Nord Stream 1 Russland hat Gaslieferungen wieder aufgenommen

Erstmals seit Tagen fließt wieder Gas durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach Deutschland. Grund zur Entspannung ist das allerdings nicht: Die Lieferungen liegen noch immer weit unter der Kapazität der Röhre.
Gasanlagen in Lubmin, der Anlandestelle von Nord Stream 1 in Deutschland

Gasanlagen in Lubmin, der Anlandestelle von Nord Stream 1 in Deutschland

Foto: Stefan Sauer / dpa

Nach der Wartung von Nord Stream 1 ist am Donnerstagmorgen die Gaslieferung durch die deutsch-russische Pipeline wieder angelaufen. Es fließe wieder Gas, sagte ein Sprecher der Nord Stream AG der Nachrichtenagentur dpa. Der Sprecher sagte, dass zuletzt in etwa so viel Gas wie vor der Wartung angekündigt war, also rund 67 Millionen Kubikmeter pro Tag. Das entspreche etwa einer 40-prozentigen Auslastung der maximalen Kapazität. Die angemeldeten Mengen können sich mit einem gewissen Vorlauf aber auch noch im Laufe eines Tages ändern.

Auch Daten der europäischen Firmen NEL Gastransport und OPAL Gastransport bestätigen die Wiederaufnahme der Lieferungen. Diese Unternehmen betreiben zwei große Pipelines, die von der Empfangsstation von Nord Stream 1 im vorpommerschen Lubmin quer durch Deutschland führen. Demnach floss in der ersten Stunde Gas mit einem Brennwert von rund 21,5 Millionen Kilowattstunden, das entspricht umgerechnet in etwa 2,2 Millionen Kubikmetern. Hochgerechnet würde es eine Tageslieferung von um die 50 Millionen Kubikmetern oder etwa 30 Prozent der Kapazität von Nord Stream 1 entsprechen. Üblicherweise steigen jedoch die Gasmengen in den ersten Stunden nach dem Hochlaufen einer Pipeline.

Zuletzt hatte es Befürchtungen gegeben, Russland könnte die angekündigten Wartungsarbeiten nutzen, um die Gasflüsse nach Deutschland dauerhaft einzustellen. Moskau hatte betont, die vollständige Unterbrechung der Gaslieferungen über Nord Stream 1 hänge mit dringend notwendigen Arbeiten an der Pipeline-Infrastruktur zusammen, vor allen Dingen aber mit dem Ausfall einer Siemens-Turbine, die zur Wartung nach Kanada gebracht wurde. An dieser Darstellung gibt es begründete Zweifel (lesen Sie mehr dazu hier ).


Noch unklar ist, wie viel Gas Russland nun dauerhaft durch die Leitung transportieren will. Vor Einstellung der Lieferungen vor zehn Tagen lag die Auslastung der Ostseepipeline bereits bei nur 40 Prozent. In den vergangenen Tagen gab es Hinweise darauf, dass Russland die Gasmenge weiter reduzieren könnte. Darauf deuten die sogenannten »Nominierungen« hin – Reservierungen von Pipeline-Kapazitäten.

Diese Buchungen für die Durchleitung von Gas durch die Pipeline Nord Stream 1 sind am Donnerstag auf einem reduzierten Niveau geblieben. Wie der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, am Morgen auf Twitter schrieb, lägen die sogenannten Nominierungen für Nord Stream 1 weiter bei rund 30 Prozent der Auslastung. Für die nächsten zwei Stunden seien die Nominierungen verbindlich, Veränderungen bei den Buchungen innerhalb eines Tages wären sehr ungewöhnlich.

Die Liefermenge in den kommenden Monaten dürfte große Auswirkungen etwa auf die deutsche Wirtschaft, aber auch auf Privatkunden haben, da sie sich wahrscheinlich auf Gaspreise niederschlägt. Sie dürfte auch ausschlaggebend dafür sein, wie weit Deutschland seine Gasspeicher noch vor der kalten Jahreszeit auffüllen kann und ob es zu einer Mangellage kommt. Kremlchef Wladimir Putin hatte in der Nacht zu Mittwoch vor einer Drosselung Ende Juli gewarnt und technische Gründe angeführt. Die Bundesregierung hält diese für vorgeschoben.

beb/dpa
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