Pferdefleisch-Skandal 144 Tonnen verdächtige Lasagne und Cannelloni in Deutschland

Lasagne, Ravioli, Cannelloni, Tortelloni - der Skandal um Pferdefleisch in Fertigprodukten nimmt immer größere Ausmaße an. Nach SPIEGEL-Informationen wurden allein in drei Monaten hunderttausende verdächtige Packungen nach Deutschland geliefert.
Pferdefleisch-Skandal: 144 Tonnen verdächtige Lasagne und Cannelloni in Deutschland

Pferdefleisch-Skandal: 144 Tonnen verdächtige Lasagne und Cannelloni in Deutschland

Foto: dapd

Hamburg - Die mutmaßlich durch Pferdefleisch verunreinigten Tiefkühl-Produkte wurden in großen Stil auch nach Deutschland geliefert. Nach SPIEGEL-Informationen kamen allein zwischen November 2012 und Ende Januar 2013 mindesten 359.722 Packungen Lasagne und Cannelloni aus dem verdächtigen Betrieb in Luxemburg nach Deutschland. Zusammen haben diese Produkte ein Gewicht von knapp 144 Tonnen.

Der Großteil dieser Waren wurde über ein Kühlhaus in Neuss geleitet, von wo das Fleisch weiterverteilt wurde. Das geht aus einer internen Lieferliste der EU-Kommission hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.

Auch andere Fertigprodukte in Deutschland sind von dem Skandal betroffen. Unter anderem hatte der Discounter Aldi Ravioli und Gulasch aus dem Sortiment genommen, nachdem darin laut eigenen Analysen Spuren von Pferdefleisch gefunden worden waren. Lidl hatte den Verkauf von Tortelloni gestoppt.

In allen drei Fällen gibt es nun Bestätigungen der Hersteller. Der im brandenburgischen Buchholz ansässige Aldi-Zulieferer Betz-Holding teilte mit, dass bei einer Stichprobe Pferdefleischspuren in ihrem Produkt "Cucina Ravioli Bolognese" gefunden worden seien. In Abstimmung mit dem Discounter habe man das Produkt vom Markt genommen. "Wir entschuldigen uns für diesen Vorfall ausdrücklich", erklärte die Firma gegenüber dem SPIEGEL, ohne die Ursache für die Verunreinigung zu nennen.

"Das rechtliche Anreizsystem funktioniert nicht"

Auch die Dreistern-Konserven GmbH & Co. KG aus dem brandenburgischen Neuruppin teilte mit, dass in ihrem Artikel "Rindergulasch 540g Omnimax" Spuren von Pferde-DNA nachgewiesen worden seien. Die nachgewiesenen Spuren von Pferde-Erbgut könnten "im Rahmen der Fleischverarbeitung bereits durch die Nutzung gemeinsamer Schlachthäuser oder Transportbehälter entstanden sein".

Der Lidl-Lieferant Hilcona bestätigte ebenfalls einen Fund - allerdings in Österreich: Die dortige Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES habe im Produkt "Combino Tortelloni Rindfleisch" von Lidl Pferdefleisch nachgewiesen. Als Hersteller verarbeite Hilcona selbst kein Frischfleisch, sondern beziehe es von externen Lieferanten. In diesem Fall stamme die Rohware dafür von der deutschen Firma Vossko oder dem Schweizer Hersteller Suttero aus Gossau.

Nach Angaben französischer Ermittler soll der Hersteller Comigel 4,5 Millionen Fertiggerichte mit falsch deklariertem Pferdefleisch der Firma Spanghero hergestellt haben, die dann an mindestens 28 Unternehmen in 13 europäischen Ländern verkauft wurden.

Angesichts mangelnder Kontrollen fordern Verbraucherschützer nun deutlich höhere Bußgelder: "Das rechtliche Anreizsystem funktioniert nicht", sagte Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherorganisation Foodwatch dem SPIEGEL. Gegenwärtig gebe es für den Einzelhandel gar keine Motivation, Eigenmarken mit Falschdeklarationen auszusortieren, da der Handel nur mit lächerlichen Beträgen zivilrechtlich, aber nicht strafrechtlich haftet. "Hohe Bußgelder würden einen flächendeckenden Betrug wie den gegenwärtigen verhindern."

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stk/dpa
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