Nitrat-Belastung in der Landwirtschaft Verbrauchern drohen höhere Wasserpreise

Landwirten hilft der Dünger, er macht die Böden fruchtbarer. Die Zeche zahlen die Verbraucher: Ihnen droht ein Anstieg der Trinkwasserpreise um teils bis zu 62 Prozent, warnen die Wasserversorger.
Landwirt in Niedersachsen bringt Gülle aus.

Landwirt in Niedersachsen bringt Gülle aus.

Foto: Philipp Schulze/ dpa

Für höhere Erträge bringen deutsche Landwirte Gülle und Mineraldünger in Mengen auf ihren Feldern aus - zahlen müssen dafür sämtliche Verbraucher: Denn nun drohen höhere Kosten für Trinkwasser. Wasserversorger warnen, die durch das Düngen stark gestiegene Belastung der Böden mit Nitrat werde das Trinkwasser verteuern.

Die Aufbereitung von Trinkwasser wird durch die hohen Nitratwerte kostspieliger. In besonders betroffenen Regionen "könnte das Trinkwasser dadurch um bis zu 62 Prozent teurer werden", sagte Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) der "Süddeutschen Zeitung". Das Umweltministerium hatte zuletzt vor Preissteigerungen um bis zu 45 Prozent gewarnt.

Die hohe Nitratbelastung bereite den Unternehmen zunehmend Probleme, warnte Weyand. "Wir machen uns große Sorgen um den Zustand des Grundwassers. Das ist die wichtigste Ressource, die wir haben."

Offiziell geht die Bundesregierung dem Bericht zufolge davon aus, dass ein Drittel der Messstellen im Bundesgebiet zu hohe Nitratwerte ausweist. Aus Sicht der knapp 6000 deutschen Versorgungsunternehmen ist die Lage jedoch erheblich kritischer, weil diese sich an einen deutlich niedrigeren Grenzwert halten müssen als den gesetzlich vorgeschriebenen. Gemessen daran weisen fast alle Messstellen im Bundesgebiet zum Teil deutlich überhöhte Nitratwerte auf.

Landwirte müssen für den Schaden durchs Düngen nicht zahlen

Hauptverursacher der hohen Nitratbelastung ist aus Sicht des Wasserverbandes die Landwirtschaft. Während die Landwirte Gewinn aus der nitratreichen Düngung erzielen, müssen sie für den dadurch angerichteten Schaden für das Grundwasser bislang nicht zahlen. Das neue Düngerecht müsse überarbeitet und verschärft werden, forderte Weyand. Die Vorschriften seien lückenhaft und erlaubten zu viele Ausnahmen. Bund und Länder haben lange um das Gesetz gerungen.

Für die Versorger wird das durch Nitrat verunreinigte Grundwasser immer mehr zum Problem. Besonders prekär ist demnach die Situation in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, sowie in einigen Kreisen in Bayern. Zentral ist für die Wasserversorger nicht die offizielle Obergrenze von 50 Milligramm Nitrat pro Liter, sondern der Wert von 37,5 Milligramm. Ab dieser Marke müssen die Unternehmen Maßnahmen ergreifen, um den Zustand des Grundwassers zu verbessern. Das allerdings wird angesichts der steigenden Nitratbelastung immer schwieriger.

Die Wasserwirtschaft hat laut Weyand eigene Messungen gemacht, wo das Grundwasser auf die Brunnen zufließt. "Dort gibt es zum Teil noch viel höhere Nitratbelastungen, es werden Werte von bis zu 400 Milligramm pro Liter erreicht, der offizielle Grenzwert liegt bei 50 Milligramm. Es besteht dringender Handlungsbedarf", sagte er.

Derzeit mischten die Versorger Wasser aus stark und weniger stark belasteten Brunnen oder bauten neue Brunnen, die Wasser aus tieferen Erdschichten förderten. Doch diese Lösung scheint bald ausgereizt, denn bei tieferen Grundwasserschichten steige auch der Salzgehalt, der das wertvolle Nass für das Trinkwasser unbrauchbar macht. Dann könnten die Versorger das Wasser noch von weiter herholen, über neue Leitungen oder spezielle Aufbereitungsanlagen aufbauen. Diese allerdings treibe die Kosten weiter in die Höhe.

kig/AFP
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