Konten für Privatkunden Mehr Volksbanken verlangen Negativzinsen

Die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank bekommen zunehmend auch die Privatkunden zu spüren. Vor allem Volks- und Raiffeisenbanken verlangen laut einer neuen Erhebung immer öfter Geld.
Volksbank-Logo (Archivbild)

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Foto: Martin Schutt/ picture alliance / dpa

Als im vergangenen Sommer die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee Strafzinsen von reichen Sparern verlangte, war das noch ein kurioser Einzelfall. Doch mittlerweile werden solche Modelle gerade bei Genossenschaftsbanken immer häufiger.

Laut einer Erhebung des Vergleichsportals Verivox verlangen mittlerweile bundesweit 13 Institute Negativzinsen von bestimmten Privatkunden - allesamt genossenschaftliche Volks- und Raiffeisenbanken. Allein seit vergangenen Dezember sind demnach acht neue Institute hinzugekommen.

Dabei geht es in der Regel um Zinsen zwischen minus 0,3 und minus 0,5 Prozent pro Jahr, die bei höheren Summen auf Tagesgeldkonten fällig werden, oft 500.000 Euro oder mehr. Teilweise langen die Banken aber auch schon ab Einlagen von 100.000 Euro zu.

Die Volksbank Reutlingen geht besonders weit. Sie verlangt laut ihrem Preisaushang nicht nur ab 10.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto (VR-FlexGeld) 0,5 Prozent Strafzinsen, auch bei normalen Girokonten wird demnach ein jährliches Verwahrentgelt von 0,5 Prozent fällig - nichts anderes als ein Minuszins.

Eine Sprecherin der Volksbank Reutlingen betonte allerdings, momentan verlange die Bank gar keine Negativzinsen von ihren Privatkunden. Mit den Angaben im Preisaushang sichere man sich nur für die Zukunft ab. Ein Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) wies darauf hin, dass die Zinssätze eine Entscheidung der jeweiligen Banken vor Ort seien.

Auch die Banken selbst zahlen Strafzinsen

Angesichts von bundesweit knapp 1000 Volks- und Raiffeisenbanken und insgesamt fast 2000 Banken und Sparkassen in Deutschland sind Negativzinsen für Privatkunden damit immer noch eine große Ausnahme - zumal sie in der Regel auch nur auf größere Vermögen fällig werden. Der Trend, dass gerade kleinere Banken zunehmend Negativzinsen oder höhere Gebühren von ihren Kunden verlangen, dürfte aber anhalten.

Grund dafür ist unter anderem die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB hat nämlich nicht nur den Leitzins, zu dem sich Banken bei ihr Geld leihen können, seit Längerem auf null gesetzt. Sie verlangt von Finanzinstituten, die über Nacht bei ihr Geld parken, seit zweieinhalb Jahren sogar Strafzinsen - mittlerweile liegt der Satz bei minus 0,4 Prozent.

Diese Kosten geben einige Banken an ihre Kunden weiter. Zunächst waren vor allem Firmen betroffen, die oft hohe Summen bei den Banken parken. Nun sind es immer häufiger auch Privatkunden. Man habe lange versucht, die Negativzinsen von den Kunden fernzuhalten, sagte der BVR-Sprecher. "Aber je länger das andauert, desto mehr schlägt das durch."

Auch andere Banken geben ihre Kosten zunehmend an die Kunden weiter - wenn auch nicht immer über Negativzinsen. So sind etwa die Gebühren für Girokonten, EC-Karten und teilweise sogar fürs Geldabheben am Automaten in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen (mehr dazu lesen Sie hier).

stk
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