BGH-Urteil Mieter müssen Parkett-Getrappel hinnehmen

Stöckelschuhe auf Holzfußboden - für viele Mieter ein Ärgernis. Doch der BGH hat entschieden: Grundsätzlich müssen sich Nachbarn keinen Teppich in die Wohnung legen.
Damenschuhe auf dem Parkett: Bitte leiser treten!

Damenschuhe auf dem Parkett: Bitte leiser treten!

Foto: Daniel Naupold/ dpa

Karlsruhe - Auch wenn Parkett lauter ist als Teppich: Nachbarn müssen Klack-Geräusche hinnehmen. Beim Schallschutz in Wohnungen gelten nach einem Austausch des Bodens weiter die Grenzwerte der Bauzeit des Hauses. Nach einer entsprechenden Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) ist es Wohnungseigentümern daher erlaubt, einen Teppich durch Parkett zu ersetzen, auch wenn das Holz mehr Lärm macht.

Die Kläger, ein Rentnerpaar aus Travemünde an der Ostsee, verloren damit vor dem BGH in Karlsruhe. Sie hatten gegen die über ihnen wohnenden neuen Eigentümer einer Wohnung geklagt. Diese hatten den alten Teppich in einer Wohnanlage aus den Siebzigerjahren herausgerissen und durch Parkett ersetzt. Deshalb wurde es lauter in der unteren Wohnung.

Aus Sicht des Landgerichts als untere Instanz war die Belästigung aber noch unter der zur Bauzeit geltenden Trittschallgrenze von 63 Dezibel und damit zumutbar - auch wenn die Schallschutzbestimmungen heute sehr viel schärfer sind. Sie liegen inzwischen um 10 Dezibel niedriger.

Das sah jetzt auch der BGH so , der damit seine bisherige Rechtsprechung zum Thema fortsetzte (Aktenzeichen: V ZR 73/14). Voraussetzung ist, dass es mit dem neuen Boden nicht lauter wird, als zur Zeit der Gebäudeerrichtung erlaubt war. Allerdings können Wohneigentümer durchaus untereinander ein höheres Schallschutzniveau vereinbaren, in ihrer sogenannten Gemeinschaftsordnung.

Teppich war in den Siebzigern "schick"

Die Wohnungen befinden sich im Maritim-Hochhaus von Travemünde, einer 30-stöckigen Anlage mit Hotel und 320 Apartments. Bei der mündlichen Verhandlung vor dem BGH hatte der Kläger-Anwalt darauf verwiesen, dass beim Bau in den Siebzigerjahren mit dem hohen Standard mit Teppich geworben wurde. "Die gehobene Ausstattung war verbindlich", hatte er betont und auf den Vertrauensschutz seiner Mandanten gepocht.

Aus Sicht des BGH ist die Erstausstattung eines Gebäudes aber nicht geeignet, um diesem für die gesamte Lebensdauer ein Gepräge zu geben. Es sei auch nicht auszuschließen, dass der Teppich in dem Hochhaus nur gelegt wurde, weil es in den Siebzigerjahren "schick" war, befand die Vorsitzende BGH-Richterin Christina Stresemann.

Die Anwältin der Beklagten hatte zudem darauf hingewiesen, dass es im Maritim-Hochhaus schon 53 Wohnungen mit Fliesen, Parkett oder Laminat gebe.

bos/AFP/dpa
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