Pangasius Fischindustrie trickst Verbraucher aus

Die Deutschen lieben Pangasius. Sie bezahlen für den Speisefisch jedoch häufig zu viel: Denn die Hersteller reichern ihn mit wasserbindenden Zusatzstoffen an, um das Gewicht zu erhöhen. Einige Unternehmen verzichten sogar auf den vorgeschriebenen Verpackungshinweis.
Pangasius-Filet: Einen Euro pro Kilo nur für Wasser

Pangasius-Filet: Einen Euro pro Kilo nur für Wasser

Foto: Corbis

Hamburg - Die Täuschung hat den gleichen Effekt, als würde man beim Fischkauf ein paar Eiswürfel auf die Waage legen und diese mitbezahlen. Die Verarbeiter vom Speisefisch Pangasius fügen dafür wasserbindende Zusatzstoffe bei - zum Beispiel Phosphate oder Citronensäure. Die Folge: Die Verkaufsmasse steigt um bis zu 20 Prozent. Bei einem Kilopreis von fünf Euro zahlt der Verbraucher also einen Euro nur für Wasser.

Illegal ist das laut Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg zwar nicht, die Hersteller müssen die Zusatzstoffe aber auf ihrer Verpackung angeben. Und das ist längst nicht immer der Fall: NDR-Reporter haben 14 Pangasius-Filets in einem Lebensmittellabor untersuchen lassen. Obwohl laut Verpackung keine wasserbindenden Zusätze enthalten sein sollten, fanden die Tester bei drei Produkten Citronensäure.

Doch selbst wenn die Zusatzstoffe angegeben werden, falle das kaum einem Verbraucher auf, sagt Schwartau. "Viele achten bei gefrorenem Fisch nicht auf die Zutatenliste, weil sie keine Zusatzstoffe erwarten." Auch bei Shrimps werde der Wassertrick häufig verwandt, beim Auftauen verlieren die Meeresfrüchte sehr viel Wasser.

Beim Pangasius, der in Deutschland zu einem der beliebtesten Speisefische gehört, gibt es noch weitere Probleme. In ihrer Reportage "Die Pangasius-Lüge" zeigen die NDR-Reporter, wie die Zucht in Vietnam den Fluss Mekong verschmutzt.

60 bis 80 Fische auf einem Kubikmeter

Antibiotika

Michael Höft hat für den Film in Vietnam recherchiert. Er erzählt, wie die Fische zu Hunderttausenden in viel zu kleinen Becken gehalten werden. "Auf einem Kubikmeter liegen da 60 bis 80 Fische." Bei der Größe der Tiere könnten Krankheiten daher nur vermieden werden, indem massiv und Pestizide eingesetzt werden.

Diese belasten das Ökosystem des Mekong ebenso wie der Fischkot - mindestens eine Million Tonnen pro Jahr werde in den Fluss geleitet. Zwar hätten die Lebensmittelkontrolleure keine Antibiotika-Rückstände festgestellt. Das hat aber laut Höft einen einfachen Grund: Rechtzeitig vor dem Fang würden die Medikamente abgesetzt, damit sie sich noch rechtzeitig im Körper der Fische abbauen.

Gerne wird der Pangasius auch als Lösung für die Überfischung der Weltmeere bejubelt. Laut dem NDR-Reporter zu Unrecht: "Die Fische werden mit Tiermehl gefüttert, dafür fangen und verarbeiten die Vietnamesen die gesamte Artenvielfalt." Höfts Fazit: "Der Hype um den Pangasius ist völlig absurd."


"ARD exclusiv - Die Pangasius-Lüge": Mittwoch, 21.45 Uhr, ARD

cte