Hermann-Josef Tenhagen

Sinkende Mehrwertsteuer Wie Sie bei Sprit, Heizung und Strom noch viel mehr als drei Prozent sparen

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Am 1. Juli sinkt die Mehrwertsteuer und damit auch die Energiekosten in Ihrem Haushalt. Doch schon 2021 droht eine neue Preisrunde. Die besten Tipps, wie Sie im zweiten Halbjahr mehr Geld behalten.
Foto: Christophe Gateau/ dpa

Juchhu, die Energierechnung für Ihren Haushalt wird niedriger: Kommende Woche sinkt die Mehrwertsteuer auch für Benzin und Diesel, für Heizöl und Erdgas. Das wird uns alle entlasten. Und das ist schön. Aber es ist noch viel mehr drin.

Schauen wir uns mal die drei wichtigsten Energierechnungen an: Treibstoff fürs Auto, Brennstoff für die Heizung - und Strom für den Rest. An all diesen Stellen lässt sich deutlich mehr sparen, als nur die paar Cent und Euro, die wir alle bei der Mehrwertsteuer entlastet werden. Wenn Sie es richtig machen, kann alles in allem sogar die vielfache Ersparnis herausspringen. 400 Euro für den Haushalt sind drin. 

Überlegt tanken

Benzin oder Diesel, mit dem sie zur Arbeit fahren, sollte preiswerter werden, sofern der Rohölmarkt mitspielt. Allein durch die Senkung der Mehrwertsteuer könnte der Sprit um rund drei Cent pro Liter billiger werden. Wenn sie 10.000 Kilometer im zweiten Halbjahr fahren und dafür 700 Liter Sprit verbrauchen, sparen Sie 21 Euro. Mancher fährt zudem wegen Corona-bedingtem Homeoffice oder Kurzarbeit vielleicht weniger. Solche Ersparnisse kommen hinzu.

Aber damit ist Ihr Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft: Füllen Sie den Tank zum Beispiel mit 50 Litern Sprit und nutzen die preiswerteste Tankstelle der Umgebung, ist diese vermutlich rund 10 Cent preiswerter als die teuerste. Bringt also rund dreimal so viel wie die Mehrwertsteuersenkung.

Das geht ganz leicht mit einer App auf dem Smartphone. Tanken Sie zur richtigen Tageszeit, also meist abends, bringt das noch einmal maximal 10 Cent. Zusammen also sechs- bis siebenmal so viel wie die Mehrwertsteuersenkung allein. Oder 10 Euro pro Tankfüllung - und unter den oben genannten Annahmen übers Halbjahr bis zu 140 Euro .

Und machen Sie die Ersparnis nicht wieder kaputt, indem Sie zwischendurch an der Autobahn tanken. Denn Autobahntankstellen in der Nähe von Großstädten sind bis zu 30 Cent pro Liter teurer als die preiswerteste städtische Tankstelle in der Nähe

Heizöl für den Winter zeitig ordern

Wenden wir uns der Rechnung für die Heizung zu. Hier können Sie aktuell als Eigentümer beim Heizöl tatsächlich ordentlich sparen. Die Senkung der Mehrwertsteuer sollte beim Händler 1 bis 1,5 Cent pro Liter ausmachen. Lassen Sie im zweiten Halbjahr Ihre Tanks zum Beispiel mit 3000 Litern Heizöl befüllen, sollten Sie zwischen 30 und 40 Euro sparen - gemessen am aktuellen Preis.

Aber auch hier gilt es zu vergleichen. Den Unterschied zwischen einem preiswerten Heizölhändler und einem teuren in Ihrer Nähe können Sie auf Vergleichsportalen wie Esyoil oder Heizoel24 leicht ermitteln. Er beträgt oft bis zu 10 Cent pro Liter - oder in unserem Beispiel 300 Euro. Sie können übrigens jetzt schon bestellen: Für die Mehrwertsteuer zählt das Lieferdatum.

Aktuell ist das Heizöl so preiswert wie zuletzt Anfang 2016 . Und geben Sie dem Heizölhändler keinen Termin vor, dann kann er Ihnen leichter einen guten Preis machen, weil er zum Beispiel die Kosten für die Fahrten zu Kunden geschickt bündeln kann. Manche Heizölhändler geben sogar noch einen Preisnachlass, wenn Kunden gemeinsam mit Nachbarn bestellen und so eine größere Bestellmenge gekauft wird.

Ein letzter Tipp fürs Heizöl: Bestellen Sie am besten bis September . Im Herbst erwarten die Händler einen Kundenansturm - schließlich verlangt der Staat ab 1. Januar 2021 einen CO2-Preis auf Heizöl - der rund acht Cent pro Liter ausmachen soll. Diesen Aufschlag zahlen Sie nicht, wenn der Brennstoff noch bis Silvester in Ihren Tank fließt. Damit das aber klappt, sollten Sie frühzeitig bestellen. 

Den Gasvertrag wechseln

Beim Erdgas kriegen Sie die Steuererleichterung nicht so schnell zu spüren. Ihre Abschlagszahlung verringern sich nicht automatisch für das zweite Halbjahr: Die großen Versorger ziehen es vor, die niedrigere Mehrwertsteuer auf der jährlichen Abrechnung auszuweisen. So erhalten Sie möglicherweise eine Gutschrift - bei einem typischen Verbrauch einer vierköpfigen Familie von 7500 Kilowattstunden pro Halbjahr bedeutet die geringere Mehrwertsteuer immerhin 10 bis 14 Euro weniger Kosten.

Ab Januar allerdings kommt dann wieder eine Steuer dazu (zusätzlich zur Rückkehr der Mehrwertsteuer auf das alte Niveau): Auch der Erdgaslieferant muss dann eine CO2-Steuer zahlen. Wenn Sie also genau sein wollen, lesen Sie Ihren Zähler zum 1. Juli und am 31. Dezember ab und schicken Sie dem Versorger die Daten, sonst schätzt der Gasversorger.

Auch beim Gas gilt: Die Mehrwertsteuer-Ermäßigung ist nett, Sie haben aber die Chance, Ihre Kosten erheblich stärker zu senken. Denn die Versorger neigen dazu, Ihren Bestandskunden sinkende Gaspreise am Weltmarkt nur mit einer größeren Verzögerung weiterzugeben. Es drängt ja niemand. Anders bei den Neukunden - denn um die zu gewinnen, muss man ja die Konkurrenz unterbieten.

Das Resultat: Noch immer liegen die Gaspreise für Bestandskunden im Schnitt auf dem Niveau des Vorjahres, während die Neukundentarife seit Jahresbeginn um rund zehn Prozent günstiger geworden sind. In vielen Fällen kann es sich lohnen, den Lieferanten zu wechseln. Beim größten Gasanbietervergleich können Sie unter Tausenden Tarifen verbraucherfreundliche und günstige Angebote finden. Im aktuell von Corona gebeutelten Rheda-Wiedenbrück in Ostwestfalen zum Beispiel sind bei einem solchen Wechsel bei 7500 kwh Verbrauch über 200 Euro fürs Halbjahr drin .

Mieter gucken bei der Heizungsfrage zunächst mal in die Röhre. Denn Ihre Heizkosten werden per Umlage festgelegt. Und ob die Hausverwaltung einen günstigen Lieferanten nutzt, können sie nicht direkt beeinflussen. Wenn Sie Mieter sind, machen Sie trotzdem den Versuch und sprechen Ihre Hausverwaltung auf Einsparpotenziale an und überprüfen Sie Ihre Heizkostenabrechnung .

Der Stromverbrauch zu Hause steigt, die Kosten nicht unbedingt

Auch beim Strom sollte die niedrigere Mehrwertsteuer zumindest auf der jährlichen Abrechnung wirken. Für eine Familie mit Stromkosten von 1200 Euro pro Jahr sind so im zweiten Halbjahr um die 15 Euro Ersparnis drin. Hinzu kommt für alle Haushalte die Sache mit dem Stromverbrauch: Der wird nämlich in vielen Haushalten in diesem Jahr steigen. Schlicht weil Familien wegen Homeoffice oder Kurzarbeit mehr als sonst zu Hause sind. Dort wird dann vermehrt Strom verbraucht, weniger mit den Handys und Laptops als vielmehr durch Küchenherd, Waschmaschine und Kühlschrank. Um 10 bis 15 Prozent steigt oft der Verbrauch in Homeoffice-Haushalten.

Doch auch hier können Sie gegenhalten. Im ersten Schritt, indem Sie den Stromverbrauch wieder senken: Eine effiziente Nutzung von Herd und Waschmaschine, die Anschaffung neuer sparsamer Kühlschränke und Öfen, wenn die alten nachhaltig kaputtgegangen sind, kann den Stromverbrauch ordentlich senken - ohne auf Komfort zu verzichten. Durchaus auch so weit, dass gar kein Mehrverbrauch mehr auftritt. Das Öko-Institut führt unter der Überschrift "Eco Top Ten" Listen besonders effizienter Hausgeräte .

Und dann gibt es natürlich auch hier die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln. Rund ein Drittel der Stromkunden ist in einem teuren Grundversorgungsvertrag. Sind Sie so ein Kunde, sollten Sie den Wechsel des Anbieters dringend prüfen. Die Preisunterschiede zwischen unterschiedlichen Anbietern sind beträchtlich. Ein günstiger Tarif für eine vierköpfige Familie in Rheda-Wiedenbrück, die jetzt wegen Corona zu Hause bleiben muss, kostet bei 4000 Kilowattstunden Verbrauch pro Jahr glatt 270 Euro weniger  als die Grundversorgung. Wer sich zudem die Mühe macht, Angebote zu jagen, die Kunde mit einem fetten Bonus ködern, kann in Ostwestfalen sogar mehr als 400 Euro sparen. Andernorts sind die Sparpotenziale ähnlich.

Aber Achtung: Ist der Bonus einmal ausgezahlt, ist der Gesamtpreis beim neuen Anbieter im zweiten Jahr oft höher als zuvor. Sie sollten also rechtzeitig vor Ablauf des ersten Jahres kündigen - und gleich wieder wechseln 

Strich drunter: Gut 100 Euro lassen sich beim Sprit sparen, bis zu 300 Euro bei der Heizölrechnung und gut 100 Euro im halben Jahr beim Strom - macht über 500 Euro Einsparung im zweiten Halbjahr. Und das Geld können Sie sicher gut gebrauchen.

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