Niedrige Arbeitslosigkeit Zahl der Privatinsolvenzen geht zurück

Gescheiterte Selbständigkeit oder hohe Handyrechnungen: 63.000 Deutsche mussten im ersten Halbjahr 2013 Insolvenz anmelden. Weil mehr Menschen Arbeit haben, sinkt die Zahl aber seit Jahren. Bremer beantragen den Gläubigerschutz mehr als doppelt so häufig wie Bayern.

Eigenheimbau in Schwerin: Insolvenzrisiko Immobilienfinanzierung
DPA

Eigenheimbau in Schwerin: Insolvenzrisiko Immobilienfinanzierung


Hamburg - Die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland geht weiter zurück. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres mussten 63.000 private Schuldner Insolvenz anmelden. Das sind 3,9 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs, teilte die Wirtschaftsauskunftei Bürgel mit.

Damit habe sich die Situation nach den schwachen ersten drei Monaten etwas entspannt. Auch für das Gesamtjahr erwartet Bürgel nun einen leichten Rückgang um 2000 bis 4000 Privatinsolvenzen auf 126.000 bis 128.000. Seit ihrem Höchststand im Nach-Rezessionsjahr 2010 von mehr als 139.000 ist die Zahl der Privatinsolvenzen jedes Jahr weiter gesunken.

"Grund für die Verbesserung ist vor allem die robuste Binnenkonjunktur, die sich positiv auf die Beschäftigungsquote und die Lohnzuwächse auswirkt", sagte Bürgel-Geschäftsführer Norbert Sellin. Doch trotz des positiven Ausblicks hätten weiterhin viele Menschen Mühe, ihre Zahlungsfähigkeit zu bewahren. Sollte die Arbeitslosigkeit in den kommenden Jahren steigen, sei auch mit einem Anstieg der Privatinsolvenzen zu rechnen. Wegen der schwachen Konjunktur im Winter stieg die Zahl der Firmeninsolvenzen bereits stark an.

Für eine private Insolvenz müssten die Betroffenen nicht zwingend hoch verschuldet sein. Im Durchschnitt haben zahlungsunfähige Privatpersonen Schulden von 28.000 Euro, bei jungen Leuten unter 25 Jahren sogar weniger als 10.000 Euro. Neben der Arbeitslosigkeit führen vor allem ein dauerhaftes Niedrigeinkommen, gescheiterte Selbständigkeit, Immobilienfinanzierung, Scheidung und Krankheit in die Pleite.

Durchgängig müssen mehr Männer als Frauen Insolvenz anmelden - außer in der Altersgruppe der 18- bis 20-Jährigen, wo die Frauen mit 54,6 Prozent vorn liegen. Die meisten Privatpleiten gemessen an der Einwohnerzahl gibt es in Bremen (129 je 100.000 Einwohner), vor Hamburg (108) und Schleswig-Holstein (103). Am wenigsten betroffen sind Bayern (58), Baden-Württemberg (59) und Thüringen (66).

Durch eine Privatinsolvenz können Personen bisher nach sechs Jahren von ihren restlichen Schulden befreit werden. Nach der kürzlich beschlossenen Reform des Insolvenzrechts ist eine Restschuldbefreiung ab Juli 2014 sogar nach drei Jahren möglich, wenn gut ein Drittel der Schulden beglichen wurden.

ade/dpa



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