Niedrige Zinsen, hohe Gebühren Wie sich Kunden gegen das Bankversagen wehren

Bankkunden haben derzeit nichts zu lachen. Für ihr Erspartes erhalten sie bei vielen Instituten kaum Zinsen - und müssen zudem oft noch hohe Gebühren zahlen. Schuld daran sind teilweise auch die Banken selbst.
Sparbuch

Sparbuch

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Uwe Fröhlich, Chef des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) sitzt in der Fernsehsendung "Hart aber fair"  und nennt eine unglaubliche Zahl: Die Volksbanken und Raiffeisenbanken, Sparda und PSD Banken würden über Nacht regelmäßig 100 Milliarden Euro bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Fröhlich erklärt, dass die Banken, für die er spricht, für das Geld schlicht keine Verwendung hätten.

100 Milliarden Euro.

Keine Verwendung.

Diese Aussage von Uwe Fröhlich ist mir im Kopf geblieben. Denn das heißt doch nichts anderes, als dass viele der Chefs der Genossenschaftsbanken ihren klassischen Auftrag nicht erfüllen. Sie finden für einen wesentlichen Teil des Geldes, dass ihnen die Kunden anvertrauen, keine vernünftige Anlagemöglichkeit. Nur deswegen müssen sie es bei der EZB parken. Und dafür zahlen sie zu allem Überfluss noch Strafzinsen.

Und diese Strafzinsen wälzen sie nun auf die Kunden ab - etwa über steigende Gebühren.

Gegen den Begriff "Versagen" würden sich viele Volksbank-Manager wohl verwehren. Aber wie soll man das sonst nennen?

Die Genossenschaftsbanker selbst erklärten mir das auf meine Anfrage so: In normalen Zeiten sei ein solcher Einlageüberhang kein Problem, man könnte ihn ja einfach in Staatsanleihen rentierlich anlegen. Leider seien die Zeiten aber nicht normal. Auch der Interbankenmarkt, auf dem sich die Banken früher gegenseitig über Nacht Geld liehen, sei seit der Finanzkrise "weitgehend tot". Bankmanager trauen sich gegenseitig nicht mehr über den Weg.

Kunden sollten ihr Erspartes Banken mit Ideen anvertrauen

Nicht nur den Volksbanken sind die Ideen ausgegangen. Auch Sparkassen und Privatbanken parken viel Geld bei der EZB, weil sie nicht mehr wissen, wohin sonst damit. Ebenfalls 100 Milliarden Euro Einlagenüberhang sind es aktuell nach eigener Aussage auch bei den Sparkassen. Auch sie wissen nicht, wohin mit dem Geld. Deren Begründung: In Deutschland nähmen die Unternehmen wegen der "Unsicherheit über die wirtschaftliche Lage" keine Kredite, in den südeuropäischen Ländern gebe es zwar eine Nachfrage, dort sei aber die Bonität der Unternehmen nicht ausreichend.

Was bedeutet das für uns Bankkunden?

Wir Kunden können diese Malaise zum Anlass nehmen, Aktienindexfonds , also Wertpapiere zu kaufen. Mit solchen Fonds lassen sich auf lange Frist sicher höhere Renditen erzielen.

Wer das nicht will, kann das Bankversagen aber auch zum Anlass nehmen, das Ersparte jenen verbliebenen Banken anzuvertrauen, die noch eine Idee haben, was mit diesen Ersparnissen an Geschäften zu finanzieren ist.

Das würde zum einen den Volkswirtschaften in Deutschland und Europa gut tun. Ersparnisse der einen Kunden würden - wie eigentlich bei Banken vorgesehen - Investitionen und Geschäftsideen der anderen Kunden finanzieren.

Und die entstehenden Erträge könnte man sich wie früher teilen. Die Sparer mit den Investoren und der Bank. Anders gesagt: Die Bank zahlt dann auf Einlagen auch Zinsen.

So würde es den Kunden nützen, ihr Geld zu Banken umzuschichten, die etwa fürs Tagesgeld bis zu ein Prozent und fürs Festgeld deutlich über ein Prozent Zinsen zahlen. Ein Prozent mehr Zinsen statt 100 Milliarden Euro Einlagenüberhang brächte eine Milliarde mehr in die Kasse der Kunden.

Solche Zinsen lassen das Ersparte der Kunden immer noch nicht anschwellen. Sie verhindern aber auch, dass das Kapital der Sparer schrumpft. Und entscheidend sind ja nicht die Zinsen allein, sondern ihr Verhältnis zur Inflationsrate. Die ist zurzeit auch besonders niedrig. Im Oktober stieg sie in Deutschland zwar wieder langsam auf 0,8 Prozent. Im Schnitt der vergangenen zwölf Monate lag sie aber nur bei knapp 0,4 Prozent.

Niedrige Zinsen schaden den Sparern nicht, solange sie noch über dieser Marke liegen. Bei guten Anbietern ist das auch der Fall. Bei den meisten Sparkassen und Volksbanken liegen die Zinsen allerdings längst unter der Inflationsrate. Das haben sie zwar auch in der Vergangenheit schon häufig getan - aber jetzt fällt es den Kunden auf.

Die Wirkung kann drastisch sein. Nehmen wir an, Sie wollten fürs Alter sparen. Noch 25 Jahre, um dann den Betrag auf einmal in eine Rentenversicherung einzuzahlen für eine lebenslange Rente. Nehmen wir an, die Inflation bliebe bei etwa 0,5 Prozent. Wenn ein Rentenbetrag von 500 Euro zur heutigen Kaufkraft herauskommen soll, macht es einen großen Unterschied, ob das Kapital mit null oder mit einem Prozent Zinsen angespart wird.

Über einen groben Daumen gepeilt, kann man sagen: Was Sie Monat für Monat einzahlen müssen, ist gut ein Zehntel weniger. Über 25 Jahre gerechnet kommen da schnell 15.000 Euro und mehr zusammen, die Sie in mehrere schöne Urlaube investieren könnten, anstatt sie zurücklegen zu müssen.

Das bessere Angebot zu finden, ist kein Hexenwerk, sondern durchaus machbar. In den vergangenen Jahren gab es durchgängig sichere Banken, die für Festgeld  für drei Jahre höhere Zinsen als die Inflationsrate gezahlt haben. Dazu gehörte mal die niederländische ING-Diba, mal die spanische Santander, im Augenblick zum Beispiel die Direkttochter CACF der französischen Großbank Credit Agricole.

Das Bonmot am Schluss: Einen der höchsten Tagesgeldzinssätze auf dem deutschen Markt gibt es ausgerechnet bei einer Genossenschaftsbank: Der PSD Bank Niederbayern-Oberpfalz. Die zahlt immerhin ein Prozent auf Tagesgeldkonten  - bis 10.000 Euro. Mehr sollten Sie im Normalfall ohnehin nicht auf dem Tagesgeldkonto parken.

Zum Autor
Foto:

Micha Kirsten / Finanztip

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »Tageszeitung«. Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.