CDU-Vorstoß zu Veggie-Produkten Nur Wurst soll Wurst heißen

Das Thema Fleisch lässt die CDU nicht los. Nachdem sie für Schweinefleisch in Kantinen stritt, fordert sie in Niedersachsen nun neue Namen für Fleischersatzprodukte. Alles andere sei Verbrauchertäuschung.

Veggie-Wurst
DPA/ Fredrik von Erichsen

Veggie-Wurst


Niedersachsen ist ein Zentrum der deutschen Fleischproduktion. Im ersten Halbjahr 2016 wurden in den Schlachthöfen des Bundeslands allein 895.600 Tonnen Schweine- und 448.000 Tonnen Geflügelfleisch erzeugt. Dafür wurden 8,58 Millionen Schweine und 161,75 Millionen Geflügeltiere geschlachtet. Doch offenbar fürchtet die niedersächsische CDU, heimische Fleischer könnten Konkurrenz bekommen: Sie will Fleischbezeichnungen für vegetarische Produkte abschaffen.

Das geht aus einem Entschließungsantrag der Fraktion hervor, über den die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet. Darin heiße es, Fleischersatzprodukte sollten nicht mehr als "Wurst", "Schnitzel", "Frikadelle" oder "Salami" verkauft werden. Das sei "Verbrauchertäuschung", begründete CDU-Verbraucherschutzsprecher Frank Oesterhelweg den parlamentarischen Vorstoß.

Anlass der Initiative ist laut Zeitung der Erfolg von Lebensmitteln, die als vegetarische Wurst, Schnitzel oder Frikadellen verkauft werden und in Aussehen, Struktur und Geschmack an Fleisch erinnern. "Die Leute sollen essen, was sie wollen. Sie sollen aber wissen, was sie essen", sagte Oesterhelweg der "NOZ".

Fleisch und Spott

Unterstützung erhielt die CDU vom niedersächsischen Landvolk. Der Deutsche Vegetarierbund widersprach hingegen: "Die Verwendung von Bezeichnungen, die herkömmlich für tierische Produkte eingesetzt wurden, sollte auch für vegetarische Alternativprodukte eindeutig zugelassen werden", sagte ein Vertreter der Organisation der Zeitung. Die EU hat die Verwendung traditioneller Begrifflichkeiten bei vegetarischen Fleischersatzprodukten laut "NOZ" noch nicht abschließend geregelt.

Mit einem anderen Vorstoß zum Thema Fleisch hatte die CDU-Fraktion in Schleswig-Holstein im März viel Spott auf sich gezogen. Sie forderte die Landesregierung auf, sich dafür einzusetzen, dass in öffentlichen Kantinen auch weiterhin Schweinefleisch angeboten werde. Immer öfter würde Schwein aus dem Angebot genommen, um auf religiöse Bräuche von Migranten Rücksicht zu nehmen, hieß es zur Begründung.

"Man muss auch aufpassen, dass man die Themen im Umgang mit Flüchtlingen jetzt nicht auf schlechtes Comedy-Maß reduziert ", kommentierte SPD-Chef Sigmar Gabriel damals. Grünen-Politiker Volker Beck sagte: "Als Verfassungspatriot erkläre ich: Das Schweinefleisch gehört nicht zu den Werten unserer Verfassung."

dab/AFP



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