Wohnen in Deutschland Zufriedenheit von Mietern sinkt deutlich

Wohnungs- und Hauseigentümer sind viel zufriedener als Mieter. Bei denen nehmen die Klagen sogar zu - und das hat nicht nur finanzielle Gründe.

Wohnhäuser in Berlin
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Wohnhäuser in Berlin

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Das Meinungsforschungsinstitut Allensbach hat - im Auftrag der Wertgrund Immobilien AG - die Zufriedenheit der Bürger mit ihrer Wohnsituation untersucht. Aus der Umfrage geht unter anderem hervor: Eigentümer wohnen im Schnitt besser. Während unter den Haus- und Wohnungsbesitzern 94 Prozent angeben, zufrieden zu sein mit ihrer Wohnsituation, sind es bei den Mietern 74 Prozent.

Die Zufriedenheit der Mieter in Deutschland ist in den vergangenen Jahren noch gefallen. Der von Allensbach ermittelte Mieterzufriedenheitsindex - gemessen auf einer Skala von 0 bis 100 - ist von 72 im Jahr 2016 auf einen Wert von 67 Punkten in diesem Jahr gesunken. Das bedeutet einerseits, dass die große Mehrheit der Mieter trotz der aktuellen Debatte um steigende Mieten insgesamt durchaus zufrieden ist mit der eigenen Lage. Es ist aber auch eine deutliche Verschlechterung von minus 6,9 Prozent.

Etwas unerwartet sind daran offenbar nicht ausschließlich Mieterhöhungen schuld. Die höheren finanziellen Belastungen - eine von acht Komponenten, aus denen sich der Allensbach-Index zusammensetzt - schlagen zwar ebenfalls auf die verschlechterte Mieterzufriedenheit durch. Einen deutlich größeren Einfluss haben allerdings andere Gründe: Die allgemeine Zufriedenheit ist erheblich gesunken, daneben bemängeln immer mehr Mieter den technischen Zustand ihrer Wohnung und die Leistungen der Hausverwaltungen.

Die genauen Ursachen dieser Entwicklung lassen sich anhand der Umfragedaten nicht abschätzen. Hat der technische Zustand des Wohnungsbestands in Deutschland tatsächlich binnen kurzer Frist rapide abgenommen? Lassen Vermieter die Betreuung der Wohnungen schleifen?

Studien-Autor Thomas Petersen hält andere Erklärungen für möglich: "Es könnte sein, dass mit den steigenden Mieten auch die Ansprüche der Mieter an die Qualität steigen. Oder die Mietpreisbremse entfaltet doch Wirkung - und führt dazu, dass Vermieter weniger in Verwaltung und Reparatur investieren".

Verbessert hat sich seit 2016 indes nur einer der acht Werte: Mieter haben inzwischen viel weniger Angst vor Wohnungseinbrüchen. Grund dafür ist die seit einigen Jahren sinkende Zahl von Einbrüchen. Auf diese Entwicklung haben die Vermieter freilich keinen Einfluss, trotzdem hat sie den Rückgang der Mieterzufriedenheit insgesamt gedämpft. Er wäre sonst noch größer ausgefallen.

Wertgrund-Vorstand Thomas Meyer weist darauf hin, dass in den fünf größten Städten in Deutschland - dazu zählen Köln, Hamburg, Berlin, München und Frankfurt am Main - die Zufriedenheit von Mietern in der Umfrage gegen den Trend sogar etwas gestiegen ist. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Mieter aus den Städten heraus in die Vorstädte gedrängt wurden. Dort ist die Unzufriedenheit in den vergangenen drei Jahren tatsächlich überproportional gestiegen. Mit anderen Worten: Dann wäre die Zufriedenheit der Großstädter nur deshalb gestiegen, weil viele Unzufriedene bereits zum Umzug gezwungen waren.

Stimmenfang #95 - Von 494 auf 1320 Euro Nettokalt - das ist Mietenexplosion

Die Entwicklung der von den Befragten genannten Mieten spiegelt das allerdings nur bedingt wider: Insgesamt ist die Durchschnittsmiete von 2016 bis 2019 von 673 Euro auf 690 Euro gestiegen, ein moderates Plus von 2,5 Prozent. In den fünf Metropolen fiel der Anstieg mit plus 3,4 Prozent zwar deutlich stärker aus. Aber auch dort lag er unter der allgemeinen Preissteigerung.

Die Mieterschaft - darauf weist die Allensbach-Studie auch hin - wird durch die steigenden Mieten allerdings in sehr unterschiedlichem Maße getroffen. Auf der einen Seite stehen die verhältnismäßig besser gestellten langjährigen Bestandsmieter. Sie profitieren davon, dass die Mieten bei ihrem Einzug noch deutlich niedriger lagen und oft moderat angepasst wurden. Diese Gruppe ist groß. Im Schnitt leben Mieter in Deutschland seit elf Jahren in derselben Wohnung.

Auf der anderen Seite stehen allerdings die Neumieter, also alle diejenigen, die in den vergangenen fünf Jahren umgezogen sind, etwa aus beruflichen Gründen. Sie werden oftmals massiv getroffen durch den Trend der steigenden Mieten bei Neuvermietungen. Neumieter geben deshalb in der Umfrage auch deutlich häufiger an, dass ihre Kaltmiete eine erhebliche Belastung darstellt.

Wohl auch wegen der umfangreichen Berichterstattung besteht bei einem Thema hingegen über praktisch alle Bevölkerungsgruppen hinweg weitgehende Einigkeit: Die große Mehrheit der Befragten ist der Auffassung, dass die Politik zu wenig tut für bezahlbaren Wohnraum. Gerade einmal zehn Prozent sind der Meinung, das Thema bekomme derzeit die Aufmerksamkeit, die es verdiene.


Zur Methodik der Umfrage: Das Institut für Demoskopie Allensbach hat in der ersten Aprilhälfte die Fragen zur Mieterzufriedenheit insgesamt 1308 repräsentativ ausgewählten Befragten im gesamten Bundesgebiet gestellt. Die Befragung erfolgte mündlich-persönlich (face-to-face) und im Rahmen der turnusmäßigen Umfragewelle, in deren Rahmen Allensbach auch die Wahlabsichten abfragt ("Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre..."). Der Mieterzufriedenheitsindex wurde im Auftrag von Wertgrund nach 2016 zum zweiten Mal erhoben. Die nächste Welle ist in zwei Jahren geplant. Wertgrund ist ein Investment- und Managementunternehmen für Wohnimmobilien.

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euro-paradies 08.07.2019
1. Dann sollte der Staat dem Rechnung tragen, und Mieter
bei der Schaffung von Wohneigentum steuerlich stärker unterstützen. Aber was man vom Sozen Scholz so mitbekommt, arbeitet der dem strikt entgegen.
wausko 08.07.2019
2. Hohe Ansprüche der Mieter
Eine dem Verfasser bekannte Vermieterin versucht zur Zeit in der Innenstadtlage von Düsseldorf, eine 90 qm Wohnung (Altbau) zu vermieten. Voraussetzung auf Mieterseite: Nichtraucher, kein Hund und Schufaauskunft (zwecks Liquiditätsprüfung zum Ausschluss von Mietnomaden). Bei den bisherigen Besichtigungen monierten zwei unterschiedliche potentielle Mieter, dass ja ein renovierter Altbau Schrott sei und man nur eine Neubauwohnung mieten würde (Frage: Warum wurde besichtigt?). Das in der Wohnung vorhandene Parkett wurde als Standard gesehen, ebenso die vorhandene (ca. 4 Jahre alte) Einbauküche. Moniert wurde das Bad (Komplettrenovierung vor 15 Jahren) Es sei nicht zeitgemäß, da eine Dusche anstatt eine Badewanne vorhanden und die Fliesen neutral weiß sind. Zeitgemäß sein eine frei stehende Badewanne. Die Vermieterin teilte dem Verfasser mit, dass Sie lediglich rund 2/3 der ortsüblichen Miete verlangt habe. Erkennbar ist, dass in unserer Wohlstandsgesellschaft nur noch Neuwertigkeit zählt, wie bei Kleidung und Lebensmitteln "Marken". Ebenso ist erkennbar, dass auch in den Innenstädten Wohnraum vorhanden ist, jedoch die Billigreisen in Schwellenländer verwöhnten Bundesbürger aus Sicht des Verfassers den Bezug zum Alltag verloren haben. Einen hohen Anteil der Miete nehmen heute die Nebenkosten ein, wo insbesondere die Politik schuld ist .Kleine Vermieter, die in eigenem Interesse in ein Haus investieren und es auf dem aktuellen Stand halten, verlieren Dank populistischer Politik immer mehr an Boden, so dass große Vermieter immer mehr an Boden gewinnen, in deren Aussichtsräten später ja oft auch Politiker zu finden sind. Es ist vergleichbar wie mit dem Benzin: Politiker regen sich über die Mineralölkonzerne auf, jedoch kassiert der Fiskus rund 70 % pro verkauftem Liter.
fin2010 08.07.2019
3. Mietpreisbremse entfaltet Wirkung
was die Preishemmung angeht. Nicht so schnell, wie sich die Politik erhofft hat, aber eben doch Und gleichzeitig entfaltet sie die Nebenwirkung hinsichtlich Verbesserung der Wohnqualität. Warum sollte der Vermieter auch eine Teilrenovierung durchführen, z.B. neues Bad oder Stromnetz etc, wenn Miete und Vermietbarkeit mit wie ohne diese Arbeiten identisch ist. Na, die nächste Regulierungsrunde im Staatsmietmarkt kommt bestimmt. Hase und Igel.
bobrecht 08.07.2019
4. Ein wenig naiv
Ist es, zu hoffen, dass Vermieter Wohnungen in eine Topzustand bringen und diese Investitionen nicht zurück haben wollen. Die Mietpreis-Bremse wird sich noch als kurzsichtig eingeführtes Instrument herausstellen, das letztlich das Genteil von dem bewirkt, was man eigentlich damit erreichen wollte. Allzu sozialistische Ideen waren und sind selten heilbringend.Die Berliner werden irgendwann verstehen, dass diese Stadt sich entwickeln muss und wird - so wie alle Hauptstädte - DDR gibt's nimmermehr!
dhrb 08.07.2019
5. Wohneigentum für jeden
( nahezu) , das muss endlich mal ein massives Ziel der Politik sein. In anderen Ländern gibt es viel mehr Leute, die in den eigenen vier Wänden leben. Wer eine Immobilie für den Eigenbedarf kaufen will, sollte massiv von versch. Steuern entlastet werden. Jeder aber nur einmal. Eigenbedarf eben.
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