Neuer Mietspiegel Mieten in Berlin steigen langsamer

Ein Gericht hat Berlins Mietspiegel für ungültig erklärt, doch die Verfasser halten an ihrer Berechnung fest. Inzwischen hat der Senat ein aktuelles Zahlenwerk vorgelegt.

Wohnhäuser in Berlin: Streit über den Mietspiegel 2013
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Wohnhäuser in Berlin: Streit über den Mietspiegel 2013


Die Mieten in Berlin steigen etwas langsamer. Durchschnittlich gingen sie seit 2013 jährlich um 2,7 Prozent oder 15 Cent pro Quadratmeter nach oben, wie Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) mitteilte. Der bislang gültige Mietspiegel von 2013 hatte ein Wachstum von 3,1 Prozent ausgewiesen.

Die monatliche Nettokaltmiete beträgt in der Hauptstadt nun durchschnittlich 5,84 Euro pro Quadratmeter. Vor zwei Jahren waren es noch 5,54 Euro gewesen.

Der Mietspiegel liefert alle zwei Jahre eine Übersicht über ortsübliche Vergleichsmieten für mehr als 1,3 Millionen nicht preisgebundene Wohnungen in Berlin. An der Auswertung der durch Umfragen gesammelten Daten sind Verbände von Mietern und Vermietern sowie Sachverständige beteiligt. Beim Streit zwischen Mieter und Vermieter etwa über Mieterhöhungen kann die ortsübliche Vergleichsmiete aus dem Mietspiegel eine wichtige Rolle spielen.

Zuletzt war eine Debatte über seine Aufstellung entbrannt, nachdem das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg den Mietspiegel gekippt hatte. Urheber des bisherigen Mietspiegels war das Hamburger Unternehmen F+B. Die neue Erhebung stammt vom Institut GEWOS.

Nie seien ergänzende Stellungnahmen eingefordert worden

F+B verteidigt das bisherige Zahlenwerk vehement. "Die Berliner Gerichte haben den immer nach derselben Methodik erstellten Mietspiegel jahrelang als wissenschaftlich akzeptiert", teilte das Institut F+B mit.

Das Amtsgericht, das den Mietspiegel in der vergangenen Woche gekippt hatte, sei der Einzelmeinung eines Gutachters gefolgt. Weder von F+B noch von der zuständigen Berliner Senatsverwaltung seien ergänzende Stellungnahmen eingefordert worden, hieß es. Man halte daran fest, dass der Mietspiegel nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen erstellt worden sei.

Berlins Senator Geisel forderte indes bundesweit einheitliche Kriterien für die Erstellung von Mietspiegeln. Er könne nicht ausschließen, dass Gerichte auch künftig einzelne Aspekte des Zahlenwerks infragestellten, sagte er. Eine einheitliche Systematik sei sinnvoll, um Mietern und Vermietern eine verlässliche Orientierung zu geben.

Was Mieter jetzt wissen müssen - die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

yes/dpa

insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
ClausWunderlich 18.05.2015
1.
Das die Mieten in Deutschland sehr niedrig sind ist ja nu lange bekannt. Ich hoffe das die Vermieter jetzt gestärkt weden und für ihre Ware Wohung entsprechend mehr bekommen.
bene_lava 18.05.2015
2. Leider ist es so...
Leider ist es so, dass gerade amtsgerichtliche Urteile oftmals nichts mit ordentlicher Rechtsanwendung zu tun haben. Amtsrichter folgen oft nur dem einfacheren Weg. Wenn es eine Partei schafft den Fall zu verkomplizieren, durch Gutachten etc...oder eine Partei einen Rechtsanwalt hat und die andere nicht, dann knickt der Amtsgerichtsrichter oft ein und entscheidet zugunsten der stressigeren Partei. Ich kenne Fälle in Berlin, in denen das Amtsgericht sogar bewusst Gesetze und BGH-Rechtssprechung ignoriert nur um eine kurze Urteilsbegründung schreiben zu können. Aus diesem Grunde ist es mir auch nicht mehr möglich, Deutschland als Rechtsstaat bezeichnen zu können. Gerade auf amtsgerichtlichern Ebene, also der Ebene auf denen sich der Normalbürger im Streitfall meist bewegt, ist von einer enormen Willkür des Richters geprägt. Die wenigsten Bürger haben das Geld und die Kraft sich gegen falsche Entscheidungen zu Wehr zu setzen...die Amtsrichter wissen dies und nutzen das gnadenlos aus!
karend 18.05.2015
3. x
Zitat von ClausWunderlichDas die Mieten in Deutschland sehr niedrig sind ist ja nu lange bekannt. Ich hoffe das die Vermieter jetzt gestärkt weden und für ihre Ware Wohung entsprechend mehr bekommen.
Mieten in Deutschland sind unterschiedlich - so wie die Einkommen. Sollten die Menschen mehr Geld für ihre Arbeit erhalten, könnten auch die Mieten steigen.
nesmo 18.05.2015
4. Wissenschaftlich?
Was ist an dem Mietenspiegel wissenschaftlich? Ist er transparent und nachprüfbar? Nein, die Daten werden nicht vollständig veröffentlicht. Es wird nur behauptet, ein Gremium von gesellschaftlichen Vertretern habe die Daten und Schlussfolgerungen abgesegnet.Der Einfluss, keine zu hohe Mietsteigerungen aus sozialpolitichen Gründen zuzulassen ist übergroß. Nachvollziehbar, aber keinesfalls wissenschaftlich. Zum Beispiel die Trennung von Guten, normalen und einfachen Wohnlagen ist höchst willkürlich. Daten von unabhängigen Maklern, die für Investitionsentscheidungen in Millardenhöhe eine möglichst hohe Objektivität haben müssen, weisen viel differenzierter diese Gebiete aus. Es gibt dort auch mehr gute Wohnlagen, in denen höhere Mieten gezahlt werden. Stattdessen berücksichtigt der Mietenspiegel überproportional, ob der Müllraum abschließbar ist, ob der Wasserhahn warm und kalt mischen kann und ähnliches mehr.
hschmitter 18.05.2015
5.
Interessanter ist doch die Frage, was Neuvermietung kostet. Wer in Berlin eine Wohnung hat, zieht doch nicht mehr um, da selbst bei einer deutlichen Verkleinerung der neue Mietpreis über dem alten liegt.
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