Kampf gegen Plastikmüll Neuseeland will Einwegtüten abschaffen

150 Plastiktüten verbraucht jeder Neuseeländer im Jahr, viele landen als Müll im Meer. Premierministerin Ardern hat dem Land jetzt einen sechsmonatigen Entzug verordnet - dann soll das Verbot kommen.
Einkauf in Plastiktüten

Einkauf in Plastiktüten

Foto: Mark Baker/ AP

Neuseeland will Einweg-Plastiktüten abschaffen. Das Verbot soll nach einer sechsmonatigen Testphase im kommenden Jahr in Kraft treten."Wir schaffen Einweg-Plastiktüten schrittweise ab, um besser auf unsere Umwelt zu achten und Neuseelands sauberen, grünen Ruf bewahren können", sagte Regierungschefin Jacinda Ardern. Sie verwies auf "Hunderte Millionen" Einweg-Plastiktüten, die pro Jahr verwendet würden und vielfach im Meer landeten. Einweg-Plastiktüten zählen zu den häufigsten Dingen, die in Müll an Neuseelands Küsten gefunden werden.

Trotz seines Rufs als "grünes Land" gehört der Pazifikstaat zu den Ländern mit einem hohen Verbrauch an Plastiktüten. Im Durchschnitt verbraucht jeder Neuseeländer mehr als 150 Einweg-Tüten pro Jahr. Auf die gesamte Nation gerechnet fallen insgesamt pro Jahr mehr als 750 Millionen Tüten an.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte die Entscheidung der neuseeländischen Regierung zur Einführung eines Verbots. Dies sei ein "wichtiger erster Schritt" zum Schutz von Meerestieren wie Schildkröten und Walen, die oft durch den Verzehr von Plastik verenden.

Mehr als acht Millionen Tonnen Plastikmüll landen laut den Vereinten Nationen jedes Jahr im Meer. Die Uno will deshalb bis 2022 erreichen, dass Einwegplastik aus dem Handel verschwindet. Mehr als 60 Länder hätten bereits Schritte unternommen, um Plastikmüll zu verhindern oder zumindest zu reduzieren.

In Australien hatte die Abschaffung kostenloser Plastiktüten unlängst allerdings für einen Proteststurm unter den Kunden gesorgt, die ihren Frust teilweise sogar mit Gewalt am Personal der Supermärkte ausließen. Im Kampf gegen den Plastikmüll haben alle australischen Bundesstaaten außer New South Wales ein Plastiktütenverbot erlassen oder planen eines. Händler, die sich nicht daran halten, müssen mit Strafen bis zu 6000 australischen Dollar (3800 Euro) rechnen.

SPIEGEL ONLINE

Verbrauch in Deutschland geht zurück

In Deutschland ist der Verbrauch von Einmaltüten bereits deutlich zurückgegangen. Wie die Gesellschaft für Verpackungsforschung im Juni berichtete, haben deutsche Kunden 2017 rund 1,3 Milliarden weniger Plastiktüten als im Vorjahr verbraucht - und den Verbrauch insgesamt um mehr als ein Drittel gesenkt. Im Schnitt verbrauchten deutsche Konsumenten im vergangenen Jahr 29 Plastiktüten pro Person. Dabei geht es um Tragetaschen, die an der Kasse gekauft werden, nicht um transparente Tüten für Obst und Gemüse.

Der Trend zu weniger Plastiktüten hält in Deutschland seit Jahren an - im Vergleich zu 2015 hat sich die Zahl der Tüten, in denen Kunden ihre Einkäufe nach Hause trugen, mehr als halbiert.

oka/AFP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.