Mindestlohn Geringverdiener müssen an den Stadtrand

Vom Mindestlohn soll man leben können. Egal wo. Unsere interaktiven Karten deutscher Großstädte zeigen: Geringverdiener müssen an den Rand ausweichen - wenn sie überhaupt eine bezahlbare Wohnung finden.

Ein Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde soll vor allem eines bewirken: Wer gemäß dieser Lohnuntergrenze bezahlt wird, soll von seinem Gehalt leben können. Er soll davon eine Wohnung zahlen können, Lebensmittel, Versicherungen, Freizeitausgaben und vielleicht auch einen Urlaub. Theoretisch. Ganz praktisch ist es für Mindestlohnverdiener unmöglich, in den zentralen oder beliebten Vierteln deutscher Großstädte wie Berlin  oder Hamburg eine bezahlbare Wohnung zu finden - in Frankfurt am Main oder München ist gleich das ganze Stadtgebiet unerschwinglich.

1428 Euro brutto verdient jemand, der 40 Stunden pro Woche arbeitet und nach dem Mindestlohn bezahlt wird; netto bleiben einem Single davon knapp 1060 Euro. Eine Kaltmiete gilt einer gängigen Faustregel dann als tragbar, wenn sie nicht mehr als 30 Prozent des Nettoeinkommens beträgt - also weniger als 320 Euro für den Single mit Mindestlohn. Hinzu kommen dann noch die Ausgaben für Heizung und Nebenkosten.

Wie viele Wohnungen gibt es in München für diesen Preis, wie viele in Berlin? In welchen Vierteln kann man leben, wenn man ausschließlich ein Mindestlohn-Gehalt bezieht? Um das herauszufinden, hat SPIEGEL ONLINE die Wohnungsangebote auf dem Internetportal Immobilienscout24 für die Städte Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München auswerten lassen.

Unsere Datenanalyse im Detail

Zur besseren Übersichtlichkeit haben wir die Angebote für drei beispielhafte Haushaltsgrößen analysiert:

  • Eine 40 Quadratmeter große Wohnung für einen Single,
  • eine 60 Quadratmeter große Wohnung für eine/n Alleinerziehende/n mit einem Kind,
  • und eine 80-Quadratmeter-Wohnung für ein Paar mit zwei Kindern.

Immer gilt: Die Mieter haben eine Vollzeitarbeitsstelle, verdienen 8,50 Euro pro Stunde und haben kein zusätzliches Einkommen. Die Daten basieren auf den Angeboten, die im ersten Quartal 2014 auf Immobilienscout24 veröffentlicht wurden. Auf dieser Grundlage wurden in einem komplizierten Verfahren  durchschnittliche Preise berechnet, die auch berücksichtigen, wie sich der Bestand an Wohnungen in den Stadtteilen zusammensetzt. Lediglich nachverhandelte Mieten und Wohnungen, die auf anderen Wegen vermietet werden, bleiben dabei außen vor.

Wer zum Thema Mindestlohn und Großstadtmieten recherchiert, wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der Staat Geringverdiener mit Wohngeld unterstützt. Doch Singles und Paare mit zwei Kindern, bei denen beide Elternteile Vollzeit zum Mindestlohn arbeiten, liegen in der Regel bereits oberhalb der Bemessungsgrenze für das Wohngeld. Eine Ausnahme bildet nur unser Fall der/des Alleinerziehenden, die/der einen Zuschuss von bis zu 79 Euro pro Monat beantragen kann.

Interaktive Karten zum Mindestlohn

Wie also sehen die fünf größten Städte in Deutschland für Geringverdiener aus? In welchen Vierteln gibt es (mit dem Mindestlohn) bezahlbare Wohnungen? Kann man sich mit 30 Prozent vom Netto eine Wohnung leisten, oder muss man 40 oder gar 50 Prozent zahlen und hat nach Abzug von Betriebs-, Heiz- und Stromkosten kaum noch etwas zum Leben?

Klicken Sie sich durch unsere interaktive Grafik. Grün sind solche Viertel eingefärbt, die Sie sich auch mit dem Mindestlohn noch leisten können - je grüner, desto mehr Geld bleibt dann noch übrig. Rot steht für Gebiete, die im Durchschnitt zu teuer sind - je stärker die Einfärbung, desto höher sind die Mieten.