Öl und Gas Wie Sie beim Heizen richtig Geld sparen

Heizen ist teuer - für die Umwelt, aber auch für Ihr Konto. Mit ein paar einfachen Tipps können Sie den Verbrauch und die Kosten senken.

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Eine Kolumne von


Auch im Winter nach dem Rekordsommer müssen Sie heizen. Und grundsätzlich haben Sie zwei Möglichkeiten, die Kosten im Griff zu behalten: den Verbrauch mindern und den Preis für den jeweiligen Brennstoff senken. Beides geht ganz einfach, Sie müssen es eben nur tun.

Fangen wir beim Verbrauch an:

  • Seit Jahren bietet die gemeinnützige Beratungsgesellschaft CO2online einen kostenlosen Heiz-Check an, mit dem Sie messen können, ob Sie vergleichsweise viel heizen oder doch eher wenig. Der Check zeigt an, wie viel Energie Sie im Vergleich zu Nachbarn und Fremden in ähnlich großen Wohnungen oder ähnlich alten Häusern mit ähnlicher Wärmedämmung verbrauchen.
    Und er gibt Tipps, wie Sie hier aus dem Mittelfeld in eine vordere Position kommen, ohne Ihren Komfort einzuschränken. Das Potenzial ist riesig. 70-Quadratmeter-Wohnungen in Mehrfamilienhäusern wurden im vergangenen Jahr mit Gas sparsam für 520 Euro beheizt oder teuer für 1110 Euro. Der Durchschnittsverbrauch in deutschen Wohnungen liegt bei 130 Kilowattstunden pro Quadratmeter (kWh/qm) Wohnfläche im Jahr. Im Niedrigenergiehaus liegen Sie bei 70 kWh/qm. Mehrfamilienhäuser sind gegenüber Einfamilienhäusern bei diesem Rennen im Vorteil.
  • Egal ob im Ein- oder Mehrfamilienhaus - Mieter und Eigentümer können den Verbrauch kräftig beeinflussen. Hier gelten die klassischen Regeln: Stoßlüften statt Kippfenster, keine Vorhänge und Möbel vor den Heizkörpern, Heizkörper regelmäßig entlüften und elektronische Thermostate einsetzen, die automatisch berücksichtigen, dass die Sonne gerade ins Wohnzimmer scheint oder Sie mit Ihren Kindern in der Küche einen Kuchen backen. Die Raumtemperatur können Sie so einstellen, wie es für Sie behaglich ist, aber am besten in jedem Zimmer einzeln - jedes Grad weniger spart Energie . Und im Winter helfen dann Rollos und Vorhänge vor Fenstern und Türen, aber natürlich nicht vor den Heizkörpern.

Eigentümer und Hausverwaltungen können außerdem noch den Energieträger ändern, doch dazu komme ich ganz am Ende.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Sie haben beim Verbrauch den Spitzenwert in ihrer Wohnklasse fast erreicht? Bei den Kosten haben Sie dann aber immer noch jede Menge Potenzial. Etwa die Hälfte der Wohnungen in Deutschland wird mit Gas beheizt, ein Viertel mit Heizöl. In beiden Bereichen sind mit dem richtigen Anbieter Ersparnisse von einigen Hundert Euro drin.

  • Beim Erdgas ist der Anbieterwechsel einfach und im Augenblick besonders attraktiv, weil sich auf dem Markt ein verblüffendes Phänomen zeigt: Die Importpreise für Gas sind seit Januar 2019 um 40 Prozent gefallen und zurück auf den Tiefstständen des Jahres 2016. Neukunden merken das zumindest ein bisschen. Für sie sind die Preise in den vergangenen Monaten im Schnitt leicht gefallen. Gleichzeitig haben aber Hunderte Gasversorger ihre Preise für Bestandskunden im Laufe des Jahres zum Teil kräftig erhöht.
    Jede solche Erhöhung gibt Ihnen ein Sonderkündigungsrecht. Ihre Antwort als Kunde ist ganz einfach: Wenn Sie eine Erhöhung bekommen, wechseln Sie unbedingt. Diese Art von Markt sollten Sie sich als Kunde nicht gefallen lassen. Schon beim einmaligen Wechsel sind für eine Familie, die 20.000 Kilowattstunden Gas im Jahr braucht, bis zu 400 Euro drin. Wer auf Bonusjagd geht, kann einmalig noch mehr sparen, muss aber im Jahr 2020 unbedingt einen erneuten Wechsel prüfen.
  • Beim Heizöl ist die Antwort genauso einfach: Vergleichen und den günstigsten Anbieter in Ihrer Region wählen. Allerdings sind Sie als Kunde hier derzeit zu erschwerten Bedingungen unterwegs. Durch den Anschlag auf eine saudi-arabische Großraffinerie sind die Heizölpreise in der zweiten Septemberhälfte für einige Tage um zehn Cent gestiegen. Der Ausfall einer bayerischen Raffinerie nach einem Unfall 2018 sorgt zudem nach wie vor dafür, dass die Heizölpreise in Bayern höher sind als im Rest der Republik.
    Nutzen Sie beim Vergleichen eines der Portale Heizöl24 oder Esyoil. Und wenn Sie in diesem Herbst unbedingt kaufen müssen, kaufen Sie genug oder mit dem Nachbarn zusammen und geben Sie dem Lieferanten einige Wochen Zeit für die Lieferung. Der Unterschied zwischen preiswerten und teuren Händlern auf den Portalen liegt bei bis zu zehn Cent pro Liter; der Unterschied zwischen einer Lieferung von 1000 zu 3000 Litern bei bis zu fünf Cent. Und wenn Sie das Heizöl schon übermorgen brauchen, ist es besonders teuer. Anfang Oktober sind Heizölpreise für schnelle, kleine Lieferungen im ländlichen Vorpommern auf mehr als 90 Cent pro Liter gestiegen. 3000 Liter irgendwann im Herbst kosten eher 65 Cent pro Liter.
  • Besitzen Sie eine Wärmepumpe oder eine Stromspeicherheizung, sollten Sie einen Tarif für Wärmestrom abschließen - er ist in der Regel 25 Prozent günstiger als Haushaltsstrom. Bei Check24 und Verivox können Sie Tarife vergleichen.

Womit wir bei den ultimativen Maßnahmen wären, die Ihnen als Hausbesitzer oder Hausverwaltung offenstehen. Sie können dämmen, die Heizanlage oder sogar den Brennstoff wechseln.

Und das ist auch die Reihenfolge. Zuerst planen Sie die Dämmung und sorgen dafür, dass der Energieverbrauch der Immobilie deutlich sinkt. Erst dann kommt das Nachdenken über die Frage, ob Sie nur die Brenntechnik oder auch gleich den Brennstoff ersetzen.

Am besten laden Sie sich einen Energieberater ein, zum Beispiel von den Verbraucherzentralen, und lassen sich einen Maßnahmenplan erarbeiten. Für die Beratungskosten gibt es staatliche Zuschüsse. Wenn Sie den ganz großen Aufwand scheuen, aber ein bisschen Geld ausgeben können, kommt vielleicht eine sogenannte Einblasdämmung in Frage. Die ist innerhalb eines Tages beispielsweise an Außenwänden angebracht. Und die eingesparte Energie sorgt schon heute dafür, dass sich die Anlage nach 6 bis 7 Jahren rechnet, wenn Sie den staatlichen Zuschuss mitnehmen.

Als nächstes kommen eine neue stromsparende Umwälzpumpe und ein neuer Heizkessel infrage - einer, der für den neuen, geringeren Energiebedarf passt.

Das alles schaffen Sie zwar in dieser Heizsaison nicht mehr, aber es ist sinnvoll, sich jetzt damit zu beschäftigen, manchmal sogar zwingend. Die Bundesregierung will Ölheizungen in den kommenden Jahren sukzessive verbieten. Und so niedrig der CO2-Preis laut Klimapaket auch im ersten Schritt sein mag, wird das Heizen mit fossilen Brennstoffen in Zukunft deutlich teurer.

Vielleicht nutzen Sie ja einen dieser nassen kühlen Herbstabende, um auf dem heimischen Sofa Ihre Energiezukunft zu planen. Es wird sich lohnen.



insgesamt 83 Beiträge
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hansaeuropa 05.10.2019
1. abwarten!
Dank Bundesregierung ist abwarten angesagt, denn wer jetzt energetisch saniert, zahlt aus eigener Tasche. Wenn die Abwrackprämie kommt, gibt es 40 Prozent Zuschuss. Wieder ein tolles Beispiel wie Wurtschaftspoöitik und Umweltschutz nicht funktioniert.
wilbury 05.10.2019
2. Wasserführender Kaminofen
Der heizt bei mir das ganze Haus und nur wenn ich nicht da bin springt die Erdgasheizung an. Das Holz gibt es kostenlos. Zudem CO2 neutral.
5b- 05.10.2019
3. Ungenügend
Die wenigen sehr dürftigen Tips in dem Artikel entsprechen nicht dem selbst gestellten Anspruch. So gibt es schon seit langem elektronische Thermostate, die man zeitgesteuert betreiben kann um sicherzugehen, dass nachts weniger geheizt wird. Diese Thermostate kann jeder recht einfach selbst anbringen, da die Ventilsteuerungen einfach abzuschrauben sind. Darüberhinaus gibt es heute vernetzte Geräte mit denen man die Heizung auch einfacher bedarfsgerecht steuern kann. Wenn man aus gesundheitlichen Gründen eine warme Umgebung benötigt, muss man die Heizung nicht ständig auf höchster Stufe betreiben auch wenn man nicht zu Hause ist, nur weil man ansonsten für eine Stunde eine kalte Wohnung hat, wenn man zurückkommt. Man regelt die Heizung herunter wenn man geht und kann sie dann bevor man wieder zu Hause ist aus der Ferne hoch regeln. Auch Stoßlüften ist nicht optimal. Lüften tut man am besten mit Lüftungsschlitzen wie sie an modernen Fenstern zu finden sind. Wenn es nicht stürmisch ist kann man auch die Fensterverriegelung in Kippstellung bringen ohne das Fenster zu kippen, so, dass es nur einen kleinen Schlitz offen steht. Dann macht man das Fenster nicht mehr auf.
danubius 05.10.2019
4. Nachgefragt
Wie steht's denn so aus mit der träg-reagierenden Steuerung einer (im Artikel leider nicht erwähnten) Fußbodenheizung aus den Siebzigern? Was kann hier ein Mieter ohne größere Eigeninvestitionen tun, um seine Heizkosten zu reduzieren? (Ja, ich weiß, eine typische Trollantwort wäre: zieht Euch eben warm an - analog zum ehemaligen US-Präsident Jimmy Carter, der auf die Frage nach der Heizung angesprochen, in seiner Antwort auf seine langen Unterhosen verwies, die er bei solchem Wetter trage.). Welche verwertbare Antwort gibt's zu diesem Problem?
MarkusW77 05.10.2019
5.
extra Stromtarif für Erd-Wärmepumpe macht im Einfamilienhaus Neubau nicht unbedingt Sinn. Die zusätzliche Installationskosten und monatlicher Grundpreis mache den minimal geringeren Strompreis meist zunichte.
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