Immobilienkredite fast zum Nulltarif Bauzinsen fallen auf Rekordtief

Der Kampf gegen das Coronavirus und eine mögliche Rezession bestimmen die Nachrichten - doch die Maßnahmen haben auch einen Nebeneffekt, von dem Immobilienkäufer profitieren können.
Wohnungsbau in Hamburg

Wohnungsbau in Hamburg

Foto: Markus Scholz/ dpa

Wer gerade in der Planungsphase für den Bau eines Eigenheims ist oder den Kauf einer Wohnung plant, für den könnte die aktuelle Coronakrise zumindest einen positiven Nebeneffekt haben: Die Baudarlehen werden derzeit noch günstiger. Aktuell liegen die Kreditkonditionen jedenfalls nahe an Rekordtiefs, berichten auf Kreditvermittlung spezialisierte Firmen.

"Die Verunsicherung durch das Coronavirus hat zu einem Allzeittief bei Bauzinsen geführt", sagt Mirjam Mohr vom Vermittler Interhyp. Dem Finanzierungsvermittler zufolge kann die Mehrheit der Kreditnehmer Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung für rund 0,6 Prozent jährlich aufnehmen, bei guter Bonität seien um 0,4 Prozent drin.

Interhyp vergleicht die Angebote von über 400 Banken. Gemessen am Vormonat hätten sich die Konditionen zuletzt nochmals um 0,1 Prozentpunkte verbessert. Selbst Darlehen mit 15-jähriger Zinsbindung, mit denen sich Verbraucher niedrige Zinsen lange sichern, würden zu deutlich unter einem Prozent angeboten.

Bald auch Negativzinsen?

Die Finanzvertriebsfirma Dr. Klein sieht zehnjährige Baudarlehen bei einigen regionalen Banken ab 0,31 Prozent, der Baufinanzierungsvermittler Hüttig & Rompf eine "realistische Untergrenze" von etwa 0,35 Prozent. Bei 15 Jahren Zinsbindung lägen die Konditionen bestenfalls bei rund 0,5 Prozent. "Bis auf Weiteres wird auch bei bester Bonität ein positiver Zinssatz bei Immobilienfinanzierungen gang und gäbe sein", sagt Chef Ditmar Rompf.

Die Konditionen für Immobiliendarlehen dürften auch auf absehbare Zeit günstig bleiben. "Wir gehen in den nächsten Wochen sowie auf Jahressicht weiter von niedrigen Zinsen für Immobilienkredite aus", sagt Mohr von Interhyp. Denkbar sei allenfalls ein leichter Anstieg - etwa wenn Bundesanleihen nicht mehr so stark nachgefragt würden, weil der deutsche Staat für Hilfsprogramme viel Geld aufwenden müsse.

Kommen mit der Coronakrise nun gar Negativzinsen bei Immobilienkrediten, wie schon im Herbst spekuliert wurde? Abgesehen von einigen Förderdarlehen sei das noch kein Thema, heißt es bei Interhyp. Nur bei einigen Krediten der staatlichen Förderbank KfW komme es bei Einrechnung von Tilgungszuschüssen zu Negativzinsen. "Viele Banken haben positive Mindestzinsen festgelegt", sagt Mohr.

Die Käufer bleiben trotzdem weg

Allerdings: Die Verunsicherung durch die Coronakrise trifft auch den Immobilienmarkt. Viele Interessenten schrecken derzeit offenbar vor dem finanziellen Wagnis eines Immobilienkaufs zurück - weil ihre eigene wirtschaftliche Zukunft unklar ist. "Seit einigen Wochen ist ein Rückgang der Kundenanfragen zu beobachten", berichten die Kreditvermittler.

Stefan Mitropoulos von der Landesbank Helaba glaubt, die heißeste Phase am Immobilienmarkt könnte vorbei sein. Alle Immobilienzyklen in Deutschland hätten in den vergangenen Jahrzehnten mit einer Rezession geendet, sagt der Ökonom. Wohnungskäufe seien von positiven Einkommenserwartungen abhängig: "Wer wirtschaftlich schwierige Zeiten erwartet, verschuldet sich nicht mit Hunderttausenden Euro."

beb/dpa
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