Hermann-Josef Tenhagen

Investieren in Corona-Zeiten Legen Sie Ihr Vermögen so grün wie möglich an

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Die Wirtschaft muss grüner werden, die Krise bietet dazu eine einmalige Gelegenheit. Wenn Sie nach einer Geldanlage suchen, können Sie Teil dieses Fortschritts werden. Und einen guten Schnitt machen.
Solarenergie: Ein Weg, um Geld zukunftsweisend zu investieren

Solarenergie: Ein Weg, um Geld zukunftsweisend zu investieren

Foto: JAVIER BARBANCHO/ REUTERS

In der Krise kehren meine Ökoträume der Neunzigerjahre zurück. Warum? Nach dem teilweisen Shutdown der Wirtschaft in der Coronakrise ist ein Konjunkturprogramm in den kommenden Monaten fast unvermeidlich: Viele Branchen wollen, ja müssen, an die staatlichen Fleischtöpfe, die Not ist groß. Ein riesiges staatliches Konjunkturprogramm bietet auch Chancen, die notwendige ökologische Erneuerung der Wirtschaft voranzutreiben - nicht nur in Deutschland. Und für Anleger die Möglichkeit, bei dieser ökologischen Erneuerung dabei zu sein. Am einfachsten vielleicht mit nachhaltigen Indexfonds.

Frankreichs Regierung war auch diesmal besonders forsch: Präsident Emmanuel Macron und sein Finanzminister Bruno Le Maire wollen mit Milliardenkrediten die nationale Fluggesellschaft Air France retten. Gleichzeitig wollen sie Air France so modernisieren, dass die Airline zur ökologischsten Fluglinie Europas wird: praktisch keine Inlandsflüge mehr und eine Halbierung des Spritverbrauchs pro Flugkilometer für die Reisenden bis 2030.

Die französische Regierung ist schon relativ konkret in ihren Vorstellungen, so weit sind wir in Deutschland noch nicht. Auch wenn von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble über die Kanzlerin (und ehemalige Umweltministerin) Angela Merkel bis zum SPD-Finanzminister Olaf Scholz alle von Klimapolitik und ökologischer Erneuerung reden: Beschlossen ist nichts.

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Aus Deutschland als Vorreiter der Klimapolitik ist eher ein Nachzügler geworden. Dabei präsentierte sich Helmut Kohl schon 1992 beim Erdgipfel in Rio als Umweltkanzler. Und Angela Merkel war 1995 als Umweltministerin Gastgeberin des ersten globalen Klimagipfels – ich war jedes Mal dabei, 1995 als Pressesprecher der Umweltverbände beim Klimaforum.

Diese Woche dagegen, beim Treffen mit der Autoindustrie, gelang es der deutschen Politik nicht einmal, den wichtigsten deutschen Industriezweig mit einem ordentlichen Geldspritzer endlich zur Speerspitze der E-Mobilität zu machen. Die Grünen fordern zwar ein ökologisches Konjunkturprogramm über 100 Milliarden Euro, aber die sind im Bund ja nicht in der Regierung und in Baden-Württemberg im Zweifel auf der Seite der traditionellen Autoindustrie.

Andererseits: Wer ökologisch investieren will, kommt ohnehin nicht als Erstes auf das Auto. Nachhaltige Indexfonds, mit denen man seit einigen Jahren marktbreit und weltweit in Aktien investieren kann und gleichzeitig das grüne Gewissen pflegen, setzen nicht auf Autoaktien. Gängige Fonds wie der UBS MSCI World Socially Responsible ETF (ISIN: LU0629459743) und der – gemessen am Anlagevolumen – deutlich kleinere iShares Dow Jones Global Sustainability screened ETF (ISIN: IE00B57X3V84) besitzen unter drei Prozent Autoaktien. Beim UBS haben gerade noch die E-Auto-Pioniere Honda und Tesla den Sprung über die ökologische Hürde geschafft . Beim iShares-Indexfonds findet sich kleine Anteile von vier japanischen Herstellern, daneben Peugeot, Renault, General Motors und der deutsche BMW-Konzern.

Noch geringer sind bei solchen Fonds die Anteile an Fluglinien: Der UBS-Fonds hält ein paar Anteile von Easyjet, die dafür bekannt sind, für Billigflieger sehr ordentlich mit der Belegschaft umzugehen, und Singapore Airlines – beide zusammen machen ganze 0,07 Prozent des Fonds aus. Beim iShares-Fonds hat es Air France ins Portfolio geschafft  – zusammen mit einer japanischen und zwei amerikanischen Airlines.

Nicht dabei in beiden Fonds übrigens Apple, Amazon und Facebook. Apple wegen der unökologischen und ethisch fragwürdigen Handyproduktion, Amazon wegen des Umgangs mit Gewerkschaften, Facebook wegen des Themas Datenschutz. Prominent hingegen die Schweizer Pharmakonzerne Roche und Novartis sowie der US-Biotechkonzern Amgen.

Tatsächlich haben Anleger, die in solche Fonds investiert haben, in den vergangenen Jahren keine schlechteren, manchmal sogar einen Tick bessere Renditen als die Klassiker erwirtschaftet.

Theoretische Begründungen dafür gibt es schon lange. Wer sozialer und ökologischer wirtschaften will als die Konkurrenz, also nachhaltiger, der muss seine Produktions- und Dienstleistungsprozesse besser im Griff haben. Und wer die Prozesse besser im Griff hat, sollte auf lange Frist auch wirtschaftlich besser abschneiden.

Klar ist aber auch: Die größeren dieser nachhaltig orientierten Indizes und ETFs enthalten viele Firmen, die einem nicht einfallen würden, wenn man nach besonders ökologischen sucht: Nestlé oder den Bergbaukonzern Rio Tinto zum Beispiel. Es ist eher eine negative Auslese: Wer die Themen Soziales und Umweltschutz in seiner Branche besonders vernachlässigt, der ist raus.  Deswegen spreche ich auch nicht von grünen Indexfonds, sondern lieber von hellgrünen.

Klar bleibt: Als Kleinanleger sollten Sie ohnehin nur langfristig am Aktienmarkt unterwegs sein. Und dann ist ein solches hellgrünes ökologisches Investment dieser Tage das Mittel der Wahl – wenn man sich denn schon wieder an den Aktienmarkt herantraut.

Und das geht dann in drei Schritten:

  • Legen Sie sich ein kostenloses Depot bei einer Direktbank oder einem Fondsbroker zu. Oder stellen Sie Ihr teures Depot  bei der Filialbank wenigstens auf eine deutlich preiswertere Onlinevariante um.

  • Suchen Sie sich einen der hellgrünen Indexfonds aus, in den Sie Ihr Geld stecken wollen. Zahlen Sie größere Summen am besten in mehreren Teilen über die kommenden Monate ein. Oder beginnen Sie jetzt mit einem Sparplan. Der Anlagehorizont  sollte eher 15 als zehn Jahre sein, keinesfalls 15 Monate oder gar 15 Wochen. Das wäre reines Glücksspiel.

  • Wenn Sie sich intensiver mit dem ökologischen Investment beschäftigen wollen, können Sie sich natürlich auch einen Fonds suchen, der deutlich strenger ist als die Hellgrünen – also einer, der eher dunkelgrün ist. Nachzuhören in meinem Podcast . Dann müssen Sie aber die strengen Auswahlentscheidungen der Fondsmanager vergleichsweise teuer bezahlen. Immerhin bezahlen Sie nicht für die schlecht belegte Behauptung von Fondsmanagern, die Marktentwicklung besser prognostizieren als der Rest der Menschheit. Die Strenge bei der ökologischen Titelauswahl Ihres Fondsmanagers können Sie jederzeit an bestehenden Fakten mit einem Blick in die Jahresberichte der Fondsgesellschaften überprüfen. Und achten Sie darauf, dass Sie am Ende nicht von (zu) wenigen Firmen und Branchen abhängig in Ihrer Anlage sind.

Sollten Sie dagegen keinen Spaß an Wertpapieren haben, bauen Sie jetzt für die künftige Elektromobilität vor. Bauen Sie sich Solarzellen aufs Dach und eine Batterie in den Keller. So erzeugen Sie Ihren eigenen Strom  und können ihn auch nachts nutzen, demnächst vielleicht sogar für das eigene E-Auto. Das ist bereits rentabel.

Auf das E-Auto selbst sollten sie nicht warten. Die Autobauer, das sind in der aktuellen Krise wenig verlässliche Gesellen. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer beklagte gerade erst diese Woche, dass die Autoindustrie kaum noch Rabatte zur Verkaufsförderung anbiete und ganz offensichtlich stattdessen auf die Förderung durch unser Steuergeld wartet. Seit 2014 seien die Autohersteller bei Rabatten nicht mehr so knausrig gewesen wie heute.

Die sollten schon selbst was für Ihren Absatz tun.

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