Drohende Energieknappheit Netzagentur-Chef hält Verdreifachung der bisherigen Gasrechnung für möglich

Die verringerten Gaslieferungen an Deutschland könnten sich extrem auf die Verbraucherpreise auswirken. Für den Netzagentur-Chef Klaus Müller gibt es ein Datum in diesem Sommer, das wohl entscheidend wird.
Erdgasempfangsstation der europäischen Gas-Anbindungsleitung Eugal

Erdgasempfangsstation der europäischen Gas-Anbindungsleitung Eugal

Foto: Stefan Sauer / dpa

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hält eine Verdreifachung der Verbraucherpreise für Gas für möglich. »Wenn man es hochrechnet, kommt es sehr darauf an, wie Sie heizen, wie Ihr Gebäude gebaut ist. Aber es kann zu einer Verdreifachung der bisherigen Gasrechnung kommen«, sagte Müller am Donnerstag den Sendern RTL/ntv.

Seit der Drosselung der Lieferungen von russischem Gas in der vergangenen Woche sei das Preisniveau nochmals um 50 Prozent gestiegen. »Viele Gasimporteure sagen, sie würden das gern weitergeben«, sagte Müller. Doch dazu müsste die Preisanpassungsklausel aktiviert werden. Ob das passiere, hänge sehr davon ab, wie sich die Gasflüsse weiterentwickelten. »Wir wissen, dass am 11. Juli ein Wartungsfenster droht. Da wird Nord Stream 1 komplett runtergefahren, und wir wissen nicht, was danach passiert.«

Am Donnerstag hatte der Wirtschaftsminister die zweite von drei Eskalationsstufen des Notfallplans Gas ausgerufen. Diesen hatte die Bundesregierung nach Russlands Überfall auf die Ukraine vorgestellt. Nun folgt die Alarmstufe, weil der russische Pipeline-Monopolist Gazprom den Gasstrom durch die wichtige Ostseepipeline Nord Stream 1 um 60 Prozent gedrosselt hat.

Viele Gasversorgungsunternehmen befinden sich jetzt in einer dramatischen Lage , da sie Gas zu horrenden Preisen einkaufen müssen. Im Energiesicherungsgesetz gibt es für ein solches Szenario eine Vorkehrung: Beim Ausrufen der Alarmstufe kann in einem zweiten Schritt den Gasversorgungsunternehmen ein Preisanpassungsrecht eingeräumt werden. In diesem Fall dürfen die Gasversorger die gestiegenen Preise auch trotz vertraglich zugesicherter Preisbindung weitergeben – was für explodierende Energiekosten bei den Verbrauchern sorgen würde.

ktz/dpa