Neuer Förderboom US-Ölpreis fällt unter 40 Dollar

Am Weltölmarkt droht ein neuer Preisrutsch. Iran, Libyen und die USA wollen ihre Förderung steigern, Saudi-Arabien versucht, mit Dumpingpreisen in Asien zu punkten.

Ölförderung in den USA
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Ölförderung in den USA


Dem Ölmarkt droht eine neue Phase der Unsicherheit. Die US-Sorte WTI ist am Montag kurzzeitig wieder unter 40 Dollar pro Barrel (159 Liter) gefallen, auch am Dienstagmorgen hielt sie sich nur knapp über dieser kritischen Marke. Ähnlich entwickelte sich der Preis der Nordseesorte Brent, zuletzt kostete das Barrel rund 42 Dollar.

Der erneute Preisrutsch hat mehrere Gründe. Erstens hat der weltweit größte Rohölexporteur Saudi Aramco seine Preise für den asiatischen Markt deutlich gesenkt. Experten zufolge will Saudi-Arabien so verhindern, dass Iran Marktanteile zurückgewinnt.

Iran hat seine Ölproduktion deutlich gesteigert, seit der Westen seine Atomsanktionen gegen das Land aufgehoben hat. Am Montag kündigte Irans Ölminister Bijan Zanganeh an, verstärkt Investoren ins Land locken zu wollen, um die Ölförderung auszuweiten.

Auch in Libyen soll wieder mehr Öl gefördert werden. Der Chef der staatlichen Förderbetriebe, Mustafa Sanalla, begrüßte am Sonntag die Wiedereröffnung einiger Häfen, die zum Export des wertvollen Rohstoffs besonders wichtig sind.

Man wolle die Arbeiter nun so rasch wie möglich mobilisieren und den Betrieb wiederaufnehmen, sagte Sanalla laut "Financial Times" ("FT"). Bis Ende des Jahres will Libyen wieder 900.000 Barrel Öl pro Tag fördern.

Insgesamt hat die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ihre Produktion im Juli um 100.000 Barrel pro Tag ausgeweitet. Mit derzeit 33,41 Millionen Barrel pro Tag liegt die Förderung des Kartells mittlerweile auf einem Mehrjahreshoch. In den USA wurden ebenfalls neue Förderpumpen aktiviert.

Analysten rechnen mit weiter fallenden Preisen. Eine Weile habe es ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage am Ölmarkt gegeben, sagte Harry Tchilinguirian, Rohstoffanalyst bei der Bank BNP Paribas, der "FT". Nun steige die Produktion in vielen Ländern wieder an, und es drohe eine neue Phase des Überflusses.

ssu

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insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
Mr Bounz 02.08.2016
1. Gefahr?
Gefahr für die Menschen sehe ich nur in sofern, als das die niedrigen Preise dafür sorgen das länger an der umweltzerstörenden Ölwirtschaft festgehalten wird. Ansonsten sind niedrige Preise ein Segen für die Menschen. Ob irgendein Spekulant ein paar ? in den Sand setzt ist Global gesehen eher unwichtig. Auch wenn die Herren laut schreien.
westfalen7 02.08.2016
2. Das ist ein feines Konjunkturförderprogramm
was die Ölförderländer hier anbieten!Passend zur Urlaubszeit in der EU und sonstwo.Ich denke,der Markt wird den Ölpreis da einpendeln,wo er hingehört.
kumi-ori 02.08.2016
3.
Ich hofffe, dass die Verbraucher vernünftig sind und mit den Rohstoffen sparsam umgehen, um die Preise niedrig zu halten. Wenn Gotteskrieger im Irak oder marodierende Mörderbanden im Kongo an Öl und Coltan nichts mehr verdienen können, wird bald Schluss sein mit dem Terror.
Eutighofer 02.08.2016
4. gut für uns, schlecht für Putin
Deutsche Verbraucher sparen Geld. Andere Länder haben Nachteile: Russlands Wirtschaftskraft basiert hauptsächlich auf Öl-und Gasexporten, leider investiert Putin die Einnahmen in Abenteuer wie die Krimbesetzung und das Militär. Mit niedrigem Ölpreis bleibt ihm weniger Geld für Investition in Rüstung und Militär.
verbal_akrobat 02.08.2016
5. Nicht gut...
...wir wissen alle warum, es bleibt dann an der Tanke letztendlich doch nicht soviel davon im eigenen Portmane hängen! Eher, bleibt mehr in der Stratosphäre hängen...
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