Ökostromförderung Energiewende belastet Verbraucher nur gering

Die Energiewende wird für die deutschen Verbraucher günstiger als gedacht - zumindest kurzfristig. Im kommenden Jahr soll die Stromrechnung eines Durchschnittshaushalts durch die Förderung Erneuerbarer Energien um weniger als drei Euro steigen. Doch danach könnte es teurer werden.

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Berlin - Die deutschen Verbraucher müssen sich im kommenden Jahr auf leicht steigende Stromkosten einstellen. Grund ist die höhere sogenannte Ökostromumlage zur Förderung Erneuerbarer Energien. Die von allen Bürgern über den Strompreis zu zahlende Umlage wird 2012 von 3,5 auf knapp 3,6 Cent pro Kilowattstunde steigen. Für einen Durchschnittshaushalt bedeutet das Mehrkosten von weniger als drei Euro.

Die vier Netzbetreiber, die das Umlagekonto verwalten, gaben diese Zahlen am Freitag bekannt. Insgesamt kostet die Förderung Erneuerbarer Energien einen Durchschnittshaushalt pro Jahr je nach Verbrauch 120 bis 150 Euro. Von 2010 auf 2011 war die Ökostromabgabe um mehr als 70 Prozent gestiegen.

Die Förderung war von Rot-Grün im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor elf Jahren festgelegt worden und gilt inzwischen europaweit als Erfolgsmodell. Allerdings sind ständig Förderkürzungen notwendig, da in Bereichen wie der Solarenergie die Anlagenpreise stark gefallen sind, die Stromerzeugung also billiger wird. Die Bundesregierung dringt darauf, dass Ökoenergien rasch marktfähig werden und die Förderung schrittweise auslaufen kann.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) zeigte sich erfreut über den nur moderaten Anstieg. "Mit der Energiewende wird der Umstieg unserer Energieversorgung auf die Erneuerbaren Energien deutlich beschleunigt", sagte er. Die stabile Entwicklung der Umlage belege, dass das Ziel einer weiteren Steigerung der Ökostromanteils auf mindestens 35 Prozent bis 2020 "machbar ist und dass die Maßnahmen zur Kostenbegrenzung Wirkung zeigen".

Insgesamt ergibt sich für kommendes Jahr ein Umlagebetrag von rund 14,1 Milliarden Euro. Die Netzbetreiber berechnen die Umlage jährlich anhand des Neubaus von Solar-, Wind- oder Biomasseanlagen. Für 2012 prognostizieren sie eine deutlich steigende Ökostromeinspeisung, da in den vergangenen Monaten viele neue Anlagen an das Netz angeschlossen wurden.

Vertreter der Energiebranche hatten stärker steigende Kosten für die Verbraucher erwartet, sie waren von 3,8 bis 4 Cent pro Kilowattstunde ausgegangen. In der Branche wird von einer "politischen Umlage" gesprochen - eine deutliche Steigerung hätte die Energiewende der Regierung in Misskredit bringen können.

Auch der VIK, der Verband jener Unternehmen, die besonders viel Energie verbrauchen, ist misstrauisch. "Der VIK verbindet mit dem geringen Anstieg der EEG-Umlage für 2012 die Hoffnung, dass es sich hierbei nicht um einen politisch kleingerechneten Anstieg der bereits heute sehr hohen EEG-Belastung handelt, für den im kommenden Jahr eine hohe Rechnung in Form einer Nachzahlung fällig wird", sagte dessen Hauptgeschäftsführerin Annette Loske.

Tatsächlich könnte die Umlage bald stärker steigen - auch weil im nächsten Jahr weitere mittelständische Unternehmen mit hohem Stromverbrauch von der Umlage weitgehend befreit werden. Die Last wird dann auf weniger Schultern verteilt, was zu steigenden Preisen führen könnte.

stk/ssu/dpa/Reuters



insgesamt 898 Beiträge
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Seite 1
Byrne 14.10.2011
1. Fehlentwicklung
Zitat von sysopDie Energiewende wird für die deutschen Verbraucher günstiger als gedacht - zumindest kurzfristig. Im kommenden Jahr soll die Stromrechnung eines Durchschnittshaushalts durch die Förderung Erneuerbarer Energien um weniger als drei Euro steigen. Doch danach*könnte es teurer werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,791819,00.html
Angesichts dieser Entwicklung sollte man schleunigst die Einspeisevergütungen für PV um 10 Cent kWh erhöhen.
DerDodga 14.10.2011
2. Was für eine irreführende Überschrift
Zitat von sysopDie Energiewende wird für die deutschen Verbraucher günstiger als gedacht - zumindest kurzfristig. Im kommenden Jahr soll die Stromrechnung eines Durchschnittshaushalts durch die Förderung Erneuerbarer Energien um weniger als drei Euro steigen. Doch danach*könnte es teurer werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,791819,00.html
mehr braucht man dazu nicht zu sagen. Die Atomenergie ist auch sicher - bis zum nächsten Gau.
Aquifex 14.10.2011
3. ..
Ach ja, die Energiewende gibt es ja auch noch.... Mit solchen Peanuts können wir uns erst wieder beschäftigen, wenn Europa gerettet ist. Es wird ohnehin die Frage kommen, ob amn nicht irgendwann die CO2 Zertifikatabzocke aussetzt, damit die Konjunktur nicht komplett abgewürgt wird, wenn die Eurorettung immer teurer wird... ...oder spielt dieser Handel nach dem Zusammenbruch des Systems überhaupt noch irgendeine Rolle...? Deutschland kauft dann billige Zertifikate aus Griechenland... Da es jetzt andere Probleme gibt, die die tagesordnung beherrschen braucht man auch nicht mehr so auf dem Klimawandel rumzureiten (der aber ohnehin eigentlich schon abgesagt wurde)...
kdshp 14.10.2011
4. .
Ökostromförderung: Energiewende belastet Verbraucher nur gering Hallo, da wurde was vergessen und es müßte heißen: Ökostromförderung: Energiewende belastet Verbraucher nur gering UND auch die Strommonopolisten die weiter ihre mrd gewinne einfahren können.
DerDodga 14.10.2011
5. Sie wünschen also stark steigende Preise?
Zitat von kdshpÖkostromförderung: Energiewende belastet Verbraucher nur gering Hallo, da wurde was vergessen und es müßte heißen: Ökostromförderung: Energiewende belastet Verbraucher nur gering UND auch die Strommonopolisten die weiter ihre mrd gewinne einfahren können.
denn genau das bedeutet das auch für den Verbraucher. Und mal rein am Rande: Haben sie sich überhaupt schonmal damit befasst, wie denn die Eigenkapitalrendite bei EE-Unternehmen aussieht? Wenn man sich die Werbung anguckt, geht da ja unter 10% schonmal gar nichts. Ich habe somit eher den Eindruck nach der Energiewende wird dort vergleichsweise viel mehr abkassiert.
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