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03. Dezember 2015, 11:47 Uhr

Nachhaltige Mode

Es geht noch billiger als mit Billigklamotten

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Nachhaltige Mode? Klingt irgendwie nach muffigem Ökoladen. Kein Wunder, dass die Deutschen immer mehr Massenware kaufen und wegwerfen wie Pappbecher. Dabei geht es auch anders - ziemlich einfach und unfassbar günstig. Eine Anleitung.

Wie wäre das: jede Woche ein neues Kleidungsstück im Schrank - modisch, umweltfreundlich, für null Euro. Eine wirre Ökofantasie? Nein, das ist längst möglich.

Zum Beispiel so: An einem warmen Samstag strömten im Juni rund 10.000 Menschen zu sogenannten Kleidertauschpartys in ganz Deutschland. Das Konzept: mit zehn aussortierten Kleidungsstücken hingehen, mit zehn gebrauchten Kleidungsstücken heimgehen. In 40 Städten hatte die Umweltschutzorganisation Greenpeace solche Tauschbörsen organisiert, allein in Hamburg sollen etwa tausend Leute gekommen sein - es könnte ein Trend werden.

Laut einer Greenpeace-Erhebung werden von den 5,2 Milliarden Kleidungsstücken in unseren Kleiderschränken 40 Prozent sehr selten oder nie getragen, jeder Achte trägt seine Schuhe nicht einmal zwölf Monate lang. Zugleich geben die Deutschen immer mehr Geld für Textilien aus, obwohl es die zu immer niedrigeren Preisen gibt. Kurzum: Wir verbrauchen Kleidung wie Pappbecher.

Eine Armada von Aktivisten, Behörden und Non-Profit-Organisationen hält dagegen: Sie werben für Nachhaltigkeit, decken Textilskandale auf, prüfen Sozialstandards und verleihen Umweltsiegel. Und sie bauen darauf, dass die Idee fairer Kleidung sich auch als Geschäftsmodell durchsetzt, dass nach dem Siegeszug der Vegetarier nun immer mehr Menschen quasi zu Klamottariern werden.

Doch Siegel und gut gemeinte Kampagnen allein werden die weltweiten Probleme unseres Textilkonsums kaum stoppen - denn das Wissen um Missstände verändert nicht zwangsläufig das Verhalten. So hält laut einer Greenpeace-Studie jeder zweite Deutsche Nachhaltigkeitssiegel für sehr hilfreich - beim Shoppen achtet aber nur jeder Vierte darauf.

Warum sind wir so erschreckend inkonsequent?

"Im Moment des Kaufens, wenn wir sehr spontan zugreifen, blenden die meisten von uns diese Probleme aus", sagt Kirsten Brodde von Greenpeace. Zudem sind viele Verbraucher offenbar schlichtweg ermüdet: Vokabeln wie "nachhaltig" oder "verantwortlich" sind wegen der inflationären Verbreitung längst ausgehöhlt. Überdies sind die aussagekräftigen Zertifikate von den PR-Emblemen kaum noch zu unterscheiden. Und ist nachhaltige Mode nicht eh viel spießiger, hässlicher und zudem auch noch teurer als die neueste Kollektion im Textildiscounter?

Nun, nein. Denn so schwierig ist es nicht, nachhaltige, günstige und dennoch modische Kleidung zu bekommen. Wie, warum und wo das geht - der Überblick:

Über Geschmack lässt sich natürlich streiten, aber es gibt etliche Alternativen zum piefigen Gebrauchtwarenmarkt im Gemeindezentrum. Einige Designer haben sich etwa aufs sogenannte Upcycling spezialisiert, also darauf, aus Abfallmaterialien trendige Mode zu kreieren. So gibt es Labels, die Shirts aus Brennnesseln und Pullover aus Plastikflaschen herstellen - andere verzichten komplett auf Baumwolle, Billiglöhne oder Chemikalien.

Vor allem Zertifikate dienen als Wegweiser für verantwortungsbewusste Mode. Allerdings haben sich auch Großkonzerne mit schick daherkommenden Emblemen eingedeckt, und selbst das Siegelüberprüfungsportal der Bundesregierung scheitert offenbar am Anspruch, die hilfreichen von den verlogenen Zertifikaten zu unterscheiden.

Das liegt auch daran, dass die meisten Siegel sich nur auf einzelne Stationen der Herstellungskette beziehen: Mal stehen ökologische Standards im Mittelpunkt, mal die Arbeitsbedingungen. Mal geht es um die Herkunft von Baumwolle oder Farbstoffen, mal um den Einsatz von Chemikalien oder die Bausubstanz von Textilfabriken.

Doch es gibt sie, die wirklich nützlichen Siegel: Ein hohes Vertrauen genießen insbesondere die Label Fairtraide Certified Cotton von Transfair, GOTS, Fair Wear Foundation, BEST, bluesign , Naturland, Ökotex und Naturleder IVN zertifiziert. (Wegweiser durch den Siegel-Dschungel gibt's hier oder hier)

Auf der sicheren Seite ist zudem, wer gezielt Kleidung aus Deutschland kauft, denn hierzulande gelten vergleichsweise hohe Sozial- und Umweltstandards. Und wer auch noch Tiere schützen will, der kann auf vegane Kleidung umsteigen, die ohne tierische Bestandteile wie Leder, Seide, Wolle hergestellt wurde. Die Tierschutzorganisation Peta und die Vegane Gesellschaft vergeben entsprechende Siegel, manche Label und Onlineshops haben sich ganz auf solche Kleidung spezialisiert. (Lesen Sie hier mehr darüber.)

Fast überall - aber: Oft ist es schwierig, in der Masse des Angebots die nachhaltigen Hosen und Blusen zu entdecken. Doch es gibt technische Helfer: Die Web-App productofslavery etwa zeigt für jedes Herstellerland an, wie die Produktionsbedingungen dort sind. Und Plug-Ins wie aVOID sollen beim Surfen Werbung für Kleidungsstücke ausblenden, die mithilfe von Kinderarbeit entstanden sind.

Darüber hinaus gibt es etliche Geschäfte, die ausschließlich fair und umweltschonend hergestellte Textilien im Sortiment haben. Listen mit solchen Läden und Web-Shops finden sich etwa hier oder hier. Rein vegane Mode verkaufen unter anderem die Label Umasan und Bleed Clothing sowie Onlineshops wie Dear Goods, Muso Koroni und avesu.

Der Markt für alternative Mode-Unternehmen ist klein, wächst aber seit einigen Jahren. Klamotten lassen sich inzwischen problemlos tauschen (beispielsweise über den "Kleiderkreisel"), ausleihen (etwa in der "Kleiderei") oder selbst herstellen (sogar aus Müll). Ach ja, und dann gibt es natürlich noch die Kleidertauschpartys - in Hamburg zum Beispiel schon wieder am 5. Dezember.


Zusammengefasst: Die Deutschen kaufen immer mehr Billigkleidung, nur sehr langsam wächst das Bewusstsein für nachhaltige Mode. Ein Grund dafür ist offenbar, dass viele nicht wissen, wie und wo man gebrauchte oder "upgecycelte" Kleidung kaufen, tauschen oder leihen kann. Dabei gibt es inzwischen einen recht gut entwickelten Markt für faire und grüne Mode.

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