Polen Reporter filmt geheime Schlachtung kranker Kühe

Kranke Rinder werden heimlich geschlachtet und als gesund deklariert: Ein polnisches Fernsehteam hat Aufnahmen aus einem Schlachthof veröffentlicht. Das Fleisch könnte europaweit verkauft worden sein.
Filmbeitrag von "Superwizjer"

Filmbeitrag von "Superwizjer"

Foto: tvn24

Ein polnisches Reporterteam hat Filmaufnahmen aus einem Schlachthof veröffentlicht, die für einen Fleischskandal sorgen könnten. In dem Beitrag werden offenbar kranke Tiere in eine polnische Schlachterei geschmuggelt und ohne tierärztliche Inspektion zerlegt und für den Verkauf vorbereitet.

Das in der Sendung "Superwizjer" und auf dem Sender TVN24 ausgestrahlte Material zeigt Kühe, die sich nicht mehr auf den Beinen halten können und an gefesselten Beinen mit Hilfe einer Seilwinde aus Tiertransportern gezogen werden.

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Man sieht auch, wie ein Tiertransporter in der Dunkelheit die Schlachterei erreicht. In dem Fleischbetrieb filmte außerdem ein eingeschleuster Informant, wie Arbeiter Rinder zerlegen und Tumore und Druckstellen entfernen. Ohne weitere Untersuchung werde das Fleisch mit Stempeln als für den Verzehr unbedenklich ausgezeichnet und verpackt, erzählt der Informant in dem Beitrag. Laut den Recherchen scheinen diese heimlichen Schlachtungen ohne tierärztliche Aufsicht regelmäßig vorgenommen zu werden.

Regelmäßige Nachtschichten

Der zuständige Veterinär habe lediglich am nächsten Morgen die nötigen Papiere unterzeichnet, damit das Fleisch weiterverkauft werden könne, so der Informant, der insgesamt drei Wochen in dem Betrieb arbeitete. In diesen drei Wochen habe er in drei Nachtschichten insgesamt 28 Kühe gezählt, die sich aufgrund von Krankheit nicht mehr auf den Beinen halten konnten. In den darauf folgenden Wochen hätten weitere Nachtschichten ohne ihn stattgefunden.

Für Bauern sind kranke Tiere ein doppelter Verlust: Sie können nicht verkauft werden, zusätzlich muss der Halter ihre Entsorgung bezahlen. In dem Beitrag berichtet der Informant, nicht selten würden diese Tiere billig eingekauft und mit Hilfe von korrupten Tierärzten in den Verkauf eingeschleust. Im Geschmack würde sich krankes Fleisch von gesundem kaum unterscheiden. Laut "Superwizjer" gebe es in Polen bis zu 300 Händler, die kranke Tiere an Schlachthöfe vermittelten.

Experten hätten sich nach Sichtung dieses Beitrages an die polnische Regierung gewandt, da sie gesundheitliche Schäden bei Verbrauchern befürchten, berichtet der britische "Guardian" . Chris Elliott, Professor für Lebensmittelsicherheit an der Universität Belfast, sagte dem "Guardian", wenn es Hinweise darauf gebe, dass das Fleisch aus dem Beitrag Polen verlassen habe, könne das EU-weite Sicherheitswarnungen zur Folge haben und viele Behörden für Lebensmittelsicherheit beschäftigen.

Polen exportiert etwa 80 Prozent seines erzeugten Rindfleisches, so der "Guardian". Laut der Handelsdatenbank der Vereinten Nationen Comtrade  waren das im Jahr 2017 mehr als 415 Millionen Kilogramm an Frisch- oder Tiefkühlrindfleisch.