Verbraucherpreise in Europa Deutsche leben günstiger als die meisten Nachbarn

Nur in Polen und Tschechien ist das Leben für private Verbraucher noch günstiger: Das Preisniveau liegt in Deutschland laut europäischer Statistikbehörde niedriger als in den meisten direkten Nachbarländern.

Lebensmittelhändler in Frankfurt: Niedriges Preisniveau in Deutschland
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Lebensmittelhändler in Frankfurt: Niedriges Preisniveau in Deutschland


Wer als Norddeutscher gern einmal in Dänemark oder als Süddeutscher in der Schweiz Urlaub macht, kann es bestätigen: Die Lebenshaltung ist in den direkten Nachbarstaaten deutlich teurer als in Deutschland. So lag im vergangenen Jahr das Preisniveau für private Konsumausgaben in Deutschland lediglich 1,5 Prozent über dem EU-Durchschnitt, in der Schweiz hingegen um 54 und in Dänemark um 38 Prozent darüber. Das geht aus Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostathervor, die dasstatistische Bundesamt veröffentlicht hat. (Siehe die Tabelle am Ende dieses Artikels.)

Nun sind sowohl die Schweiz als auch Dänemark seit Jahren für ihr hohes Preisniveau bekannt, allerdings auch für ein entsprechend hohes Lohnniveau. Zudem haben beide Länder nicht den Euro, ihre Währungen sind zuletzt durch die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) unter Aufwertungsdruck geraten. Um die Lebenshaltungskosten in den Ländern Europas dennoch adäquat abzubilden, bilden die Statistiker Kaufkraftparitäten und vergleichende Preisniveaus. So können Länder mit und ohne Euro korrekt miteinander verglichen werden.

Doch auch in Euro-Nachbarländern wie Frankreich, den Niederlanden oder Österreich ist der Unterschied zum deutschen Preisniveau deutlich. Innerhalb der Eurozone liegen die Preise für Waren und Dienstleistungen des privaten Konsums lediglich in den Krisenstaaten Spanien, Portugal und Griechenland niedriger, und zwar deutlich. In Portugal etwa müssen Verbraucher für einen repräsentativen Warenkorb fast 19 Prozent weniger bezahlen als in Deutschland.

Noch günstiger ist das Einkaufen bei den Nachbarn in Polen (minus 44,2 Prozent im Vergleich zum EU-Schnitt) und Tschechien (minus 35,8 Prozent). Dass die Preise in Deutschland überhaupt über dem Schnitt in der gesamten EU liegen, ist ohnehin dem extrem niedrigen Preisniveau in den osteuropäischen Mitgliedstaaten geschuldet, ob in Bulgarien (minus 51,6 Prozent), Rumänien (minus 46,7 Prozent), Kroatien (minus 33,4 Prozent) oder Ungarn (minus 42,9 Prozent).

Ein Grund für die vergleichsweise niedrigen Preise in Deutschland ist der scharfe Wettbewerb im Einzelhandel. So sorgen vor allem die Discounterketten Aldi und Lidl seit vielen Jahren für Niedrigpreise bei Lebensmitteln - und reüssieren damit auch zunehmend in vielen anderen europäischen Staaten.

Vergleichende Preisniveaus 2014

Land Preisniveau*
Schweiz 54,1
Norwegen 48,1
Dänemark 38
Schweden 24,7
Finnland 23,2
Großbritannien 21,6
Luxemburg 20,1
Niederlande 10,7
Belgien 9,2
Frankreich 7,8
Österreich 6,8
Italien 1,9
Deutschland 1,5
Euroraum 1,4
EU-28 0
Spanien -7,3
Griechenland -13,8
Portugal -18,9
Tschechien -35,8
Türkei -39,1
Polen -44,2
Albanien -49,9
Bulgarien -51,6
Mazedonien -53,3

Quelle: Eurostat

Vorläufige Ergebnisse (bezogen auf die Konsumausgaben der privaten Haushalte für ausgewählte europäische Länder).

*Abstand zum EU-Durchschnitt in Prozent

fdi



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