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Negativ-Preis: Der Goldene Windbeutel

Negativ-Preis Verbraucher küren Monte Drink zum dreistesten Werbelügner

Der Monte Drink von Zott bekommt den "Goldenen Windbeutel" für den frechsten Werbeschwindel. Bei einer Online-Abstimmung der Verbraucherorganisation Foodwatch wählten Tausende Teilnehmer das Kindergetränk auf Platz eins. SPIEGEL ONLINE stellt alle Produkte vor.

Hamburg - Der Nachfolger von Actimel heißt Monte Drink. 2009 wurde der Trinkjoghurt von Danone als dreisteste Werbelüge ausgezeichnet, in diesem Jahr haben Verbraucher dem Kindergetränk von Zott den "Goldenen Windbeutel" verliehen. Organisiert wurde die Abstimmung von der Verbraucherorganisation Foodwatch.

Der Monte Drink sei ein "unverantwortlicher Versuch, eine Zuckerbombe wie eine gesunde Zwischenmahlzeit zu bewerben", sagt Anne Markwardt von Foodwatch. Das Getränk enthalte "mehr Zucker als Cola und doppelt so viel Kalorien wie Fanta". Die Verbraucher hätten durchschaut, dass der Monte Drink "nichts anderes ist als eine flüssige Süßigkeit und im Schulranzen von Kindern nichts verloren hat".

37,5 Prozent der rund 81.500 Teilnehmer wählten das Milcherzeugnis auf Platz eins. Die Online-Abstimmung lief vom 22. März bis zum 22. April.

Zott weist die Kritik am Monte Drink zurück und nennt die Auszeichnung "nicht nachvollziehbar". Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte das Unternehmen, dass Nährwerte wie Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate/Zucker auf der Verpackung angegeben seien. Ein großer Teil des Zuckers bestehe aus Milchzucker, der aus Milchbestandteilen stammt. Der Verbraucher sei "umfänglich über die Inhaltsstoffe informiert" und könne "diese Informationen in seine Kaufentscheidung einbeziehen".

Laut Foodwatch  hat Zott aber bereits auf die Wahl reagiert: So werbe das Unternehmen auf seiner Homepage nicht mehr mit dem Satz, der Monte Drink sei der "ideale Begleiter für Schule und Freizeit". Zott kündigte zudem an, Rezeptur und Etikett des Monte Drinks anzupassen: Mit Blick "auf die öffentliche Diskussion zu Zucker wird das Produkt Monte Drink Anpassungen und Verbesserungen in der Darstellung gegenüber den Verbrauchern wie in der Rezeptur erfahren", teilte das Unternehmen mit.

Wenn das stimme, sei es ein Erfolg für die Verbraucher, sagt Foodwatch-Aktivistin Markwardt. "Offenbar ist die Lebensmittelindustrie nur mit großem öffentlichen Druck zu einer ehrlicherenWerbestrategie zu bewegen." Man werde verfolgen, ob Zott es ernst meint.

Süßer Tee und Tütensuppe auf Platz zwei und drei

Auf dem zweiten Platz bei der Abstimmung landete laut Foodwatch der Tee "Gelbe Zitrone Physalis" von Pfanner (18,6 Prozent), auf dem dritten die "Duett Champignon Creme Suppe" von Escoffier (15,2 Prozent). Eine Grafik mit dem Ausgang der Wahl finden Sie in der Fotostrecke (siehe oben).

Im vergangenen Jahr verlieh Foodwatch die Negativ-Auszeichnung zum ersten Mal - 47 Prozent der Teilnehmer wählten damals den Trinkjoghurt Actimel. Das Versprechen des Herstellers Danone, Abwehrkräfte zu aktivieren, sei ein "großes Märchen", die Wirkung von Actimel auf das Immunsystem nicht größer als bei einem herkömmlichen Joghurt.

Danone sprach von "gezielter Verbraucherverunsicherung". Die Vorwürfe seien nicht zutreffend. Actimel aktiviere nachweislich die Abwehrkräfte, sagte Danone-Sprecher Andreas Knaut. "Das ist in mehr als 30 wissenschaftlichen Studien belegt."

Vergangene Woche zog Danone allerdings bei der europäischen Aufsichtsbehörde seine Anträge zurück, mit denen die angeblich gesundheitsfördernden Eigenschaften der beiden Produkte bestätigt werden sollten. In Frankreich und Großbritannien stoppte das Unternehmen Anzeigen und Spots zu den Gesundheitsaspekten. In Deutschland ändert Danone seine Werbung laut Knaut dagegen nicht. "Was wir sagen, können wir beweisen, und wir stehen dazu."

cte/AFP
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