Ein Euro pro Tag Deutsche Umwelthilfe fordert teureres Anwohnerparken

Bequemes Parken in der Nähe der eigenen Wohnung ist in Deutschland noch immer vergleichsweise billig. Die Deutsche Umwelthilfe will das ändern – und die Preise deutlich nach oben schrauben.
Parkzone für Anwohner in Freiburg: Umwelthilfe fordert Preiserhöhung

Parkzone für Anwohner in Freiburg: Umwelthilfe fordert Preiserhöhung

Foto: Philipp von Ditfurth / dpa

Wer in der Nähe seiner Wohnung parkt, soll bald deutlich mehr zahlen müssen – zumindest wenn es nach der Deutschen Umwelthilfe geht. Der Verein fordert von den Bundesländern und Städten, dass die Gebühren fürs Anwohnerparken bundesweit auf mindestens 360 Euro pro Jahr steigen. Vielerorts dürften derzeit noch riesige SUVs für wenige Cent am Tag den öffentlichen Raum zustellen, teilte die Umwelthilfe mit.

Viele Länder und Kommunen bremsten »angemessene Gebühren« fürs Anwohnerparken aus – und damit auch die Mobilitätswende. Gebühren müssten so hoch sein, dass Menschen, die nicht auf ihr Auto angewiesen seien, ihren Pkw-Besitz hinterfragten.

Freiburg und Tübingen als Vorbild

Als nachahmenswert sieht die Umwelthilfe Regelungen in Freiburg und Tübingen an. In Freiburg ist demnach eine durchschnittliche Gebühr in Höhe von 360 Euro pro Jahr vorgesehen. Für besonders große SUVs und Pick-ups werden laut DUH 480 Euro pro Jahr fällig. Tübingen verlange für besonders schwere Fahrzeuge eine um 50 Prozent höhere Jahresgebühr als für Kleinwagen, nämlich 180 Euro.

Kommunen wie Erfurt, Köln und Stuttgart hätten nach Angaben der Umwelthilfe zwar die Möglichkeit, höhere Gebühren zu verlangen, würden dies aber nicht tun. Mitte 2020 hatten Bundestag und Bundesrat eine bis dahin geltende bundesweite Obergrenze bei Anwohnerparkausweisen von 30,70 Euro pro Jahr gekippt. Seitdem können Länder und Kommunen die Gebühren für städtische Quartiere mit erheblichem Parkraummangel regeln. Dazu können die Landesregierungen Gebührenordnungen erlassen.

Billiges Parken im EU-Vergleich

Dennoch ist Anwohnerparken in Deutschland noch immer vergleichsweise billig. Viele Städte im Ausland verlangen zum Teil deutlich höhere Gebühren. Ein Bewohnerparkausweis in Stockholm kostet nach Angaben der Denkfabrik Agora Verkehrswende beispielsweise rund 1300 Euro im Jahr. »Die Gebühren entsprechen weder den Kosten noch dem tatsächlichen Nutzen«, hieß es in einem im Januar vorgelegten Papier.

In Berlin steht im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und Linke, dass spätestes 2023 die Beiträge für die Anwohnerparkvignette auf 10 Euro im Monat steigen sollen. Derzeit kostet ein Bewohnerparkausweis 10,20 Euro im Jahr.

rai/dpa
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