Von Ort zu Ort Rekord - 60 Prozent der Beschäftigten pendeln

Lange Arbeitswege sind nervig, umweltschädlich und gesundheitsgefährdend. Trotzdem steigt die Zahl der Pendler in Deutschland stetig. Und die Wege werden immer weiter. Spitzenreiter ist München, den größten Zuwachs erzielt Berlin.
Stau (in München)

Stau (in München)

Foto: Matthias Balk/ picture alliance / dpa

60 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland sind 2015 zum Job in eine andere Gemeinde gefahren - im Jahr 2000 waren es erst 53 Prozent. Die Zahl der Pendler ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen, auf einen Rekordwert, wie aus einer neuen Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn hervorgeht.

Die meisten Pendler gibt es in München. Dort arbeiteten 2015 rund 355.000 Menschen, die außerhalb der Stadtgrenze wohnten. Das ist ein Plus von 21 Prozent seit 2000. Auf Platz zwei folgt Frankfurt am Main mit 348.000 Pendlern - 14 Prozent mehr als 2000. In den Büros dort stellen auswärtige Arbeitnehmer die Mehrheit, ebenso wie in Düsseldorf und Stuttgart: Zwei Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesen Städten kommen von außerhalb zum Job.

Den größten Zuwachs aber verzeichnet Berlin. Hier ist die Zahl der Pendler seit der Jahrtausendwende um 53 Prozent auf 274.000 gestiegen. Überall ist nicht nur die Zahl der Pendler gestiegen, auch der Weg zum Arbeitsplatz ist länger geworden: von durchschnittlich 14,6 Kilometern im Jahr 2000 auf 16,8 Kilometer im Jahr 2015. (Eine ausführliche Analyse der Pendlerströme aus dem vergangen Jahr lesen Sie hier.)

Flächenverbrauch steigt, Gefahr für körperliche und geistige Gesundheit

Die Entwicklung löst bei vielen Fachleuten keineswegs Begeisterung aus - bei Verkehrs- und Siedlungsplanern ebenso wenig wie in den Krankenkassen. "Der Flächenverbrauch und die Verkehrsbelastung steigen", sagt Institutsdirektor Harald Herrmann. "Deshalb ist es wichtig, dass die Infrastruktur mit dem Wachstum Schritt hält und das Umland gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden bleibt."

Pendler sind häufiger genervt als Menschen mit kürzeren Arbeitswegen: "Die verfügbaren Untersuchungen zeigen, dass tägliche Pendelmobilität die körperliche und psychische Gesundheit der Erwerbstätigen gefährden kann und einen negativen Einfluss auf das Gesundheitsempfinden hat", sagt Simon Pfaff vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden.

"Je länger die Fahrzeit der Erwerbstätigen, desto größer die Belastung, auch weil weniger Zeit zum Regenerieren bleibt." Die Krankenkassen beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema. So haben Pendler laut einer Studie der Techniker Krankenkasse ein höheres Risiko, psychisch zu erkranken.

In Deutschlands Großstädten wird es auch immer enger. Es gibt nicht nur mehr Pendler - es ziehen auch immer mehr Menschen in die Städte. Paradebeispiel ist die Pendlerhauptstadt München. In den vergangenen dreißig Jahren hat das "Millionendorf" an der Isar etwa 300.000 Einwohner gewonnen, die Bevölkerung ist von 1,2 auf 1,5 Millionen gewachsen. Derzeit kommen monatlich etwa 2000 Neu-Münchner hinzu. Doch der Trend zum Wohnen in der Stadt wird die Pendlerzahlen nach Einschätzung von Experten nicht mindern - im Gegenteil.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes wurden die Pendlerdaten dem Jahr 2016 zugeordnet, tatsächlich beziehen sie sich aber auf das Jahr 2015, wie nun auch im Text steht.

nck/dpa