Nur noch vier AKW am Netz Praxistest für den Atomausstieg

13 von 17 Atomkraftwerken in Deutschland stehen ab dem Wochenende still - zum Beispiel wegen Wartungsarbeiten. Das ist eine enorme Herausforderung für die Steuerung der Stromnetze und zugleich eine Art Generalprobe für die Energiewende. Experten warnen vor Panik.

Windräder und Leitungen vor dem AKW Brunsbüttel: Kraftakt für die Netzstabilität
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Windräder und Leitungen vor dem AKW Brunsbüttel: Kraftakt für die Netzstabilität

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Hamburg - Erst sollte alles ganz schnell gehen, jetzt drückt die Regierung schon wieder auf die Bremse: Politisch ist längst nicht klar, wann Deutschland seinen letzten Atommeiler abschaltet. Doch während in Berlin noch diskutiert wird, steckt die Republik schon mitten im Praxistest. Denn seit Mitte März ging ein Atomkraftwerk nach dem anderen vom Netz - einigen verordnete das Moratorium den Zwangsstillstand, andere müssen gewartet werden.

Am Wochenende steht Deutschland nun vor einer Situation, wie es sie bisher noch nie gegeben hat: Dann stehen 13 von 17 AKW still. Denn der Betreiber RWE fährt am Samstag seinen Reaktor Emsland für Wartungsarbeiten herunter. Dieses AKW hat im vergangenen Jahr rund elf Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt - damit konnten rund 3,5 Millionen Haushalte versorgt werden.

Im Klartext heißt dies, dass ab Samstag nur noch vier AKW am Netz sind: Neckarwestheim 2, Isar 2, Gundremmingen C und Brokdorf.

Das ist bemerkenswert. Denn die Atomlobby hat vor Stromengpässen gewarnt, sollten mehrere Meiler gleichzeitig vom Netz gehen. Ende April standen neun AKW still. "Die stabile deutsche Stromversorgung steht auf dem Spiel", warnte da schon ein RWE-Manager.

Diesmal ist es auffällig ruhig: Kein Energiemanager warnt vor dem großen Blackout. Und auch Atomkraftgegner jubeln nicht, dass es ohne Kernkraft geht. Stattdessen werden beide Seiten genau darauf achten, wie Deutschland die atomstromarme Zeit übersteht. Erst wenn die kritischen Tage vorbei sind, wird man wissen, welche Seite im PR-Duell gepunktet hat.

Doch was heißt das für die Verbraucher: Müssen sie Stromausfälle fürchten oder kann Deutschland die Abschaltung vieler AKW einfach verkraften? Wer wacht über die Stabilität der Netze und wann könnte es kritisch werden? Ein Überblick über die wichtigsten Fragen.



insgesamt 712 Beiträge
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moserer 20.05.2011
1.
ohje, ohje, ohje ... wir sind in der Steinzeit! Das war doch das credere unserer Atomjunkies. Das ist also doch der Beweis, der Strom kommt aus der Steckdose... Und jetzt brauchen wir neue Leiitungen? Weil wir Groß-Windkrft-Anlagen in der Nordseebrauchen. Alles Schmarrn, wenn die Gemeinden aufwachen würden und die Bürger in diesen jeweils mitziehen, liesse sich günstiger und den lokalen undregionalen angepasst günstiger Strom erzeugen. Dummerweise sitzen die Anbietr auf den Netzen. Gruß aus meiner Steinzeithöhle mit intakten Internetanschluß ;)
Wolfizero, 20.05.2011
2. ...
Zitat von sysop13 von 17 Atomkraftwerken in Deutschland stehen ab dem Wochenende still - zum Beispiel wegen Wartungsarbeiten. Das ist eine enorme Herausforderung für die Steuerung der Stromnetze und zugleich eine Art Generalprobe für die Energieewende. Experten warnen vor Panik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,763857,00.html
Selbstverständlich werden irgendwo die Lichter ausgehen. Nicht wegen Mangel an Energie, sondern weil es besser für die Atom-Lobby ist, falls es passiert. Ausfälle können passieren oder passiert werden.
jaypi 20.05.2011
3. Unabhängig?
Zitat von sysop13 von 17 Atomkraftwerken in Deutschland stehen ab dem Wochenende still - zum Beispiel wegen Wartungsarbeiten. Das ist eine enorme Herausforderung für die Steuerung der Stromnetze und zugleich eine Art Generalprobe für die Energieewende. Experten warnen vor Panik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,763857,00.html
Laut Wikipedia gehören 2 von 4 Übertragungsnetzbetreibern zu RWE und EnBW - also zu zwei AKW-Betreibern. Inwiefern sind die "unabhängig" ???
william_pitt 20.05.2011
4.
Sicher gab es wenige Gründe, so viele Kraftwerke gleichzeitig abzuschalten, wo doch alle so sicher sind. Das soll Panik schüren. Klar reichen die erneuerbaren Energien nicht aus, ist ja noch nicht 2017 oder 2023. Wenn die Stromkonzerne einen Black-Out abssichtlich provozieren, um zu beweisen, das es nicht ohne ihre Todesmeiler geht, gehören sie ersatzlos enteignet. Das wäre eine gute Gelegenheit, die Energieversorgung kostengünstig und ganz legal zurückzubekommen.
Johnny-Frogbarf, 20.05.2011
5. Bitte sagt mir wo der ganze Strom herkommen soll?
Ich kann diese Atomkraftaussteiger einfach nicht leiden. Unsere Energiebedürfnisse steigen exponentiell und ihr denk wir können diese Bedürfnisse durch Wind oder Sonnenschein erfüllen. Wann kapiert ihr endlich das sowas einfach nicht geht? Woher soll der Strom für die tollen "sauberen" elektrischen Autos kommen wovon Frau Merkel spricht? Durch das Verbrennen vom Öl? Europa ist schon von Russland und dem Mittel Osten für Öl und Gas angewiesen und jetzt wollen ausgerechnet "die Deutschen" ihre eigene Beine abschneiden, weil es ein Unfall in Japan gegeben hat. Wenn alle Menschen in der Vergangenheit immer, wie die modernen Deutschen gedacht hätten, hätten wir immer noch eine mittelalterliche Lebensqualität gehabt. Atomkraft ist der sauberste und zuverlässigster Energieform, den es gibt. Statt abgeschafft sollte es verbessert werden, das schafft beide Arbeitsstellen und erfüllt unsere Energiebedürfnisse.
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