Milliarden-Projekt Grube räumt Defizite bei Stuttgart 21 ein

Im Streit über Stuttgart 21 geht Bahnchef Grube auf die Kritiker zu. Das Vorhaben sei nicht "das bestgeplante Bahnprojekt aller Zeiten", sagte er auf einer Bürgerversammlung - und machte dort weitere Zugeständnisse.
Bahnchef Grube: "Wir machen da keinen Blödsinn"

Bahnchef Grube: "Wir machen da keinen Blödsinn"

Foto: Franziska Kraufmann/ dpa

Stuttgart 21

Leinfelden-Echterdingen - Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube hat Defizite beim Milliarden-Projekt zugegeben. Es sei keineswegs "das bestgeplante Bahnprojekt aller Zeiten", wie es manche Bahnmanager vermarktet hätten, sagte Grube am Montag bei einer Bürgerversammlung in Leinfelden-Echterdingen im Kreis Esslingen.

Er bekräftigte geplante Änderungen am bisherigen Konzept, zum Beispiel eine zweigleisige Anbindung des Stuttgarter Flughafens. "Ich setze mich dafür ein, dass die zweigleisige Anbindung kommt", sagte Grube. Das koste 35 Millionen Euro extra. Bislang ist das Bahnvorhaben, das die Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofes und die Anbindung an die Schnellbahntrasse nach Ulm über den Stuttgarter Flughafen vorsieht, auf 4,1 Milliarden Euro kalkuliert.

In der Gemeinde Leinfelden-Echterdingen liegt der Stuttgarter Flughafen, an dem ein neuer ICE-Halt geplant ist. Die rund 450 Zuhörer in der Filderhalle, darunter viele S21-Gegner, forderten vom Bahnchef Auskunft darüber, wie angesichts des zu erwartenden höheren Zugaufkommens Lärm und Erschütterungen in ihrem Wohngebiet vermieden werden können.

Grube betonte, nicht die Bahn bestimme über den Lärmschutz. Dieser werde vielmehr vom Eisenbahnbundesamt und vom Bundes-Immissionsschutzgesetz vorgegeben. Er könne nachvollziehen, dass sich die Bürger Sorgen über mögliche zusätzliche Lärmbelastung machten. Vom Güterverkehr drohe jedoch keine Gefahr, denn dieser dürfe den Streckenabschnitt auf den Fildern nicht befahren. "Das kann ich persönlich hier zusagen", so Grube.

Der von der Schutzgemeinschaft Filder geforderte Baustopp des umstrittenen Bahnprojekts wurde bei der Veranstaltung von Grube nur indirekt angesprochen. Die Bürgerinitiative argumentiert, ohne Baugenehmigung für den Streckenabschnitt Leinfelden-Flughafen-Messe bestehe überhaupt kein Anlass, teure Fakten zu schaffen, die man später vielleicht zurücknehmen müsse. Grube betonte, ein Vergabestopp käme nicht in Frage. Er könne in laufende Ausschreibungen nicht eingreifen, da er sich sonst strafbar mache. Er versicherte aber: "Wir machen da keinen Blödsinn. Es wird nichts gebaut, was später nicht genutzt wird."

Künftig will Grube alle Bürgeranfragen binnen 14 Tagen beantworten und zu weiteren Informationsbesuchen kommen. "Wir sind bereit wiederzukommen. Wir laufen nicht weg", sagte er. Bei einem ersten kurzen Treffen mit Vertretern der Filderkommunen und Anwohnern vor knapp anderthalb Monaten hatte Grube versprochen, bei einem zweiten Besuch genug Zeit für noch offene Fragen mitzubringen.

In Stuttgart gab es derweil erneut Proteste gegen das Bahnprojekt. Nach Polizeiangaben versammelten sich rund 200 Demonstranten unter dem Motto "Volksentscheid zu 'Stuttgart 21', jetzt" am Abend vor dem Hauptbahnhof. Daraufhin zogen sie durch die Innenstadt und skandierten Parolen. Im Bereich des City-Rings kam es zu Verkehrsbehinderungen.

luk/dpa/apn/dapd
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