Pferdefleischskandal in Europa Die Spur der Lasagne führt nach Frankreich

Die Spur im Pferdefleischskandal führt ins Herz Europas: Das rumänische Pferdefleisch wurde offenbar in Frankreich zu Rindfleisch umetikettiert, bevor es in die Lasagne kam. Auch ein niederländischer Fleischhändler ist im Visier der Ermittler.
Spanghero-Hauptquartier in Südfrankreich: Frankreich und Holland im Visier der Ermittler

Spanghero-Hauptquartier in Südfrankreich: Frankreich und Holland im Visier der Ermittler

Foto: JEAN-PHILIPPE ARLES/ REUTERS

Das Firmengeflecht, das in den Pferdefleischskandal verstrickt ist, erstreckt sich über halb Europa. Allmählich kristallisiert sich aber heraus, wo die Hauptverantwortlichen für den Etikettenschwindel sitzen. Frankreichs Verbraucherminister Benoît Hamon erklärte am Donnerstag, die französische Fleischfabrik Spanghero habe wissentlich Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft. Dem Unternehmen wurde die Lizenz zur Fleischverarbeitung entzogen.

Spanghero hatte 42 Tonnen Pferdefleisch von zwei rumänischen Schlachthöfen gekauft. Dieses wurde verarbeitet und laut den Ermittlern als Rindfleisch an die französische Firma Comigel weiterverkauft. In sechs Monaten soll Spanghero mit diesem Geschäftsmodell mehr als 500.000 Euro Gewinn gemacht haben. Rindfleisch kostet viermal so viel wie Pferdefleisch.

Es geht um tausendfachen Betrug. Supermarktketten in Großbritannien, Frankreich und Deutschland hatten in den vergangenen Tagen Tiefkühl-Lasagne und andere Fertiggerichte von Comigel aus dem Sortiment genommen, nachdem in dem vermeintlichen Rinderhack bis zu hundert Prozent Pferdefleisch entdeckt worden war. Der Skandal wirft auch die Frage auf, ob die Kontrollen auf nationaler und EU-Ebene angesichts des schwungvollen grenzenlosen Handels ausreichend sind.

Niederländer vermittelte rumänisches Pferdefleisch an französische Fabrik

Spanghero scheint jedoch nicht die Alleinschuld zu tragen. Vermittelt wurde das Geschäft zwischen der französischen Fabrik und den rumänischen Schlachthöfen von dem niederländischen Fleischhändler Jan Fasen. Er ist Geschäftsführer der auf Zypern eingetragenen Firma Draap Trading. Der anonyme Eigentümer sitzt laut "Guardian" auf den britischen Jungferninseln.

Fasen hat eine einschlägige Vorgeschichte. Im Januar 2012 war er von einem niederländischen Gericht für einen ähnlichen Etikettenschwindel verurteilt worden. Er hatte von 2007 bis 2009 tonnenweise Pferdefleisch aus Argentinien, Brasilien und Mexiko importiert und es als reines Rindfleisch an zwei französische Firmen weiterverkauft. Er wurde damals zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Fasen hat seine Strafe bis heute nicht angetreten, weil die Berufung läuft. Er bestreitet jede Schuld.

Auch im aktuellen Fall beteuert er seine Unschuld. In einer Erklärung, die sein niederländischer Anwalt Rogier Hörchner am Donnerstagnachmittag an Journalisten verschickte, hieß es, sämtliche Etiketten hätten den Inhalt der Lieferung korrekt angegeben. In einem Exklusivinterview mit dem "Guardian" erklärte Fasen: "Es wurde alles als Pferd verkauft."

Spanghero hingegen behauptet, "Rindfleisch europäischen Ursprungs" von Fasen gekauft zu haben. Die Firma bestreitet die Vorwürfe der französischen Regierung. Bereits vergangene Woche hatte sie erklärt, "nichts mit dem Kauf, Wiederverkauf oder der Verarbeitung von Pferdefleisch-Produkten zu tun zu haben". Das Management geriet allerdings in akute Erklärungsnot, als am Donnerstag in der französischen Tageszeitung "Le Parisien" eine Quittung mit dem internationalen Zahlencode für Pferdefleisch abgedruckt wurde. Der Rechnung zufolge hatte Draap 18,5 Tonnen an Spanghero geliefert.

Razzien in der europäischen Fleischbranche garantiert

Der verschlungene Weg des Pferdefleischs aus dem rumänischen Schlachthof in die Tiefkühltheke im Supermarkt hat viele Verbraucher schockiert. Zunächst war der Verdacht auf die rumänischen Betriebe gefallen. Diese wehrten sich vehement gegen den Betrugsvorwurf, selbst Ministerpräsident Victor Ponta mischte sich ein. Nun deuten die Indizien stattdessen auf ein kriminelles Netzwerk zwischen den Niederlanden und Frankreich hin.

In Brüssel wird nach einer Antwort auf den ausufernden Skandal gesucht. Zunächst soll mit umfassenden DNA-Tests festgestellt werden, wie weitreichend das Problem ist. Dann soll Europol in Zusammenarbeit mit nationalen Kontrolleuren die kriminellen Banden ausheben.

Neue Enthüllungen sind bei den Razzien in der Fleischbranche garantiert. Denn die Spanghero-Draap-Connection, die hinter der Pferde-Lasagne steckt, ist nicht das einzige Betrugskartell in Europa. Die Mitte Januar entdeckten Pferde-Burger etwa stammten von der irischen Firma Silvercrest Foods. Und auch in Großbritannien hat die Lebensmittelaufsicht FSA bereits mehrere Unternehmen durchsucht - und erste Verdächtige festgenommen.

Ernährung: Delikatesse Pferdefleisch
Foto: DON RYAN/ ASSOCIATED PRESS

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