Young Money Blog Nachhaltig anlegen - so geht's

Man muss nicht in Waffenhersteller, Klimasünder oder Ausbeuterfirmen investieren: Gerade junge Anleger wollen ihr Geld nicht in schmutzige Unternehmen stecken. Tatsächlich geht es anders.
Foto: Christian Charisius/ DPA

Als guten Einstieg und Basisanlage für einen langen Zeitraum habe ich bereits mehrfach ETFs auf den Index MSCI World empfohlen, der rund 1600 Unternehmen aus 23 Ländern umfasst und damit beinahe die gesamte Weltwirtschaft abdeckt.

Der Riesenindex hat aber einen Nachteil: Er enthält auch Waffenunternehmen, Klimasünder oder Firmen, die im Verdacht stehen, von Kinderarbeit zu profitieren. Denn er deckt nun mal die gesamte Weltwirtschaft ab. Einige wollen auf dieser Basis keine Aktien kaufen. Kürzlich schrieb mir eine Leserin: "ETFs sind sehr schmutzig, davon lasse ich lieber die Finger."

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Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 28 Jahre alt, seit der Kindheit. Die erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, ein paar Jahre später folgten die ersten Fondsanteile. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog .

Der Wunsch, auch bei der Geldanlage auf Nachhaltigkeit zu achten, ist nachvollziehbar. Dass die Anlage in solche Investments die Rendite schmälere, kommt immer wieder zur Sprache, ist aber ein Mythos. Das haben drei Wissenschaftler in einer Meta-Studie bereits vor einigen Jahren bewiesen. Sie untersuchten 2000 Studien, die sich mit der Rendite von nachhaltiger Geldanlage auseinandersetzten. 90 Prozent kamen zu dem Ergebnis, dass Nachhaltigkeitskriterien keinen negativen Einfluss auf die Rendite haben.

Inzwischen gibt es unzählige Wege, Geld ethisch-ökologisch anzulegen. Es ist aber extrem schwierig, im Gewirr der Produkte den Durchblick zu behalten. Denn es gibt keine einheitlichen Kriterien dafür, was "nachhaltig" überhaupt bedeutet – und welche Aktien als nachhaltige Investments einzustufen sind. Wie schwer die konkrete Bewertung von Firmen ist, zeigt sich bei führenden Datenanbietern, die seit Jahren Nachhaltigkeitsindizes anbieten: Der Elektroautobauer Tesla etwa landet in einem Nachhaltigkeitsranking von MSCI auf einem Topplatz, belegt aber beim "Environmental Social Governance"-Rating von Indexanbieter FTSE nur einen hinteren Rang.

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Bei der Auswahl der Firmen legt jeder Fonds, der mit einem Nachhaltigkeitssiegel wirbt, völlig unterschiedliche Maßstäbe an. Manche Fonds meiden etwa Aktien von Firmen der Rüstungs-, der Atom- oder der Ölbranche komplett. Andere Fonds wiederum investieren gezielt in Unternehmen, die sich in ihrer umstrittenen Branche besonders hervortun, der sogenannte Best-in-Class-Ansatz. Der Fonds investiert dann – vereinfacht gesagt – in die Kohlefirma, die sich am meisten darum bemüht, ihren CO2-Ausstoß zu senken. Eine Investition in eine Firma mit hohem CO2-Ausstoß und einer Strategie zum Abbau dieser Emissionen soll dieser Logik folgend sinnvoller sein, als einfach nur in das Unternehmen zu investieren, das den niedrigsten CO2-Ausstoß vorweist. So soll ein Wettbewerb um die besten Innovationen angestoßen werden.

Das perfekte grüne Produkt, ohne höheres Risiko und mit niedrigen Kosten, existiert noch nicht. Wer nachhaltig anlegen will, muss wissen, was er will, Kompromisse eingehen und am Ende selbst entscheiden, was ihm am wichtigsten ist.

Wenn Sie darüber nachdenken, wie Sie selbst mit dem Thema umgehen können, haben Sie diese drei Möglichkeiten:

1. Die Premium-Bio-Anlage

Sie suchen sich einen aktiv verwalteten Ökofonds aus. Bei solchen ist ein Fondsmanager dafür verantwortlich, die Aktien auszuwählen, die er für besonders nachhaltig hält.

Die Zeitschrift "Finanztest", die von der Stiftung Warentest herausgegeben wird, hat zum Beispiel jüngst in einer groß angelegten Untersuchung unter 300 Fonds empfehlenswerte Aktienfonds herausgefiltert, die nicht in folgende Arten von Unternehmen investieren:

  • Hersteller geächteter Waffen

  • Atomkraftbetreiber

  • Firmen, die Arbeits- und Menschenrechtsverstöße dulden

Einige dieser Fonds haben sogar noch weitere Ausschlusskriterien hinzugefügt.

Was die Rendite angeht, sind sie mit herkömmlichen ETFs vergleichbar. Allerdings sind die Risiken etwas höher, weil sie weniger breit investieren – da sie eben einige Branchen ausschließen. Der Clou beim passiven Investieren mit ETFs ist ja gerade, "den ganzen Markt zu kaufen", also eine sehr breite Auswahl an Unternehmen.

Nachhaltige Weltaktienfonds

Name

WKN

F&C Responsible Global Equity A EUR Inc

A0H0G1

GreenEffects NAI-Wertefonds Acc

580265

JPMorgan Global Socially Responsible Fund D

603002

NN (L) Global Sustainable Equity

812837

Ökoworld Ökovision Classic C

974968

Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Equity AA

216770

terrAssisi Aktien I AMI P

984734

UniNachhaltig Aktien Global

A0M80G

Quelle: Finanztest, Stand: März 2018

Was aber viel wichtiger ist: Nachhaltige aktive Aktienfonds haben oftmals deutlich höhere Kosten als ETFs. In jedem Fall bezahlen Sie bei aktiv verwalteten Fonds höhere laufende Verwaltungsgebühren (bis zu 2,5 Prozent) als bei einem Aktien-Indexfonds (in der Regel zwischen 0,2 und 0,5 Prozent). Außerdem wird ein sogenannter Ausgabeaufschlag fällig. Er kann bis zu fünf Prozent der Anlagesumme ausmachen – der Fonds muss ihn über die Jahre erst wieder verdienen.

Ich halte es wegen dieser hohen Kosten für unwahrscheinlich, dass ein Ökofonds langfristig besser abschneidet als ein ETF auf einen breiten Weltaktienindex. Dafür hat man aber auch kein schlechtes Gewissen.

Auch könnten Sie Geld in Spezialfonds anlegen, die gezielt in Branchen wie erneuerbare Energien investieren. Davon sollten Anleger aber grundsätzlich die Finger lassen – solche Investments sind extrem riskant, weil ein sogenanntes Klumpenrisiko besteht. Solche Fonds sind von Kurseinbrüchen stärker betroffen als Fonds, die auf mehrere Branchen setzen und somit Verluste in einem Bereich auffangen können. Deutsche Anleger haben beispielsweise mit Solaraktien viel Geld verloren.

2. Klassische Faulpelz-Anlage

Sie investieren in klassische ETFs und setzen als passiver Anleger darauf, dass der Weltaktienindex MSCI World quasi automatisch in Zukunft nachhaltiger sein wird. Denn wenn beispielsweise in einigen Jahren die Kohlevorkommen erschöpft sind, werden Kohlefirmen unprofitabel sein oder gar pleitegehen, aus dem Index fliegen und womöglich von grünen Energiefirmen ersetzt werden. Ein Welt-ETF bildet alle Entwicklungen der Weltwirtschaft automatisch ab, da der Fonds immer die größten 1600 Firmen der Welt in den Index aufnimmt.

Und in vierzig oder fünfzig Jahren werden das andere Firmen sein als heute. Zugegeben: Davon sind wir noch meilenweit entfernt, Sie könnten aber deshalb den Transformationsprozess nicht nur über Ihre Anlageentscheidungen beeinflussen, sondern auch auf andere Art beschleunigen - je nachdem welche Produkte Sie kaufen und benutzen und damit die entsprechenden Firmen unterstützen oder eben auch nicht.

3. Die Kompromiss-Lösung

Wenn Sie ein Mindestmaß an Nachhaltigkeit bei Ihrer Geldanlage haben wollen, können Sie auf nachhaltige ETFs setzen. Im Bereich der ETFs ist das Angebot an nachhaltigen Produkten zwar karg, es gibt jedoch zumindest einige wenige, die sich als Alternative zum MSCI World eignen.

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Da wäre zum Beispiel der MSCI World Socially Responsible Index (Stand Juni 2019). Er schließt etwa Waffen und Rüstung, Atomkraft, Alkohol, Tabak, Glücksspiel und Agrar-Gentechnik aus. Auch Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen sind auf der Tabuliste. Außerdem werden nur Firmen in den Index aufgenommen, die ein hohes ESG-Ranking aufweisen. Die Abkürzung ESG steht dabei für die englischen Begriffe environment, social und governance (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung).

MSCI beschäftigt eine Vielzahl von Analysten, die dieses Rating erarbeiten. Dabei greifen sie auf öffentlich verfügbare Informationen zurück, zum Beispiel Geschäfts- oder Medienberichte. Der Index enthält rund 400 Aktien aus 23 Ländern. Er ist also relativ breit gestreut, und mit ihm bekommen Anleger wenigstens ein Mindestmaß an Nachhaltigkeit. In den vergangenen Jahren hat die nachhaltige Variante eine ähnlich hohe Rendite wie der klassische MSCI World eingefahren, außerdem war die Wertschwankung ähnlich hoch.

Als eine weitere Indexalternative zum klassischen MSCI World ist der Dow Jones Sustainability Index World Enlarged einen Blick wert. Er stammt vom US-amerikanischen Verlagshaus Dow Jones, das auch den weltweit bekannten US-Leitindex Dow Jones ins Leben gerufen hat. Der nachhaltige Weltindex soll nach Firmenangaben die knapp 600 nachhaltigsten Unternehmen der Welt inklusive Schwellenländern enthalten. Die Auswahl basiert auf einem umfassenden Fragebogen, der auch Nachhaltigkeitskriterien abfragt. Analysten bewerten und gewichten diese Kriterien und kommen auf einen Score. Von den nachhaltigsten Unternehmen kommen die zwanzig Prozent jeder Branche in den Index, die an der Börse am meisten wert sind. Der Anteil US-amerikanischer Aktien liegt bei etwa vierzig Prozent.

Sowohl beim nachhaltigen Index der Firma MSCI wie auch bei Dow Jones sind zum Beispiel führende Internetunternehmen (Apple, Facebook, Google Alphabet, Amazon) nicht im Index enthalten.

Die bekannte ETF-Marke iShares bietet einen ETF (ISIN: IE00B57X3V84) auf den Dow Jones Sustainability Index World an, Stand Juni 2019. Bei der Rendite bleibt der nachhaltige ETF im Fünfjahreszeitraum 2013 bis 2017 ein Stück hinter seinem klassischen Pendant zurück – und schwankt tendenziell etwas stärker im Wert. Dafür legt der Fonds seine Dividenden selbstständig wieder an.

Was die Nachhaltigkeit angeht, hat die vergleichsweise noch junge ETF-Branche also noch deutliches Verbesserungspotenzial. Es gibt noch zu wenige solcher ETFs am Markt, die beim Thema Nachhaltigkeit wirklich überzeugen.

In den kommenden Jahren werden neue, bessere Produkte auf den Markt kommen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ein Anleger, der heute auf einen nachhaltigen ETF setzt, ihn in ein paar Jahren durch einen neuen, besseren austauschen sollte. Dadurch entstehen wiederum Transaktionskosten, weil beim Kauf und Verkauf eines ETFs Kosten anfallen. Das wollen wir vermeiden. Denn es ist sinnvoller, über mehrere Jahrzehnte hinweg an einem ETF festzuhalten.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Young Money Guide", das am 13. Januar 2020 erschienen ist. 

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