Hermann-Josef Tenhagen

Sonnenstrom vom Dach Worauf Sie bei einer Solaranlage achten müssen

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Sie sind Hausbesitzer und haben ein bisschen Geld übrig? Dann sollten Sie über eine Fotovoltaik-Anlage nachdenken. In vielen Fällen kann sich diese Investition lohnen.
Foto: imago images / blickwinkel

Die ist ein Text für all die, deren Kasse voll ist, weil sie in Zeiten von Corona kein Geld ausgeben konnten oder wollten. Und die gleichzeitig ein Häuschen ihr Eigen nennen. Sie müssen nicht mal an Klimaschutz interessiert sein. Denn eine Solaranlage rechnet sich so oder so.

Genauer gesagt: die Fotovoltaikanlage. Ein Jahrzehnt lang war sie unter cleveren Geldanlegern heiß begehrt, weil Sonne und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gemeinsam eine garantierte Rendite lieferten. Das hatte aber den Schönheitsfehler, dass andere Stromkunden dafür zahlen mussten. Mehr als eine Million Solardächer mit Haushaltsleistung haben Privatleute auf ihren Häusern mit den Jahren installiert. Fast 20 Milliarden Euro waren es allein im Jahr 2010, die in neue Fotovoltaikanlagen flossen.

An manchem Investor nagte ein wenig das schlechte Gewissen, spätestens wenn er bemerkte, dass auch ärmere Leute, Rentnerinnen und Mieter über den Strompreis für seinen Profit mitzahlten. Gleichzeitig waren über 2000 große Unternehmen weitgehend von der sogenannten EEG-Abgabe auf ihren Strompreis befreit – wie zum Beispiel Kiesgruben, Futtermittelwerke, Alu-Hütten, Schlachthöfe wie die von Tönnies und Westfleisch oder die Gilde-Brauerei. Das hatten unterschiedliche Regierungen recht einhellig so entschieden, denn sie wollten die Firmen im EU-Wettbewerb nicht benachteiligen . Doch statt für diese Subventionen Steuermittel einzusetzen, durften private Stromkunden einfach mehr zahlen.

Inzwischen aber ist die Welt der Solaranlagen wieder in Ordnung. Denn Solarstrom kann inzwischen hergestellt werden zu Preisen, die drastisch unter dem Einkaufspreis für Stromkunden liegen. Der mögliche eigene Profit beruht also nicht mehr hauptsächlich auf einer Zulage, die andere bezahlen müssen. Mit der richtig geplanten Anlage lassen sich – ohne alle Extras – 30 Prozent des auf dem eigenen Dach erzeugten Solarstroms selbst nutzen . Einen entsprechenden Energiemanager, der das möglich macht, bietet der Installateur sicher mit an. Der selbstgemachte und genutzte Strom kostet so zwischen 10 und 14 Cent pro Kilowattstunde – je nach Wohnort, Anlagengröße und Ausrichtung des Dachs.

Der Strom vom Stromkonzern kostet hingegen 30 Cent. Eine Berliner Familie, die 4600 Kilowattstunden (kWh) Strom im Jahr braucht, kann mit der entsprechenden Solaranlage durch den Preisunterschied beim Stromeinkauf 400 Euro sparen. Obendrauf gibt es dann noch 250 Euro im Jahr für den Strom, den die Familie für knapp 8 Cent pro Kilowattstunden selbst an den Stromkonzern verkaufen kann. Dieser Preis ist niedriger als die eigenen Kosten – und näher als früher an dem Preis, den der Energieversorger auch für Strom aus Kohle oder anderen Brennstoffen zahlen müsste.

Die Kosten für die Anlage und ihren Betrieb hat die Familie dann nach etwa zwölf bis vierzehn Jahren wieder drin, wenn die Anlage preiswert war. Und so eine Anlage ist schnell errichtet: Nach guter Vorbereitung dauert es auf einem ordentlichen Ziegeldach nicht mehr als einen Tag.

Eigennutzung erhöhen

Doch das ist erst der Anfang. Clevere Solarpioniere können die Eigennutzung nämlich ordentlich erhöhen. Zum einen, indem sie einen Stromspeicher kaufen und in den Keller oder die Garage stellen. So ein großer Akku kann den tagsüber zu viel erzeugten Solarstrom für die abendliche Nutzung speichern. Dann können Sie endlich abends mit Solarstrom kochen oder nachts fernsehen.

Leider halten die Batterien für den Solarstrom vermutlich nicht so lang, wie die Solarpaneele auf dem Dach (20 Jahre) – zumindest wollen die Hersteller das nicht garantieren. Und sie sind auch nach wie vor nicht richtig preiswert. Allerdings helfen viele Bundesländer beim Kauf solcher Batteriespeicher: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Niedersachsen Rheinland-Pfalz, NRW und Sachsen bezuschussen die Geräte, wenn man sie gleich mit der Solaranlage kauft. Thüringen subventioniert sogar Solarpaneele und Batteriespeicher. Dazu gibt es vereinzelt auch noch kommunale Förderprogramme . Und diese Hilfen werden auch nicht auf den Strompreis umgelegt wie die EEG-Zulage, sondern aus Steuermitteln finanziert.

Mit Strom heizen

Und es gibt noch einen zweiten Weg, mehr ökologisch erzeugten Strom zu nutzen. Nämlich fürs Heizen. Als ich jung war, galt das Heizen mit Strom als der ökologische Frevel schlechthin. Wasser wird in gigantischen Atommeilern oder Kohlekraftwerken gekocht. Um mit dem Dampf Strom zu erzeugen. Also Hitze in Strom verwandelt. Und mit dem Strom wird dann der Nachtspeicherofen angeheizt. Also Strom in Hitze zurückgewandelt. Die Umwandlungsverluste sind erheblich. Doch das Modell wurde angeboten, weil die Atommeiler nun mal liefen und nachts mehr Strom produzieren konnten als gebraucht wurde. Das Heizen mit Strom subventionierte in gewisser Weise also auch noch die Atomkraft.

Heute geht das viel intelligenter. Dabei wird der Strom gar nicht mehr direkt zum Heizen eingesetzt. Er treibt nur die Wärmepumpe an, mit der Hausbesitzer aus dem Boden oder hierzulande meistens der Umgebungsluft die Wärme  gewinnen können, die sie zum Heizen brauchen.

Der Unterschied: Die Umgebungs- oder Erdwärme ist kostenlos, wenn die Hardware mal verbaut ist. Und der eigene Solarstrom ist ja sehr günstig, sobald die PV-Anlage erst auf dem Dach installiert ist. Tatsächlich entsteht so ein komplett CO2-freies Heizsystem ganz im Sinne des hausbesitzenden Klimaschützers. Und besser noch: Es rechnet sich.

Noch dazu ist eine solche Anlage zukunftsweisender als die Kombination von Gasheizung und Solarthermie (Solarheizung auf dem Dach), bei der am Ende ja doch auch viel fossiles Erdgas eingesetzt werden muss. Wer heute eine neue Heizungsanlage fürs eigene Haus anschafft, der möchte sich (völlig zu Recht) darauf verlassen können, dass er es auch ökologisch richtig gemacht hat – auch mit Blick auf die kommenden 30 Jahre, die diese Heizung läuft. Bis 2050 wollen wir doch CO2-neutral sein – und zwar nicht in Form eines Ablasshandels, indem wir anderswo Wald wieder aufforsten, sondern indem wir es hier zu Hause schaffen. Das muss doch der Anspruch sein, wenn man sich als Weltmacht der Ingenieure fühlt.

Mit Strom Autofahren

Noch gar nicht berücksichtigt ist bis hierhin die Zukunft der Mobilität: E-Autos sind mindestens auf dem Land vermutlich die beste Lösung für den CO2-armen Verkehr. Das sehen auch die Verfechter einer Verkehrswende  so. Die Strecken sind länger als in der Stadt, Bahnfahren lohnt nicht, auch für ausgebauten Busverkehr fehlt oft die Nachfrage. Draußen auf dem Land bleibt das Auto wichtig, und es gibt mehr Garagen und mehr Solaranlagen als in der Stadt, um elektrisch mobil zu sein. Und mit der eigenen Solaranlage auf dem Dach und der geförderten speziellen Wallbox, können E-Auto-Besitzer ihren Wagen künftig günstig selbst betanken. Falls das Auto tagsüber immer am Büro steht, wäre allerdings ein Stromspeicher nötig.

Wer so das Auto tankt, fährt günstiger als mit dem speziellen und verbilligten Autostrom, den es inzwischen auch gibt. 900 Euro Förderung für die Wallbox gibt es von der KfW obendrein. Günstiger als das Laden an den öffentlichen Ladestationen ist der eigene Solarstrom fast immer. Selbst wenn Autostrom an der Autobahn mit einem Preis von 79 Cent pro Kilowattstunde sicher zu den Ausreißern gehört. Extra-Goodie der heimischen Tankstelle: Den Tankplatz nimmt einem auch für längere Ladezeiten niemand weg.

Den richtigen Installateur finden

Das Prinzip klingt also bestechend, aber rechnet sich die Sache denn auch?

Meine Kollegin Ines Rutschmann sagt: im Prinzip ja. Damit das aber auch im Konkreten muss man auf einige Dinge achten. Denn Praxistests ergaben, dass die Preise für die Komplettinstallation der Solaranlagen bei den Handwerksbetrieben stark voneinander abweichen. Während die Module pro Kilowatt Leistung im Großhandel für 200 Euro oder ein wenig mehr netto zu erstehen sind, reichten die Preise inklusive Montage, Unterkonstruktion, Blitzschutz, Wechselrichter und Elektroinstallation inklusive Überspannungsschutz bis über 2000 Euro pro Kilowatt Leistung. Natürlich sind kleinere Anlage pro Kilowatt Leistung teurer. Aber auch bei einer für die private Nutzung großen Anlage mit 9 bis 10 Kilowatt Leistung reichten die ermittelten Preise von knapp 1000 Euro pro Kilowatt Leistung bis über 1800 Euro .

Solche Preisunterschiede stellen Sie als Kunden vor ein Dilemma. Welcher der rund 900 zum Beispiel beim Photovoltaikforum genannten Fachbetriebe in Deutschland ist für Sie der richtige und preiswerte, wenn Sie jetzt bauen wollen? Allein auf die Installateure zu setzen ist leider keine so gute Strategie. Unser Praxistest hat gezeigt: Manche Installationsfirma präsentierte im Vergleich Wirtschaftlichkeitsberechnungen, mit denen sie auch überteuerte Anlagen als rentabel darstellt. Wenn man mit einer Strompreissteigerung von 4,5 Prozent rechnet, würde klassischer Haushaltsstrom Anfang der Vierzigerjahre 67 Cent pro Kilowattstunde kosten. Dann wäre praktisch jede Anlage ein Schnäppchen. Das ist nicht realistisch, doch mancher Handwerker präsentiert so eine Rechnung.

Lassen Sie sich also nicht veräppeln. Sie kommen mit einer vergleichsweise einfachen Strategie zum Ziel:

  • Bestimmen Sie die Größe Ihrer Anlage. Wie viel Strom brauchen Sie im Jahr? Den aktuellen Verbrauch kennen Sie. Hinzu könnten für ein E-Auto mit 15.000 Kilometer Laufleistung noch mal mindestens 3000 kWh im Jahr kommen. Und für ein durchschnittlich gedämmtes Haus mit 150 Quadratmeter Wohnfläche rund 6000 kWh für die Wärmepumpe zum Heizen. Die Unterschiede sind hier noch riesig. Und Luftwärmepumpen brauchen normalerweise deutlich mehr Strom als Erdwärmepumpen.

  • Prüfen Sie die notwendige Dachfläche. Pro Kilowatt Leistung brauchen Sie für Ihre Paneele vermutlich rund sieben Quadratmeter Dachfläche. Planen Sie Ihre Anlage so, dass Sie pro 1000 kWh prognostiziertem Stromverbrauch etwa ein Kilowatt Leistung installieren. (Daten für eine noch etwas genauere Schätzung finden Sie in unserem Ratgeber .) Am besten geht das natürlich mit einem soliden Ziegeldach, für ein Gerüst gut erreichbar, mit einer unverschatteten Südseite und 30 Grad Dachneigung. Westen und Osten geht auch, bringt aber weniger Leistung, genau wie eine andere Dachneigung auch. Die Verbraucherzentralen bieten als Kontrolle einen Eignungs-Solarcheck an.

  • Vergleichen Sie Preise, das ist einfacher geworden. Lassen Sie sich über gute spezialisierte Internetportale eine Reihe von Angeboten für Ihre Fotovoltaikanlage machen. (Nach unserer Untersuchung bei Finanztip  empfehle ich photovoltaik-angebotsvergleich.de und selfmade-energy.com). Dann wissen Sie, was aktuell preislich geht.

  • Wenn Sie das Geld nicht komplett auf dem Konto haben: Bankkredite für Solaranlagen sind nicht schwer zu bekommen und für einen Ratenkredit preiswert. Am günstigsten ist aber wohl die Finanzierung über die KfW bei ihrer Hausbank. Die Zinsen der Kreditlinie 270 liegen aktuell bei gut 1 Prozent.

  • Und wenn Sie einem Lieblingsinstallateur in der Nähe haben, fragen Sie auch den. Lassen Sie ihn wissen, dass Sie sich auf den Portalen schon mal kundig gemacht haben, dann bekommen Sie von ihm hoffentlich auch einen konkurrenzfähigen Preis genannt.

Und dann legen Sie los mit der solaren Zukunft.

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