Millionenbetrug Richter verurteilen Apotheker zu Bewährungsstrafe

Jahrelang kaufte ein Lübecker Apotheker verbilligte Medikamente für den Klinikverbrauch - und verkaufte sie zu regulären Preisen weiter. Dadurch entstand Arzneitmittelfirmen ein Millionenschaden. Ein Gericht verurteilte den Pharmazeuten jetzt zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.


Lübeck - Das Gefängnis bleibt ihm erspart: Ein Lübecker Apotheker hat mindestens sieben Pharmafirmen durch gewerbsmäßigen Betrug einen Schaden in Höhe von insgesamt rund einer Million Euro zugefügt. Das Lübecker Landgericht verurteilte den 67 Jahre alten Mann am Freitag deswegen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Pharmazeut in den Jahren 2004 bis 2008 Arzneien, die ausschließlich für die Versorgung von Krankenhäusern bestimmt waren, mit Gewinn an nicht berechtigte Abnehmer verkauft hatte. Tatsächlich veräußerte der Apotheker die Medikamente etwa an Alten- und Pflegeheime, Gefängnisse, Arztpraxen sowie Großhändler.

Das umfangreiche Geständnis des Verurteilten sowie dessen schlechter gesundheitlicher Zustand hätten zur Strafmilderung beigetragen, sagte der Richter in der Begründung. Mit dem Urteil folgte er den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Der Pharmazeut war seit 1982 Inhaber einer Apotheke in Lübeck - inzwischen ist sie geschlossen.

Außer dem Pharmazeuten müssen sich in dem Betrugsfall vier mutmaßliche Mittäter in den kommenden zwei Monaten vor Gericht verantworten: Dazu zählen einer seiner Mitarbeiter, die Geschäftsführerin eines Pharmagroßhandels sowie zwei Mitarbeiter der AOK Schleswig-Holstein.

bos/dpa/dapd



insgesamt 4 Beiträge
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si_tacuisses 12.08.2011
1. Wieviele verschiedene Preislisten hat denn so die Pharma-Maffia im Umlauf ?
Zitat von sysopJahrelang kaufte ein Lübecker Apotheker verbilligte Medikamente für den Klinikverbrauch - und verkaufte sie zu regulären Preisen weiter. Dadurch entstand Arzneitmittelfirmen ein Millionenschaden.*Ein Gericht verurteilte den Pharmazeuten jetzt*zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,779971,00.html
Basar-Mentalität und der blöde Endverbraucher (Patient) und seine Kasse drücken brav ab. Nicht dieser Apotheker gehört bestraft sondern die Pharma-Gangster. Hallo Zensi, is ja schon gut is ja schon g......
germanexpat 12.08.2011
2. isch shon gutt
Zitat von si_tacuissesBasar-Mentalität und der blöde Endverbraucher (Patient) und seine Kasse drücken brav ab. Nicht dieser Apotheker gehört bestraft sondern die Pharma-Gangster. Hallo Zensi, is ja schon gut is ja schon g......
Solange der Endverbraucher nicht selbst in die eigen Tasche greifen muss und alles von der Asozialgemeinschaft getragen wird. Reicht das als Antwort?
Dominik Menakker, 13.08.2011
3. Kein Titel
Wie kann das Betrug sein? Apotheker X kauft eine Großpackung, teilt sie in Kleinmengen auf und verkauft sie zum regulären Preis. Das macht jeder Großhändler so. Damit habe ich in D jahrelang mein Geschäft gemacht. Ich habe 1000 Einheiten von Produkt X gekauft, natürlich zu einem entsprechenden Sonderpreis, und habe sie an Kleinabnehmer in Mindestabnahmen von 5 St. weiterverkauft. Natürlich habe ich mir den Gewinn eingestrichen ( für alle, die jetzt aufjaulen, natürlich habe ich davon Lagerpersonal, Buchhaltung etc. bezahlt, bevor ein kleiner Gewinn übriggeblieben ist ). Wie kann sowas illegal sein? Es geht aber noch viel illegaler. Man stelle sich vor, 2 Apotheker machen das gleiche und da Apo 1 merkt, dass er Konkurenz bekommt, senkt er einfach die Preise um 5 %. Das wäre dann ja doppelt illegal. Großpackungen kaufen und im Kleinen anbieten, und dann noch unter Preis verkaufen? Das geht gar nicht mehr. Dann hätte es auch keine Bewährung mehr gegeben. Ein Verstoss gegen das sozialistische Gesundheitswesen in D unter MARKTeinfluss( man stelle sich vor, das ist fast so kriminell wie Neoliberal ) muss dann doch in nicht unter 5 Jahren Knast enden. Wer glaubt,dass wir hier in einer freiheitlichen Wirtschaft leben, muss sich nur den Prozess anschauen. Die Richter wussten wohl auch, über was für einen Wahnsinn sie hier zu urteilen haben, sonst hätte es niemals Bewährung gegeben, aber offensichtlich haben sie nicht die Traute gehabt, den Wahnsinn des Systems zu thematisieren und im Urteil auch zum Ausdruch zu bringen. Eigentlich müsste man gegen einen Schuldspruch bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vorgehen.
Dominik Menakker, 13.08.2011
4.
Vor ein paar Jahren hat sich ein Konzern mit einem Zentraleinkauf bei mir Wiederverkaufsrabatte erschlichen. Darf ich die jetzt anzeigen?
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