Niedrigzinsen bei Sparkassen Das Beste vom Kunden - sein Geld

Deutschlands Anleger jammern über Niedrigzinsen. Doch viele sind selbst schuld: Sie parken ihr Geld auf mies verzinsten Sparbüchern oder Tagesgeldkonten. Es geht auch anders.

Sparkassen-Sparbuch: Statt dem Besten für ihre Kunden nur das Beste von ihren Kunden
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Sparkassen-Sparbuch: Statt dem Besten für ihre Kunden nur das Beste von ihren Kunden


Anfang der Woche wartete der Ostdeutsche Sparkassenverband mit einer Jubelmeldung auf. Die Sparer hätten auch im Jahr 2014 wieder mehr Geld auf den kurzfristigen Konten der 45 angeschlossenen Sparkassen angelegt, insgesamt deutlich mehr als 84 Milliarden Euro. Und die Zahl sei zum achten Mal in Folge gestiegen.

Ich muss mich unwillkürlich am Kopf kratzen, wenn ich solche Zahlen lese. Die Aufstellung dokumentiert nämlich, dass die Kunden der ostdeutschen Sparkassen im vergangenen Jahr auf mindestens eine halbe Milliarde Euro an Zinsen verzichtet haben, einfach so.

Wenn Sie sich über die Rechnung wundern: Die ist einfach. Ostdeutsche Sparkassen zahlen ihren Kunden auf Sparkonten, Tagesgeldkonten und kurzfristigen Festgeldkonten Niedrigstzinsen. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam mit ihren 0,4 Prozent pro Jahr fürs Tagesgeld liefert da schon ein Topangebot.

Gute Angebote von Banken für Fest- und auch Tagesgeld liegen aber immer noch über einem Prozent. Wenn die Kunden die 84 Milliarden Euro also zu gut einem Prozent bei anderen Banken (eine Übersicht der Festgeld-Angebote finden Sie zum Beispiel hier) angelegt hätten, hätten die Sparkassen-Kunden rund 0,6 Prozentpunkte mehr Zinsen kassiert. 0,6 Prozent von 84 Milliarden Euro sind gut 500 Millionen Euro pro Jahr.

Mindestens - denn die Ostsächsische Sparkasse in Dresden zum Beispiel, die größte in Ostdeutschland, zahlt ihren Kunden fürs Tagesgeld sogar nur 0,2 Prozent Zinsen. Und das auch erst, wenn die Kunden 50.000 Euro dort anlegen. Das sind Beträge, die wenige Kunden einfach so zur Verfügung haben dürften. Und die Leipziger Sparkasse, die drittgrößte ostdeutsche Sparkasse, wartet mit 0,05 Prozent Zinsen beim Tagesgeld auf. Ganz richtig gesehen: Hinter dem Komma kommt noch eine Null und dann erst die Fünf.

Im Prinzip ist der Markt für Tagesgeld recht transparent. Die Kunden der Sparkassen könnten also sehen, dass sie Geld verschenken und dass es anderswo deutlich bessere Angebote gibt (eine Übersicht der Tagesgeldangebote finden Sie zum Beispiel hier). Selbst schuld also? Ja, zum Teil.

Das Versagen der Sparkassen bei ihrer Kerndienstleistung

Doch auch die ostdeutschen Sparkassen, die an dieser Stelle herhalten müssen als Beispiel für Banken und Sparkassen in vielen Teilen der Republik, tragen einen Teil der Verantwortung.

Sie haben nämlich nicht verstanden, wozu sie da sind. Denn eine Bank oder Sparkasse ist ein Dienstleister für ihre Kunden. Für Sparer besteht die Dienstleistung darin, ordentliche Zinsen zu bekommen. Für Kreditnehmer darin, möglichst preiswert einen Kredit zu erhalten. Steht sinngemäß auch in Paragraf 2 des Brandenburgischen und Sächsischen Sparkassengesetzes.

Würden die ostdeutschen Sparkassen diese Art von Erfolg zum Maßstab nehmen, würden sie nicht stolz vorrechnen, wie viel Geld auf ihren Konten zinsarm dahinkümmert. Sie würden sich stattdessen damit brüsten, wie erfolgreich sie das Geld ihrer Sparer gemehrt haben. Anders gesagt: Die verschenkten 500 Millionen spiegeln eigentlich ein Versagen der Sparkassen bei ihrer Kerndienstleistung wider: ihren Kunden zu einer optimalen Geldanlage zu verhelfen. Gerade wenn diese Kunden sich nicht selbst um ihre Anlagestrategie kümmern können oder wollen.

Spitz formuliert, die meisten Banken und Sparkassen wollen statt das Beste für ihre Kunden nur das Beste von ihren Kunden, das Geld. Und in dieser Hinsicht waren die ostdeutschen Sparkassen 2014 wirklich erfolgreich.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.



insgesamt 135 Beiträge
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Seite 1
aus-berlin 21.02.2015
1. was für ein Beitrag
wegen ein paar Euro mehr Zinsen gleich ein Konto bei irgendeiner Bank aufmachen. die haben auch zu niedrige Zinsen. und dann festgelegt mit mehreren Monaten Bindung. sehr unseriös.
t dog 21.02.2015
2. Null Prozent Zinsen
plus Kontoführungsgebühr. Das sind Minuszinsen. Zum Glück gibt es einige deutsche Onlinebanken. Ein Prozent Zinsen, keine Gebühren, Kreditkarte umsonst und kostenlos, weltweit an jedem Bankautomat Geld abheben. Was will man mehr? Eine Filiale benötigt man doch nur um Bargeld einzuzahlen. Die meisten Bankkunden benötigen diesen Service aber nicht.
loralin 21.02.2015
3. Bankbetriebswirt Tenhagen
Ja, Herr Tenhagen! Vollkommen richtig! Natürlich können es sich Sparkassen und Volksbanken leisten, bei negativen Einständen Zinsen von 1,0% und mehr für täglich fällige Einlagen an ihre Kunden zu zahlen! Ich meine, die kosten ja nix, die Filialen, die Automaten, das Personal, das Vertribesnetz...gibts ja alles für umme! Da macht es Sinn, dass kurzfirstige Einlagen für Banken ein Minusgeschäft darstellen! Jetzt mal im Ernst: Direktbanken können es sich leisten, utopische, nicht marktgerechte Zinsen auf kurzfristige Einlagen zu zahlen und jeder tut gut daran, Kunde einer solchen Bank zu sein, sofern er es verkraften kann, dass es keine Filialen, ausgebildete Mitarbeiter und Ratschläge für die persönliche, finanzielle Lage gibt. Diejenigen, die sich tatsächlich mit Ihrem Geld beschäftigen möchten, müssen auch erkennen: der Markt gibt den Guthabenszins nicht her! Vielmehr wäre es aus bankbetriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll, den negativen Zinseinstand an den Kunden weiter zu geben. Es funktioniert halt nicht, eine Baufinanzierung zu 1,75% und gleichzeitig 1,2% Tagesgeld bei der gleichen Bank zu unterhalten. Betriebswirtschaftlicher Unfug! Lasst euch nicht auf die halbgaren Feststellungen von Herrn Tenhagen ein und macht was anständiges mit eurem Geld, anstatt euch über niedrige (marktgerechte!) Guthabenszinsen zu echauffieren!
MichaelHPunkt 21.02.2015
4. Ein Großteil der Deutschen...
versteht nicht, oder verdrängt einfach nur, wie momentan ihre Werte vernichtet werden. Die Sparkassen sind nur ein Spiegel dessen. Ohne Kunden, die bereitwillig ihr Gespartes dort abladen, hätten sie keine Existenzberechtigung.
schischu 21.02.2015
5. Es geht doch nicht um Zinsgewinn
Und wieder zeigt der Ökonom, dass er nur die Maxime des Gewinns kennt. Bei der Auswahl des Kontos sollte es doch nicht nur um den höchsten Profit gehen! Bei der Sparkasse geht ein Teil des Gewinns der mit meinem Geld erzielt wird wenigstens noch an die Gemeinde bzw. die Stadt und deren Vereine und Organisationen. Das ist allemal besser als alles den internationalen Shareholdern in den Rachen zu werfen. Noch besser wäre ja eine Bank wie die GLS z.B. dort kann ich mir sicher sein, dass mein Geld nicht für die Finanzierung von Waffenproduktion oder Atomtechnik benutzt wird. Das sind die ausschlaggebenden Argumente und nicht ob ich ein paar Euro mehr kriege!
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