiten hoher Inflation nicht ungewöhnlich. Doch bei einigen ist die Preiserhöhung nicht auf den ersten Blick erkennbar. Fünf Produkte, bei denen dies im vergangenen Jahr zutraf, hat die Verbraucherzentrale Hamburg zu Kandidaten für die »Mogelpackung des Jahres« ernannt. Nun haben die Konsumenten entschieden: Die meisten von ihnen sehen beim »Rama«-Streichfett des Herstellers Upfield die raffinierteste Preiserhöhung. Auf dieses entfielen 14.285 Stimmen, das entsprach einem Anteil von 41,7 Prozent, teilten die Verbraucherschützer mit.

Das Streichfett werde seit 2022 zum selben Preis und in einer gleich großen Dose verkauft wie zuvor – allerdings mit 400 statt 500 Gramm Inhalt, moniert die Verbraucherzentrale Hamburg. Auf diese Weise sei das Produkt um 25 Prozent teurer geworden.

Auf dem zweiten Platz landete der Scheibenkäse »Leerdamer« von Lactalis, der 28,7 Prozent der Stimmen erhielt. Hier sei der Inhalt von 160 auf 140 Gramm geschrumpft, obwohl zuvor mit dem Slogan »+ 1 Scheibe, dauerhaft mehr« geworben worden sei.

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Wer wird Mogelpackung des Jahres 2022?

Foto: Verbraucherzentrale Hamburg

Der Wasserenthärter »Calgon« von Reckit Beckiser belegte mit 11,3 Prozent der abgegebenen Stimmen Rang drei, die »Goldbären« von Haribo mit zehn Prozent Rang vier. Die »Pringles«-Chips von Kellog fanden 8,3 Prozent der Teilnehmenden würdig für den Negativpreis. (Die Begründung für die Nominierung und die Stellungnahmen der Herstellerunternehmen finden Sie in der Fotostrecke.)

»Upfield hat den Bogen überspannt«, sagte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg über den »Rama«-Hersteller. Die Verbraucher hätten kaum eine Chance, die »Weniger-drin-Trickserei« zu bemerken, wenn der Inhalt schrumpfe, die Packung aber nicht. Dazu komme, dass Streichfette zu den häufig gekauften Lebensmitteln gehören, die quasi immer in 500-Gramm-Bechern angeboten würden. Nie zuvor hätten die Verbraucherschützer so viele Beschwerden zu einem Produkt erhalten. Auch bei seinen Marken »Lätta«, »Sanella«, »Becel« und »Violife« habe Upfield im vergangenen Jahr die Füllmengen reduziert.

Ergebnis der »Mogelpackung«-Abstimmung für das Jahr 2022

Ergebnis der »Mogelpackung«-Abstimmung für das Jahr 2022

Foto: Verbraucherzentrale Hamburg

Zwar sei es durch lückenhafte Vorgaben oft schwierig festzustellen, was im rechtlichen Sinne als Mogelpackung anzusehen sei, teilten die Verbraucherschützer weiter mit. »Wenn im identischen Becher ohne besonderen Hinweis aber plötzlich 100 Gramm weniger Streichfett sind, ist das eindeutig Irreführung«, sagte Valet. Die Verbraucherzentrale Hamburg habe daher Klage gegen den Hersteller Upfield eingereicht, verhandelt werde über den ebenfalls von 500 auf 400 Gramm reduzierten Inhalt von »Sanella«.

Insgesamt seien im vergangenen Jahr deutlich mehr Hinweise auf Mogelpackungen eingegangen, so die Verbraucherzentrale Hamburg. Zunehmend meldeten Verbraucher dabei nicht nur Markenartikel, sondern auch Produkte der Eigenmarken der Handelsketten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir »Rama« als Margarine bezeichnet. Es handelt sich bei dem Produkt aber mittlerweile um ein Streichfett. Wir haben die entsprechenden Formulierungen angepasst.

fdi
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