Umfrage Deutsche wollen ihr Geld nachhaltig anlegen - tun es aber nicht

Investieren die Deutschen ihr Geld mit gutem Gewissen? Eine Umfrage zeigt: Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander. Das hat mehrere Gründe.

Das Interesse von deutschen Anlegern an nachhaltigen Geldanlagen ist nicht gerade gering: Immerhin 40 Prozent aller Privatanleger in Deutschland finden nachhaltige Kapitalanlagen so attraktiv, dass sie ihr Geld dort investieren würden.

Doch für ein solches Investment haben sich bislang nur mickrige 4,8 Prozent der Privatanleger entschieden. Eine große Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Das ist das Ergebnis einer neuen Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Instituts für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI).

Die Untersuchung zeigt demnach: Das Interesse an nachhaltigen Geldanlagen in Deutschland ist da, doch es hapert an der Umsetzung. Das vorhandene Marktpotenzial wird kaum ausgeschöpft.

Doch man kann den Deutschen kaum einen Vorwurf machen: Denn herauszufinden, wie man das eigene Geld oder das Geld für die Altersvorsorge nachhaltig anlegen kann, ist für Laien eine kaum zu lösende Aufgabe - die Informationen darüber fehlen schlichtweg. Rund 40 Prozent der Befragten der GfK-Umfrage finden das Informationsangebot zu nachhaltigen Anlageprodukten unzureichend. Hinzu kommt: 35 Prozent ist die Wirkung der Anlagen für eine nachhaltige Entwicklung völlig unklar.

"Nachhaltige Anlageprodukte müssen transparenter werden, damit mehr Anleger in sie investieren", sagt Rolf Häßler, Geschäftsführer des NKI, der die Studie in Auftrag gegebenen hat. "Anleger fordern zu Recht mehr Informationen darüber, wie nachhaltige Kapitalanlagen ihrem Anspruch gerecht werden und welchen konkreten Beitrag sie zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten." Häßler erwartet, dass sich Deutschlands Banken dem Thema annehmen, Anleger besser informieren und geeignete Produkte auf den Markt bringen.

"Die Praxis zeigt, dass Anleger durchaus zu nachhaltigen Anlageprodukten greifen, wenn man sie im Kundengespräch auf diese hinweist und sie ihnen erklärt", sagt Bernhard Brinker, Leiter Private Banking bei der HypoVereinsbank.

Dem Banker zufolge kann es für Anleger auch aus Renditesicht Sinn ergeben, auf die Nachhaltigkeit von Anlagen zu achten: "Es ist ein Irrglaube, dass nachhaltige Geldanlageprodukte bei gleichem Risikoprofil niedrigere Renditen abwerfen als klassische Produkte." Tatsächlich zeigen mehrere aktuelle Studien, dass die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Kriterien für die Unternehmen meist von Vorteil ist und sie langfristig davon profitieren.

Doch noch immer hindert der Glaube, dass nachhaltige Anlagen weniger lukrativ sind, viele Anleger daran, nachhaltig zu investieren: Rund 31 Prozent aller Befragten in der GfK-Untersuchung befürchten durch nachhaltiges Investieren ein höheres Anlagerisiko, 23 Prozent sogar eine schlechtere Rendite.

Wenn sich Anleger dann doch für nachhaltige Anlagen entscheiden, ist ihnen vor allem die Einhaltung von fundamentalen Menschenrechten wichtig. Rund 42 Prozent aller Befragten ist dieser Aspekt besonders wichtig. Erst dann kommen der Schutz von Umwelt (31 Prozent) und Klima (31 Prozent). Der Ausschluss von Rüstungsunternehmen ist lediglich für 17 Prozent der Privatanleger ein zentrales Thema.

hej
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