Energiewende Mieter sollen für Solaranlagen Geld bekommen

Von Solaranlagen auf dem Dach profitieren bisher nur Vermieter. Das soll sich nach SPIEGEL-Informationen ändern: Das Wirtschaftsministerium will einen Teil der Förderung auch Mietern zukommen lassen.

Einfamilienhaus mit Fotovoltaik-Anlage in Brandenburg
DPA

Einfamilienhaus mit Fotovoltaik-Anlage in Brandenburg


Viel Kritik gibt es an der deutschen Energiewende. Dass sie zu teuer ist, die Landschaft verspargelt und Fledermäuse tötet. Ein sozialpolitisches Argument lautet: Die Energiewende trägt zur Ungerechtigkeit in der Gesellschaft bei. Denn Haus- und Grundbesitzer profitieren von den staatlichen Vergütungen von Solar- und Windkraftanlagen, weil sie für die Installation der Ökostromanlagen auf ihren Dächern und Grundstücken viel Geld verdienen - einfache Mieter aber nicht. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Doch das will die Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen nun ändern. Auch Mieter sollen künftig von Fotovoltaik-Anlagen oder Blockheizkraftwerken der Häuser profitieren, in denen sie wohnen. Nutzen sie den dort produzierten Strom, sollen sie eine Vergütung dafür bekommen. Das geht aus einem Eckpunktepapier hervor, das das Bundeswirtschaftsministerium vorgelegt hat, um noch vor den Bundestagswahlen ein Gesetz zu verabschieden.

Demnach soll es außer der Zulage für die Vermieter, die die Anlagen betreiben, auch den sogenannten Mieterstrom geben. Je nach Größe der Solaranlage sollen diese Zuschüsse bis zu 3,81 Cent pro Kilowattstunde betragen. "Mieterstrom kann Impulse für einen weiteren Zubau von Fotovoltaik-Anlagen setzen", begründet das Haus von Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) dieses Vorhaben.

Grünen-Energieexperte Oliver Krischer fürchtet eine überhastete "Show-Nummer" vor den Wahlen. "Wenn die SPD Mieterstrom ernst hätte nehmen wollen, hätte sie schon über drei Jahre Zeit gehabt, das Gesetz einzuführen", sagte Krischer dem SPIEGEL.

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insgesamt 187 Beiträge
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Seite 1
hanfiey 25.02.2017
1. zuerst Betriebsstrom
Was die Mieter wirklich entlasten würde, wäre den Betriebsstrom von Licht und Wärme direkt einzuspeisen in das Haus. Leider wird aber der Strom wohl erst in das Spannungsnetz geleitet und dann wieder zurück. Das belastet die Netze unnötig und die Kosten tragen die Mieter.
Flari 25.02.2017
2.
Zitat von hanfieyWas die Mieter wirklich entlasten würde, wäre den Betriebsstrom von Licht und Wärme direkt einzuspeisen in das Haus. Leider wird aber der Strom wohl erst in das Spannungsnetz geleitet und dann wieder zurück. Das belastet die Netze unnötig und die Kosten tragen die Mieter.
Die Leitungen des Einspeisezählers und der Verbrauchszählern sind aus Netzsicht direkt vor den Zählern verbunden, i.d.R. in gleichem "Zählerkasten". Wie bitte soll da eine Belastung des "Netzes" stattfinden, WENN der PV-Strom zeitgleich im Haus verbraucht wird?
palettenpit2014 25.02.2017
3. Garnicht so dumme Idee
Ich bin zwar nur Selbstnutzer / Vermieter, aber die Idee, den Mieter an den Vorteilen zu beteiligen, halte ich für durchaus gerecht. Man kann zwar herummäkeln, dass die SPD schon 3 Jahre Zeit gehabt hätte, die Idee umzusetzen - aber der Gedanke muss einem erstmal kommen. Und die Umsetzung der Grundidee dürfte auch noch einiges Kopfzerbrechen bereiten. Leider darf man den Vorteil des Mieters auch nicht unbegrenzt hoch gestalten, denn er finanziert das Ganze nicht und trägt auch nicht das wirtschaftliche Risiko...
smartphone 25.02.2017
4. Fremdstrom
SO ist es , Die Solaranlagen"kunden" schließen einen Vertrag mit dem na sagen wir öffentlichen Netzbetreibern ab . Das heißt , "Ihre" Solaranlage hat mit der eigentlichenHausversorgung überhaupt nichts zu tun . Sie beziehen IMMER Strom vom Lieferanten und verkaufen bei guter Wetterlage in dessen Netz . Im weiteren heißt dies, das bei einem Stromausfall sie dito ohne Strom dastehen . und btw auch nix an den Anbieter verkaufen können . Das heißt nur eine vollautarke eigene Stromgewinnung nutzt das Solarpanel wirklich. Bei einem Mehrfamilienhaus installiert typischerweise der Vermieter eine solche Anlage - und wie Sie aus den obigen Ausführungen erkennen , hat der potentielle Mieter mit der Anlage gar nichts zu tun.
dg7raq 25.02.2017
5. Schieflast oder Symmetrie
Die Netze werden teilweise belastet und teilweise entlastet: Belastet: Z.B. Einphasige PV-Anlage auf der ersten Phase, Verbraucher im Haus überwiegend auf der zweiten und dritten Phase im Haus. Entlastet: Große PV-Anlage auf allen drei Phasen, Verbraucher auch gleichmäßig verteilt auf alle drei Phasen. Die Unterschiede der einzelnen Phasen darf bei Lieferanlagen und Bezugsanlagen zwar nur 4,6kW betragen, aber das kann schon zu einer Unsymmetrie von 9,2kW führen.. Viele Grüße, DG7RAQ
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