Private Krankenversicherung So können PKV-Versicherte viel Geld sparen

Aus der privaten Krankenversicherung kommen Versicherte kaum wieder raus. Allerdings können sie Hunderte Euro im Jahr sparen - mit klugen Fragen an die eigene Kasse und neuen Tarifen.

Stethoskop
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Eine Kolumne von


"Sei ohne Sorge", lautet der zentrale Vers eines 60 Jahre alten Gedichts von Ingeborg Bachmann. Sei ohne Sorge ist auch der Leitsatz der privaten Krankenversicherung. Kunden müssen sich darauf verlassen, denn die Bindung an einen privaten Krankenversicherer ist wie eine Ehe - ein Versprechen für die Ewigkeit. Wer heute mit 30 Jahren in die PKV wechselt, bleibt dort wahrscheinlich 60 Jahre lang versichert.

Wie in jeder Ehe aber kriselt es manchmal. Derzeit vor allem, weil die Beiträge für viele Kunden deutlich steigen. Doch ähnlich einer Scheidung kommen Sie nur mit Einbußen aus dem Vertrag heraus.

Normalerweise sind solche Verträge in einer Marktwirtschaft unüblich. Denn wirkliche Märkte mit Wettbewerb geben dem Kunden Sanktionsmöglichkeiten. Er kann wechseln, wenn der Dienstleister, der hervorragende Gesundheitsleistungen zu bezahlbaren Preisen versprochen hat, seine Zusage nicht hält. Allein, ein solcher Wechsel ist bei der privaten Krankenversicherung nach einem Jahrzehnt Mitgliedschaft nicht mehr wirtschaftlich vernünftig möglich.

Niedrigzinsen verteuern den Beitrag

Fast neun Millionen Menschen in Deutschland sind privat krankenversichert. Ein Großteil von ihnen wird in den kommenden Monaten eine Beitragserhöhung erhalten. Eine Stichprobe bei den großen Krankenversicherern ergab, dass alle befragten 16 Versicherer die Beiträge zu Beginn oder im Frühjahr 2017 anheben wollen. Beim größten Versicherer, der Debeka, wird es für zwei Drittel der mehr als zwei Millionen Krankenversicherten teurer. Einer der Versicherer bekannte, dass die Beitragssteigerung bis zu 20 Prozent betragen könne. Die anderen schwiegen bei der Stichprobe zu diesem Thema.

Versicherer dürfen die Beiträge nur anheben, wenn sie mit dem Geld der Versicherten für die vereinbarten Leistungen nicht auskommen. Aktuell haben die Gesellschaften neben den steigenden Gesundheitskosten aber noch ein anderes Problem. Sie legen von den Beiträgen ihrer Kunden in jungen Jahren Geld zurück, damit die Prämien im Alter nicht ins Unermessliche steigen. Rund 200 Milliarden Euro Altersrückstellungen (20.000 Euro pro Vollversichertem) haben die Kunden dafür auf den Konten der Versicherer angehäuft. Wohlgemerkt: auf den Konten der Versicherer - denn die Kunden dürften diese Rücklagen bei einem Wechsel des Versicherers nicht einfach mitnehmen. Wirtschaftlich wäre ein Wechsel der Versicherung deshalb Unsinn.

Viele Versicherer gingen zuletzt bei der Berechnung der Beiträge davon aus, dass sich diese Rücklagen mit 3,5 Prozent verzinsen würden. Werden die 50.000 Euro Altersrückstellungen eines 50-jährigen Angestellten bis zur Rente mit 67 mit 3,5 Prozent verzinst, werden daraus 90.000 Euro. Liegt die Verzinsung im Niedrigzinsumfeld aber nur noch bei zwei Prozent, stehen 17 Jahre später nur 70.000 Euro zur Verfügung. 20.000 Euro fehlen, um die Beiträge im Alter stabil zu halten. Auch um solche künftigen Lücken zu vermeiden, sollen die Beiträge jetzt deutlich steigen.

Was können Kunden denn tun, wenn der Wechsel des Unternehmens nicht sinnvoll möglich ist?

Andere Tarife zum Wechsel nutzen

Jüngere, die der Beziehung nicht mehr trauen, können versuchen, das System zu verlassen. Zurück in die gesetzliche Krankenkasse. Bis zum Alter von 55 Jahren geht das. Für viele ist das eine Alternative, gut 200.000 Leute haben allein im vergangenen Jahre einen entsprechenden Finanztip-Ratgeber abgerufen. Älteren hat der Gesetzgeber diese Fluchtmöglichkeit versperrt.

Wenn Sie mit der Höhe Ihrer Beiträge unglücklich sind, aber in der privaten Krankenversicherung bleiben wollen oder müssen, bleibt eine andere Möglichkeit: Wechseln Sie den Tarif.

Wer jetzt denkt, das wäre so einfach wie der Wechsel des Stromtarifs, des Handyvertrages oder des Girokontos, der irrt. Unternehmen tun sich schwer, ihren Kunden preiswertere Alternativen für ähnliche Leistung im eigenen Konzern anzubieten. Anders aber als Bank oder Stromanbieter sind die Versicherer in einer privilegierten Situation: Sie wissen, gerade ältere Kunden können praktisch nicht flüchten.

Wenigstens dieses Dilemma hat auch der Gesetzgeber erkannt. Um das Los der Kunden ein wenig leichter zu machen, hat er den Krankenversicherern deshalb vorgeschrieben, älteren Kunden ab 60 Jahren bei jeder Preiserhöhung Alternativtarife zu nennen. In einem Anflug von Selbstkritik haben sich breite Teile der Branche schon 2014 selbst verpflichtet, ab Anfang 2016 sogar Kunden ab 55 Jahren vernünftig über Alternativen zu informieren.

Unterstützung holen

Ideal klappt das bisher nicht. Kein Wunder. In einer solchen idealen Welt müsste der Versicherer ja gegen sein eigenes wirtschaftliches Interesse Kunden raten, weniger Geld für eine ähnliche Leistung zu bezahlen.

Seit einiger Zeit gibt es aber Versicherungsberater, die tarifwechselwilligen Kunden gegen Bezahlung zur Seite stehen. Seriöse Berater berichten, dass beim Tarifwechsel Einsparungen von mehr als tausend Euro im Jahr drin sind.

Wer eine Beitragserhöhung bekommt und privat versichert bleiben will, der sollte den Tarifwechsel ernsthaft prüfen.

Am besten in folgenden Schritten:

  • Schreiben Sie an Ihren Versicherer und fragen Sie nach Angeboten für einen besseren Tarif. Verlangen Sie explizit auch Vorschläge für andere Tarife mit vergleichbaren Leistungen zum bisherigen Tarif und einer niedrigeren Prämie. Erbitten Sie eine konkrete Gegenüberstellung der Leistungsunterschiede zwischen dem vorgeschlagenen neuen Tarif und dem bisherigen Tarif und setzen Sie eine Frist.
  • Sollte der Tarif weniger Leistungen bieten, schauen Sie sich die Kürzungen genau an. Akzeptieren Sie keine Kürzungen von wichtigen Leistungen.
  • Wenn das Angebot unbefriedigend bleibt, lassen Sie einen guten unabhängigen Versicherungsberater das konkrete Angebot und die Angebotspalette des Versicherers prüfen. Versicherungsberater können oft mehr Geld herausholen als Sie im Alleingang. Gerade bei älteren Versicherten sind oft über hundert Euro im Monat drin. Nicht jeder Berater ist gut, auch hier gibt es schwarze Schafe.
  • Wenn der Ärger sich hinzieht, wenden Sie sich ruhig auch an den PKV-Ombudsmann oder die Finanzaufsicht BaFin. Beschwerden, die über die Aufsicht ankommen, müssen die Versicherungsvorstände bearbeiten.
  • Auch rechtliche Mittel gegen eine Erhöhung sind möglich. Im Oktober hat das Amtsgericht Potsdam die Beitragserhöhung der Axa-Krankenversicherung für unwirksam erklärt, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

Wirtschaftsprüfer sollen übrigens herausfinden, ob das vollmundige Versprechen der privaten Krankenversicherer von Transparenz und Hilfe beim Tarifwechsel eingelöst wird. Eine Auswertung wäre interessant. So weit geht aber die Transparenz der Versicherer dann doch nicht, sagt der Sprecher des Branchenverbandes PKV. Solche "Prüfberichte der einzelnen Unternehmen werden nicht veröffentlicht" und die Wirtschaftsprüfer dürften ihre Infos, ob die Unternehmen ihre Versprechen einhalten, häufig auch gar nicht weitergeben.

"In die Traumwäscherei, ohne Sorge, sei ohne Sorge" lauter einer der letzten Verse in Bachmanns Gedicht.



insgesamt 160 Beiträge
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annibertazeh 03.12.2016
1. Tarifwechsel?
Und am Ende können die Versicherten nach einem Schlaganfall keine Heilmittel-Behandlung mehr in Anspruch nehmen? - Die Gefahr ist groß, dass mit dem Abspecken der Versicherungsbeiträge auch ein Schwund von Leistungen verbunden ist, auf die man als Noch-nicht-Erkrankter glaubt verzichten zu können.
Ein_denkender_Querulant 03.12.2016
2. verzerrte Sichtweise
Wie kommen Sie auf die Idee, dass die Beiträge hüt alle Mitglieder steigen? Private Krankenversicherungen passen alle drei Jahre den Beitragssatz an. Und natürlich steigt der Satz stetig. Viele vergessen dabei, das der Satz der geseztlichen Versicherung inzwischen auf vier Ebenen subtil erhöht wird: - Erhöhung der Bemessungsgrenze - Reduzierung der Leistungen, zum Teil gravierend - Erhöhung des prozenzualen Satzes, insbesondere seit Deckelung des Arbeitgebenanteils - Verändert Besteuerung getrade für Renten mit erheblich Beitragssteigerung, da sämtliche Einnahmen zur Berechnung des Krankenkassenbetrags herangezogen werden. Die gesetzliche Versicherung ist für das Mitglied unkalkulierbar, ein Schritt von der gesetzlichen zur privaten ist in höherem Alter quasi unmöglich, aus der privaten kommt man bis 55 relativ einfach zurück in die gesetzliche, indem man kurze Zeit unterhalb der Beitragsmessungsgreze fällt, z.B. auch durch unbezahlte Auszeiten. Die Schere der Leistungen geht immer weiter auseinander, weniger, weil private mehr bezahlen, als viel mehr, weil gesetzliche Versicherungen immer weiter streichen, dazu die Medizin immer mehr zu einem profitorientiertem Wirtschaftszweig wird. Gemacht wird immer weniger was hilft, gemacht wird vor allem, was gut bezahlt wird. Privat versichert ist die Möglichkeit viel besser, als möglichen behandlungen die stimmige und hilfreiche zu wählen. Dazu bedarf es aber Selbstinitiative und Verständnis sowie Verantwortung für die eigene Gesundheit.
smartphone 03.12.2016
3. Ansgelagertes Problem
Ein Generalproblem ist , daß dei Kassen sich quasi ausser Stande sehen , eine halbwegslangfristige Prognose zu geben . Wenn Sie vor zb 20 Jahren in eine PKV gingen oder mußten ( DIe GKV nahm ALOs nicht so ohne weiters an ) sagte niemand , daß sich die Beiträge verdreifachen oder mehr ..:DAS ist das Grundärgernis in Zeiten , in welchen sich solceh ver x fachten , aber die Löhne sich z T halbierten .... Und die Politk liefert keine Lösung ( ausser Tarife mit weniger Leistung...) di DKV erhöhte letztes Jahre wichtige Lesitung nonchalant um über 25% - einfach so - ohne dass der "Kunde" eigentlich was dagegen machen kann Ansonsten wird immer weit über der Infaltion erhähet -auch so ein Unding . . Was generell längst hätte gelöst werden müssen , ist ,daß die KVs speziell (Klein)Unternehmer systematisch in die Pleite treiben ...also ein KVexit längst hätte kommen müssen . Abschaffen dr KV Pflicht oder eben Einführen eines BGE ( >1500€ +KV je Erw .... Nicht mit H4 zu verwechseln ).
keksguru 03.12.2016
4. PKV Mitglieder sind selbst schuld
wenn sie den vollmundigen Versprechungen der Unternehmen gefolgt sind ohne weiter nachzufragen. Der demographische Wandel war den Verscicherern schon vor 30 Jahren bekannt, darüber geredet wurde damals aber nur auf Drückerschulungen.... dabei ist das soo einfach: steigende Lebenserwartung bedingt streigende Krankheitsausgaben, und weil ich da aufgepaßt hab bin ich in der GKV geblieben obwohl ich jetzt fast das Doppelte der Beitragsbemessungsgrenze verdiene... da meine Frau nicht arbeitet kostet mich die GKV für 2 Personen und auch für alle Kinder die da mal kommen mögen, sage und schreibe 360 Euro im Monat. Wenn da irgendwo irgendwann mal eine Leistung privat bezahlt werden muß, dann sei es eben so aber in der PKV kostet jeder Kopf extra, jedes Kind extra und jede Tarifopiton sowieso. Und den Beitragserhöhungen im PKV Bereich, die tlw. zweistellig sind, stehen Beitragssteigerungen bei der GKV gegenüber, die sich eher im Promillebereich bewegen. Von den 6 Millionen PKV Mitgliedern haben sich mindestens mal die Hälfte geirrt bzw. haben gutgläubig Verträge auf LEbenszeit unterschrieben.
bufalo_bill 03.12.2016
5. Private Krankenversicherung
Gerade den Artikel von Ihnen gelesen. Bin leider ein betroffener, der seit über 30 Jahren bei der Debeka versichert ist. Schön wäre es gewesen, wenn die Debeka nur 20% den Betrag erhöht hätte, leider wurde mein Tarif um fast 30% erhöht! Mit 60 Jahren kommt man auch nicht mehr raus der Versicherung und zwangsläufig in den sauren Apfel beissen. Die Debeka macht allerdings auch ein Angebot, das man weniger zahlt, wenn man wechselt. Allerdings hat man dann einen Tarif für den man wieder weniger zahlt, aber die Selbstbeteiligung schnellt dann auf 1000,- - 1500,-€ hoch. Wenn man sich das mal durchrechnet, zahlt man eigentlich alles dann aus eigener Tasche, für was hat man dann diesen unnötigen Vertrag ? Lohnt sich dann nur, wenn man mehrmals im Jahr operiert werden muss.
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