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28. November 2015, 17:34 Uhr

Beitragserhöhungen

So drücken Sie die Kosten für die private Krankenpolice

Eine Kolumne von

Mehrere private Krankenkassen erhöhen ihre Beiträge, mitunter drastisch. Viele Versicherte können aber trotzdem Hunderte Euro sparen. Dafür müssen sie nur drei Dinge beachten.

Peca ist empört. Um 51 Prozent sollen seine Krankenversicherungsbeiträge bei der Axa 2016 steigen, von heute auf morgen. Peca, der unter diesem Namen auf Twitter postet, ist nicht der einige, der sich abgezockt fühlt. In den vergangenen Wochen erreichten mich mehrere Nachrichten über solch deutliche Preiserhöhungen: im Schnitt um 30 Prozent, alle in einem Tarif der Axa. Auch andere Anbieter heben derzeit die Beiträge an, zum Beispiel die Allianz und Hanse Merkur.

Privatversicherte sind das gewohnt. Alle paar Jahre steigen ihre Beiträge deutlich. Kunden, die älter als 60 sind, zahlen oft mehr als 1000 Euro im Monat. Das Problem: In diesem Alter können Versicherte aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr wechseln - und aus rechtlichen Gründen nicht mehr zurück in die gesetzliche Krankenkasse. In der Jugend günstig privat versichert sein und im Alter, wenn es dort teurer wird, zurück in die gesetzliche Krankenkasse - das hat der Gesetzgeber im Prinzip verboten.

Weil die älteren teureren Kunden nicht mehr aus der privaten Versicherung fliehen können, müssen alle Versicherten mehr zahlen. Die Axa-Pressestelle räumt die 50-Prozent-Erhöhung ein, verweist aber darauf, dass ihre Kunden immer älter würden und nicht mehr wie früher beim Kassenwechsel ihr Erspartes (die sogenannten Alterungsrückstellungen) zurückließen. Und in Zeiten niedriger Zinsen müssten die Kunden dann eben mehr zahlen, damit später genug im Topf ist. Bezogen auf alle 791.000 Vollversicherten der Axa liege die durchschnittliche Erhöhung bei lediglich 4,9 Prozent.

Pecas Erhöhung ist mehr als zehn Mal so groß. Und doch kann er sich wehren - und bei seinem Versicherer den Tarif wechseln. Denn häufig bieten die Anbieter ihren Kunden mehrere gleichartige Tarife an, sodass häufig der Wechsel in einen günstigeren möglich ist. Nachhaken lohnt sich.

Nicht alle Kassen haben sich selbst verpflichtet

Der Gesetzgeber hat vorgeschrieben, dass die Versicherer ihren Kunden über 55 Jahren zwingend mitteilen müssen, welche passenden Alternativtarife sie im Angebot haben. Etliche Versicherer gehen einen Schritt weiter: Sie versprechen nicht nur den Hinweis auf die preiswerteren Tarife, sondern auch eine entsprechende Beratung. Eine Selbstverpflichtung zur Beratung für einen "transparenten und kundenorientierten Tarifwechsel" hat ein großer Teil der Branche unterschrieben.

Ein großer Teil der Branche, aber eben nicht alle. Auf der Liste der Versicherer fehlt die Arag, es fehlen die Central und die Continentale, um nur einige zu nennen. Beim Verband der Privaten Krankenversicherer (PKV) heißt es, inzwischen seien 85 Prozent des Marktes dabei. So habe auch die Central zugesagt, die auf der Selbstverpflichtungswebsite noch nicht genannt wird.

Die Selbstverpflichtung ist ein richtiger Schritt. Denn natürlich weiß der Versicherer am besten, welchen günstigen passenden Tarif er für den Kunden hätte. Die Selbstverpflichtung ist aber auch mit einem Dilemma verbunden: Der Versicherer müsste dem Kunden im Grunde anbieten, die gleiche Leistung für deutlich weniger Geld zu erbringen. Und das ist für die Unternehmen nicht attraktiv - es macht erst einmal Arbeit und bringt dann auch noch weniger Geld ein. Und im alten Tarif vergrößern sich auch noch die Probleme.

Ein attraktives Geschäftsfeld für Berater

Ein Geschäft ist der Tarifwechsel sicher für manche Berater, die ihren Kunden erst vorrechnen können, dass ein anderer Tarif beim gleichen Anbieter günstiger ist - und dann für den Tarifwechsel Erfolgshonorare kassieren. Viele dieser Makler vermitteln inzwischen keine Neuverträge mehr, sondern haben die Tarifoptimierung als attraktives Geschäftsfeld entdeckt.

Genau darin liegt auch ein Problem: Denn wer Erfolgsprämien für Einsparungen kassiert, verliert das Interesse der Kunden aus dem Blick. Hohe Einsparung bedeutet auch mehr Geld für den Vermittler. Und so werden Kunden überredet, auf eigentlich notwendige Leistungen zu verzichten oder hohe Selbstbeteiligungen zu vereinbaren. Der Vermittler verdient, der Kunde aber leidet, oftmals erst nach Jahren, wenn die Lücken offenbar werden.

Peca sollte deswegen drei Dinge tun:

Das ist eine ganze Menge Arbeit; und billig ist der Berater dann auch nicht. Aber bei Einsparungen von 100 bis 200 Euro im Monat winken über die Jahre Ersparnisse im fünfstelligen Bereich - und: Die Chance steigt, die private Krankenversicherung auch im Alter noch bezahlen zu können.

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