Coronapandemie und Bankengeschäft Zahl der Onlinebanking-Nutzer steigt um drei Millionen

Filialen, die schließen, und Apps, die boomen: Eine Studie der ING-Bank zeigt, dass inzwischen fast 47 Millionen Deutsche ihre Bankgeschäfte online erledigen. Doch damit landet Deutschland trotzdem international nur auf Platz 15.
Immer öfter überflüssig: Die Scheckkarte

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Foto: Arne Dedert / dpa

Boom für das Onlinebanking: Die Zahl der Nutzer wuchs in der Coronapandemie um drei Millionen Menschen – von 43,8 Millionen auf 46,8 Millionen, zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie der ING-Bank und der Beratungsfirma Barkow Consulting. Digitales Banking habe den Höhepunkt in Deutschland aber noch lange nicht erreicht, heißt es in dem Bericht.

Die Pandemie verstärkt den Trend

Einer der Gründe für das Wachstum sind Filialschließungen: In der Pandemie waren einige Bankfilialen zeitweise geschlossen und wurden auch seitdem aus Spargründen nicht mehr eröffnet. Damit verstärkt sich ein Trend der letzten Jahre: Die Bargeldinfrastruktur, heißt es in dem Bericht, sei in den letzten fünf Jahren um 25 Prozent geschrumpft. So schlossen Sparkassen und Volksbanken Filialen im Rekordtempo, die Zahl der Zweigstellen sank 2020 um mehr als acht Prozent, hieß es.

In der Pandemie hätten außerdem viele Menschen gemerkt, dass sich Bankgeschäfte auch im Internet erledigen ließen, sagte ein ING-Sprecher. Für die Studie wurden Daten des Statistischen Bundesamts und der europäischen Statistikbehörde Eurostat analysiert.

Noch viel Wachstumspotenzial in Deutschland

Nach den neuen Zahlen nutzen fast zwei Drittel der Menschen das Internet inklusive Apps für Bankgeschäfte mindestens einmal innerhalb von drei Monaten. Im europäischen Vergleich landete Deutschland aber nur auf Rang 15. In Dänemark dagegen lag die Nutzungsrate 2020 bei 94 Prozent. Unterstelle man für Deutschland dieselbe Rate, ergebe sich ein Potenzial von 20,8 Millionen Menschen, schreiben die Autorinnen und Autorinnen.

Potenzial gäbe es vor allem bei älteren Menschen und Menschen mit relativ wenig Einkommen und Bildung. »Je einfacher und intuitiver den Menschen ihre Bank begegnet, umso leichter fällt der Zugang«, heißt es in dem Bericht. Das höchste Potenzial gebe es bei 55- bis 64-Jährigen. »Um dieses Potenzial zu heben, kommt es insbesondere darauf an, das Vertrauen dieser Altersgruppen in die Sicherheit von digitalem Banking zu gewinnen«, sagte ING-Deutschland-Managerin Christiane Fritsch.

jlk/dpa
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