Postbank lockt mit Prämien Der hohe Preis des Kontowechsels

Mit hohen Prämien verführen Institute wie die Postbank Kunden zum Kontowechsel. Doch ein solcher Schritt lohnt sich oft nicht. Statt auf die Lockangebote der Geldhäuser sollten die Verbraucher lieber ins Kleingedruckte schauen.
Postbank-Filiale (in Köln): Prämien sind kein Grund für einen Kontowechsel

Postbank-Filiale (in Köln): Prämien sind kein Grund für einen Kontowechsel

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Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Girokonten gibt es heutzutage nicht nur kostenlos, Kunden können sogar bis zu 250 Euro Prämie kassieren, wenn sie das Konto wechseln und zum Beispiel zur Postbank gehen. Das hört sich an wie in den Wildwest-Tagen des Strommarktes, als Anbieter wie Teldafax oder Flexstrom Kunden ähnliche Prämien versprachen.

Mit diesen Stromanbietern nahm es bekanntlich kein gutes Ende, und auch viele ihrer Kunden mussten am Ende leiden. Droht jetzt eine ähnliche Entwicklung bei Banken? Schließlich sind auch Institute wie die Commerzbank  , die Sparkasse 1822direkt, die ING-DiBa und die Consorsbank mit Prämien auf Kundenfang.

Wohl nicht. Aber genau wie beim Strom gilt: Prämien sind kein Grund für einen Kontowechsel, bestenfalls ein Anlass.

Gründe für den Wechsel des Girokontos gibt es vor allem zwei:

  • Meine alte Bank hat mich nachhaltig verärgert durch schlechten Service oder schlechte Beratung.
  • Oder das bisherige Girokonto ist zu teuer: Meine Bank nimmt unverfroren hohe Gebühren und verlangt obendrein mehr als zehn Prozent Zinsen, wenn ich in den Dispo rutsche.

Gebühren und hohe Dispozinsen sind genau die beiden Wege, wie Banken beim Girokonto Geld verdienen.

Die Gebühren fürs Girokonto läppern sich schnell. Eine monatliche Grundgebühr von 7,50 Euro addiert sich zu 90 Euro im Jahr, dazu 20 Euro für die Kreditkarte, 10 Euro für die Partnerkarte und gepfefferte Gebühren für das Abheben im Ausland. Deutlich mehr als hundert Euro Gebühren sind normal für viele Kunden von Filialbanken .

Prämien sollten nicht den Ausschlag geben

Und dann ist da noch der Dispozins. Wenn Kunden nicht aufpassen und regelmäßig ihr Konto überziehen, freut sich die Bank und kassiert. Es gibt Filialbanken, die nehmen niedrige fünf oder sieben Prozent, die PSD-Bank Berlin-Brandenburg zum Beispiel 6,4 Prozent. Manch andere Genossenschaftsbank langt aber richtig zu: Die Stiftung Warentest fand bei ihrem aktuellen, bundesweiten Test nur Volks- und Raiffeisenbanken unter den Instituten, die mehr als 13 Prozent Dispozinsen nehmen - ein knappes Dutzend waren es.

Also doch wechseln: Denn man findet sie, die Onlinebanken, deren Konten dauerhaft kostenlos sind und die praktisch keine Gebühren verlangen . Kunden haben aber auch die Möglichkeit, bei der eigenen Bank von einem teuren Kontomodell zu einem preiswerten Modell zu wechseln und so 100 Euro im Jahr zu sparen .

Wenn es dann auch noch eine Prämie gibt, ist das fein. Nur sollte diese am Ende nicht den Ausschlag geben. Warum, das lässt sich exemplarisch am Angebot der Postbank zeigen.

Bis zu 250 Euro Prämie bekommen neue Kunden dort: 50 Euro Prämie für die Kontoeröffnung, weitere 50 Euro, wenn man ein Gehaltskonto daraus macht. 50 Euro, wenn man Lastschriften und Überweisungen mit dem Konto erledigt, mindestens sechs im Monat. Und nochmal 50 Euro, wenn man zwölf Monate dabei bleibt. Das alles allerdings immer nur in Form von Amazon-Gutscheinen. Bargeldprämien zahlt die Postbank nur, wenn Sie einen anderen Kunden empfehlen und der solch ein Postbank-Konto abschließt.

Was spricht gegen Amazon-Prämien?

Lesen Sie das Kleingedruckte. Dann sehen Sie, dass viele Argumente gegen ein solches Angebot sprechen:

  • Heben Sie im Ausland mit dem Kontomodell und der EC-Karte (Girocard) der Postbank Bargeld ab, berechnet die Bank jedes Mal mindestens 5,99 Euro, ab 600 Euro immer ein Prozent der Abhebesumme.

  • Die Kreditkarte kostet im zweiten Jahr 22 Euro, für den Dispo zahlen Sie von Anfang an knapp elf Prozent Zinsen. Überziehen Sie gar den Dispo, werden daraus sogar fast 15 Prozent.

  • Reichen Sie eine Überweisung in Papierform ein, kostet das 99 Cent.

  • Und für jeden Einkauf in einer anderen Währung fallen 1,85 Prozent Gebühren an. Macht bei der Hotelrechnung für 1000 Euro noch mal 18,50 Euro.

Wie lange reichen also die 250 Euro Prämie, selbst wenn Sie nie im Dispo sind? 12 Monate? 18 Monate? 24 Monate?

Und dann müsste man eigentlich schon wieder das Konto wechseln? Doch regelmäßige Kontowechsel sieht zum Beispiel die Schufa offenbar nicht so gern. Auch die Einrichtung von einem Dutzend Konten, um überall Prämien mitzunehmen, erhöht aus Sicht solcher Auskunfteien nicht die Vertrauenswürdigkeit und Bonität der Kunden.

Fazit: Kontowechsel sind ein probates Mittel gegen zu hohe Kosten der Banken. Prämien nehme ich auch persönlich gerne mit. Aber zuerst lese ich das Kleingedruckte.

Eines muss man der Postbank   allerdings zugute halten. In dem fast 50-seitigen Preis-Leistungs-Verzeichnis, das unter der Rubrik Downloads auch auf der Werbeseite im Netz zu finden ist , sind alle Gebühren minutiös aufgelistet. Für den Dispozins muss man nicht einmal diese Seiten lesen, wählen Sie dort den Reiter Konditionen. Das ist anders als im Wilden Westen der Stromkonzerne.

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Micha Kirsten / Finanztip

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip«. Der Geldratgeber ist Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »Tageszeitung«. Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.