Netzausbau Oettinger kündigt steigenden Strompreis an

Die Stromrechnung eines Durchschnittshaushalts könnte bald spürbar höher ausfallen. Laut EU-Energiekommissar Oettinger führt der Ausbau der Netze zu Zusatzkosten. Ohne neue Leitungen werde die Gefahr von Stromausfällen "sehr real".
Stromleitung bei Regensburg: Die EU will 200 Milliarden Euro in neue Netze stecken

Stromleitung bei Regensburg: Die EU will 200 Milliarden Euro in neue Netze stecken

Foto: A3528 Armin Weigel/ dpa

Hamburg - EU-Energiekommissar Günther Oettinger erwartet deutlich höhere Strompreise. Hintergrund ist der von der EU auf rund 200 Milliarden Euro veranschlagte Ausbau der europäischen Energienetze. "Es geht um ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde", sagte Oettinger dem "Hamburger Abendblatt". Damit ließen sich die neuen Leitungen und weitere Speicherkapazitäten finanzieren. Die Modernisierung der Energieinfrastruktur hatten die Staats- und Regierungschefs der EU bei ihrem jüngsten Gipfel in Brüssel beschlossen.

Legt man Oettingers Richtwert zugrunde, kämen auf einen durchschnittlichen Vierpersonenhaushalt mit einem Stromverbrauch von 4500 Kilowattstunden bis zu 90 Euro Mehrkosten im Jahr zu. Die Zusatzkosten sind Oettinger zufolge unvermeidlich: "Wenn wir das Energienetz nicht ausbauen, ist die Gefahr eines Stromausfalls sehr real." Der geplante Ausbau erneuerbarer Energien wie der Windkraft beeinträchtige die Versorgungssicherheit. "Daher brauchen wir perfekte Netze, die Schwankungen ausgleichen können."

Geld aus Brüssel gebe es nur für Projekte, "die im europäischen Interesse, aber nicht rentabel sind", versicherte der Kommissar. Als Beispiel nannte er die Anbindung des Baltikums. In der vergangenen Woche sagte Oettinger SPIEGEL ONLINE, dass solche Projekte über EU-Anleihen - sogenannte Projektbonds - finanziert werden könnten.

Die Erschließung neuer Windparks vor den Küsten der Nord- und Ostsee sei dagegen "ein gutes Geschäftsmodell", sagte der Energiekommissar im "Abendblatt". Solche Investitionen müssten privat finanziert werden.

dab/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.