Plastikmüll Umweltministerium bereitet Tütenverbot vor

Pro Kopf wirft jeder Deutsche im Jahr rund 20 Plastiktüten weg. Das ist zu viel, findet Umweltministerin Svenja Schulze - und hat ein Verbot der Taschen auf den Weg gebracht. Doch es soll Ausnahmen geben.

Sebastian Gollnow/ DPA

Das Bundesumweltministerium hat ein Verbot für Plastiktüten an der Ladenkasse auf den Weg gebracht. Es geht dabei um sogenannte leichte Kunststofftragetaschen. Die dünneren Tütchen etwa für Obst und Gemüse sollen hingegen ebenso wie besonders stabile Modelle nicht betroffen sein.

In Deutschland würden pro Jahr und Kopf noch rund 20 dieser Tüten verbraucht, heißt es im Entwurf von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Verboten werden soll Geschäften, solche Tüten auszugeben, "die dazu bestimmt sind, in der Verkaufsstelle mit Waren gefüllt zu werden".

Schulze hatte das Verbot im August angekündigt. Seit 2016 gibt es eine freiwillige Selbstverpflichtung des Handels, die Plastiktaschen an der Landeskasse nicht umsonst rauszugeben. Diese hatte Erfolg, der Verbrauch ging von 68 Stück pro Kopf im Jahr 2015 zurück auf 24 im vergangenen Jahr. Damit hatte das Umweltministerium sich trotz Kritik von Umweltverbänden zunächst zufrieden gezeigt. Nun heißt es im Gesetzentwurf, es sei "nicht zu erwarten, dass der Verbrauch auf der Grundlage dieser Vereinbarung, welche lediglich eine entgeltliche Abgabe vorsieht, noch signifikant unter diesen Wert sinken wird."

Kritik aus dem Handel, Skepsis bei Umweltschützern

Der Handelsverband HDE hatte das geplante Verbot bereits kritisiert. Auch Umweltverbände sehen es mit gemischten Gefühlen - denn ihnen geht es nicht weit genug.

Papiertüten etwa sind zwar in der Umwelt leichter abbaubar, haben sonst aber keine bessere Ökobilanz als Plastik, wie der Nabu betonte. Er fordert eine gesetzliche Abgabe auf alle Einwegtaschen. Selbst ein Sprecher des Bundesumweltministeriums hatte noch im Frühjahr gesagt, bei den Plastiktüten gehe es "im Grunde genommen um Peanuts": Sie machten weniger als ein Prozent des Verpackungsaufkommens aus Kunststoff aus.

Das geplante Verbot soll dem Entwurf zufolge auch "bio-basierte und bio-abbaubare Kunststofftragetaschen" umfassen. Vor der Annahme, sogenanntes Bio-Plastik löse die Umweltprobleme, hatte Schulze erst kürzlich gewarnt. "Das angebliche Bio-Plastik ist leider meistens eine Mogelpackung" und verrotte nicht wie echter Biomüll, sagte sie. "Es gibt so gut wie kein umweltfreundliches Bio-Plastik auf dem Markt." Es fehle aber eine klare Regelung.

beb/dpa



insgesamt 77 Beiträge
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schnubbeldu 06.09.2019
1. Die "dünnen" Plastiktüten für Gemüse und Obst ...
.... werden bei uns als Mülltüten des Restmülls nochmals verwendet. Bevor ich noch "gekaufte" Mülleimertüten verwende, verbrauche ich generell die vom Einkauf mitgenommenen Plastiktüten auf. Außerdem wird unser Gemüse und Obst hauptsächlich samstags auf dem Markt gekauft, und selbstverständlich lose in den Einkaufskorb gelegt. Es passiert ab und an, dass wir unter der Woche mal noch Obst und Gemüse in den kleinen Tüten aus dem Supermarkt mitnehmen. Das eingepackte Obst und Gemüse kann der Supermarkt an andere Personen verkaufen. Ich mag diese Art der Verpackung nicht.
thomasb1312 06.09.2019
2.
Ne zigfach wiederverwendete Plastiktüte viel ökologischer als eine Papiertüte die bei der 2. Benutzung reißt. Und solange eine Plastiktüte korrekt über den gelben Sack etc. entsorgt wird schadet sie auch der Umwelt nicht. Hier wird wieder viel Aktionismus betrieben der schlussendlich nichts nutzt. Wenn es bei uns keine Plastiktüten mehr gibt werden trotzdem in Indonesien und anderswo noch welche ins Meer geworfen.
Duracellhase 06.09.2019
3. Hoffentlich...
...kommt das Verbot so schnell wie möglich. Wir brauchen keine Plastiktüten. Selbst Italien hat die Dinger schon verboten, dort gibt es nur noch kompostierbare Taschen.
dasfred 06.09.2019
4. Suuuuper Vorschlag
Diese zwanzig Tüten im Jahr weniger gleichen ja komplett die riesige Menge an Einwegklamotten, unbenutzten Haushaltsgeräten, dem siebzigsten Paar Schuhe und den Milliarden Plastikbechern und Flaschen aus. Von den zwanzig Tüten werden dann eben ein Drittel durch die dicken Tüten und zwei Drittel durch Papier ersetzt. Ich selbst nutze seit Jahren immer den selben Nylonbeutel, der sich problemlos waschen lässt, in jede Hosentasche passt und wesentlich robuster als jeder Baumwollbeutel ist. Dieses Tütenverbot ist purer Aktionismus und kratzt bestenfalls an der Oberfläche des Müllproblems. Diese Tragetaschen machen nichtmal ein Viertel Prozent des gesamten Hausmülls aus. Dafür ist das Gewese, welches darum gemacht wird zu laut.
stolte-privat 06.09.2019
5. Das wird auch Zeit!
Nicht nur Plastiktüten sondern vieles andere aus Plastik ist ebenfalls überflüssig. Eine durchdachte Recyclingkette ohne Export in die dritte Welt (dafür mit maximaler Wiederverwendung anstatt Verklappung im Meer) halte ich ebenso für sinnvoll wie teilweise gesetzliche Verbote. Plastikflaschen, Mikropartikel in Duschgel, Plastikspielzeug, Strohhalme, Getränkebecher, Partygeschirr,....alles überflüssig und unnötig. In Massen vorhanden weil schön billig und mit Gewinn zu verkaufen. In den 1990er gab es einige innovative Ansätze, kompostierbare Verpackungen u.a. aus Eiweiß und Pflanzenfasern herzustellen. Das wurde von der Öl-Lobby verhindert, viele kleine Unternehmen verschwanden spurlos. Heute haben solche Start-Up's zum Glück bessere Chancen. Wir müssen es nur wollen und akzeptieren.
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