Sorge vor Preisschlacht Aldi verramscht Milch für 45 Cent

Bei den Milchbauern wächst die Sorge vor Dumpingpreisen. Die Produktionsmengen erreichen Rekordniveau, das nutzen Discounter für Rabatte. Den Anfang machte Aldi und verbilligt Milch, Butter und Sahne kräftig.
Milchglas vor Kuh in Nordhessen: Angst vor Dumpingpreisen

Milchglas vor Kuh in Nordhessen: Angst vor Dumpingpreisen

Foto: Bernd Schoelzchen/ picture alliance / dpa

Düsseldorf - Mit Protestaktionen und dem Ausschütten von Milch wehrten sich Bauern 2009 gegen extrem niedrige Preise. Nun droht im Einzelhandel die nächste Rabattschlacht mit Molkereiprodukten. Den Anfang machte traditionell Aldi. Den Preis für Trinkmilch reduzierten Aldi Süd und Nord am Mittwoch um sechs Cent je Liter.

Fettarme Milch (1,5 Prozent) kostet damit 45 Cent, Milch mit einem Fettgehalt von 3,5 Prozent kostet 51 Cent. Auch Butter wird erheblich billiger. Für eine Packung müssen Kunden 75 Cent zahlen und damit 14 Cent weniger. Der Preis für Schlagsahne wurde von 43 Cent auf 37 Cent gesenkt.

Einzelne Konkurrenten reagierten umgehend. Netto Marken-Discount wollte noch am selben Tag ebenfalls die Preise bei etlichen Artikeln verringern. Beim Supermarktriesen Rewe und dessen Discount-Tochter Penny sind Trinkmilch und Butter der untersten Preislage ab diesem Donnerstag billiger.

Grund für den Preisrutsch ist die jüngste Verhandlungsrunde zwischen den einzelnen Molkereien und Handelskonzernen über neue Trinkmilchverträge. Die Kontrakte gelten in der Regel für ein halbes Jahr. Bereits im November 2011 war Trinkmilch um etwa zwei bis drei Cent je Liter billiger geworden.

Die aktuelle Rabattrunde im Einzelhandel fällt stärker aus als von Produzenten befürchtet. In den vergangenen Wochen gab es Berichte, dass erste Abschlüsse in der Preisrunde Abschläge von Molkereien gegenüber Handelsriesen von vier bis 4,5 Cent je Liter Trinkmilch vorsähen.

"Wer Lebensmittel verramscht, ruiniert unsere Bauern"

Landwirtschaftsvertreter kritisierten die Preissenkungen und erklärten, die Bauern hätten mit steigenden Kosten bei Energie und Futtermitteln zu kämpfen. Der Druck auf Milchbauern steige, sagte der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Hans Foldenauer. Das betreffe nicht nur kleine, sondern auch mittlere und große Betriebe.

Auch der Vorsitzende der Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern, Alexander Bonde (Grüne), kritisierte den Preisrutsch bei Milch und Butter. "Dieser unverantwortliche Kampfpreis der Discounter kommt uns teuer zu stehen: Wer Lebensmittel verramscht, ruiniert unsere Bauern und die Landschaften unserer Heimat", sagte Bonde, der Verbraucherminister in Baden-Württemberg ist.

Allerdings hatten die Molkereien im Verhandlungspoker mit den Handelsriesen schlechte Karten. "Tatsache ist, es wird so viel produziert wie noch nie", sagte der Vizegeschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW, Gerd Krewer. 2011 sei die Menge um 2,4 Prozent auf 29,3 Millionen Tonnen gestiegen. Die Obergrenze für die Milchmengen in der EU werde bis zum Wegfall 2015 schrittweise erhöht.

Der höheren Milchmenge stehe derzeit eine schwächere Nachfrage auf dem Binnen- und Weltmarkt gegenüber. Molkereien zahlten an die Milchbauern im bundesweiten Durchschnitt derzeit noch rund 30 Cent je Liter Rohmilch. Der Tiefstand war Mitte 2009 bei 20 bis 22 Cent je Liter.

mmq/dpa