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Nutri-Score-Vergleichstest: So unterschiedlich werden die Lebensmittel bewertet

Foto: foodwatch

Lebensmittelkennzeichnung Zwei Fertigpizzas, ganz unterschiedliche Noten

Zwei ähnliche Produkte mit verschiedenen Nährwerten: Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat berechnet, wie Lebensmittel beim sogenannten Nutri-Score abschneiden würden. Die Ergebnisse sind verblüffend.

Danone, Iglo, Bofrost: Die ersten Lebensmittelunternehmen kennzeichnen erste Produkte mit dem Nutri-Score-System. Auf den Packungen prangt dann eine fünfstufige Farbskala von grün bis rot mit den Buchstaben A bis E. Besonders salzige, fettige und gezuckerte Produkte tragen ein rotes E, vergleichsweise ausgewogene Lebensmittel erhalten ein dunkelgrünes A.

Verbraucherorganisationen fordern seit Langem eine leicht verständliche Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln, die deutlich zeigt, ob ein Produkt viel Salz, Zucker oder Fett enthält. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) lehnt eine gesetzliche Regelung bisher aber ab. Ihr Argument: "Wir werden den Bürgern nicht vorschreiben, was sie zu essen haben." Der Konsument, so die Logik, werde durch die Kennzeichnung bevormundet.

Die Befürworter argumentieren, dass der Nutri-Score keine Verbote ausspreche, sondern helfe, auf einen Blick das ausgewogenere Produkt zu erkennen, ohne mit viel Zeitaufwand und Fachwissen Nährwerttabellen studieren zu müssen. Das gilt besonders für verarbeitete Produkte wie Fruchtjoghurts, Tiefkühlpizzen oder Frühstücksflocken.

Kennzeichnung teils verwirrend

Die Verbraucherorganisation Foodwatch macht sich schon lange für die Einführung einer einfachen Nährwertampel stark und hat jetzt die Nutri-Scores für verschiedene Produkte erstellt. Ob ein Lebensmittel rot oder grün ist, wird dabei errechnet. Für die Erstellung der Scores werden günstige Nährstoffe, die man reichlich zu sich nehmen sollte, mit ungünstigen Nährstoffen, die nur in geringen Mengen verzehrt werden sollten, verrechnet. Als positiv gelten dabei Ballaststoffe, Proteine, Obst und Gemüse, negativ bewertet werden etwa gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz.

Die Ergebnisse sind verblüffend: Zwei Müsliriegel etwa, die auf den Packungen beide ähnlich gesund aussehen, bekommen sehr unterschiedliche Wertungen: die zucker- und fettarme "free"-Variante trägt ein hellgrünes B, die "Milch"-Variante dagegen ein tiefrotes E. Ähnliche Unterschiede gibt es bei Pizzas, Müslis oder Erdbeerjoghurts. (Sehen Sie alle Beispiele in der Fotostrecke.) Vor diese Entscheidung gestellt, greifen Verbraucher häufiger zur grüneren Variante, wie eine Studie in Frankreich festgestellt hat,  wo viele Hersteller den Nutri-Score bereits eingeführt haben.

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Nutri-Score-Vergleichstest: So unterschiedlich werden die Lebensmittel bewertet

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So einleuchtend die Nutri-Score-Ampelfarben bei verarbeiteten Produkten sind, so verwirrend sind sie allerdings bei anderen Lebensmitteln: So bekommt Apfelsaft beispielsweise nur ein gelbes C, weil er neben Frucht mit 110 Gramm je Liter eben auch viel Zucker enthält. Eine Cola light dagegen bekommt ein hellgrünes "B", weil sie überhaupt keinen Zucker enthält. Auch Olivenöl oder Margarine bekommen nur ein orangefarbenes D, weil beide einen hohen Anteil gesättigter Fettsäuren haben.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde Julia Klöckner als Verbraucherschutzministerin bezeichnet, sie ist aber für Ernährung und Landwirtschaft zuständig. Wir haben den Fehler korrigiert.