Young-Money-Blog So viel Geld sollten Sie für die Rente zurücklegen

Von und (Grafik)


"Darum müsste ich mich eigentlich mal kümmern." Das ist so ein Satz, der oft kommt, wenn es in Gesprächen mit Freunden um die Rente geht. Das Thema ist so etwas wie der Endgegner im Parcours der Finanzentscheidungen. All die Fragen rund um die Rente sind unangenehm. Viele assoziieren sie mit dem Altwerden oder gar dem Sterben, das verdrängt man als junger Mensch lieber.

Die meisten meiner Freunde wissen aber, dass die gesetzliche Rente nicht reichen dürfte, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Denn die Rentenversicherung ist durch die Alterung der Gesellschaft unter Druck geraten. Weil die Geburtenraten gesunken sind und zudem die Lebenserwartung gestiegen ist, leben in Deutschland immer mehr ältere und weniger jüngere Menschen.

Meiner Generation stehen deutlich mehr Rentenempfänger gegenüber, die sie durch ihre Beiträge finanzieren muss. Und wenn wir selber im Rentenalter sind, wird es weniger Beitragszahler geben, die für uns aufkommen.

Man muss also selbst etwas tun. Aber wie viel Geld sollte man zur Seite legen, um im Alter noch vernünftig leben zu können? Der Young-Money-Blog hat mit Unterstützung der Verbraucherzentrale NRW beispielhaft berechnet, wie viel Geld junge Durchschnitts-, Besser- und Geringverdiener zurücklegen sollten.

Die Berechnungen gelten für 22-Jährige, die im Alter 70 Prozent ihres Nettogehalts zur Verfügung haben möchten. Denn wer nicht mehr arbeiten geht, hat in der Regel auch geringere Ausgaben, etwa für Arbeitsweg, auswärts essen und Kleidung. Mehr als eine Faustformel ist das nicht: Wer zum Beispiel auch im Alter weiterhin im Haus leben möchte, in dem die Kinder großgeworden sind, benötigt mehr Geld als jemand, der dann in eine kleinere Wohnung zieht.

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    Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 28 Jahre alt, seit der Kindheit. Die erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, ein paar Jahre später folgten die ersten Fondsanteile. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog.

Beispielperson Lara arbeitet als Controllerin, ist 22 Jahre alt, Single, zahlt keine Kirchensteuer und verdient das deutsche Durchschnittsgehalt von 3242 Euro brutto, also 2091 Euro netto. Geht man der Einfachheit halber davon aus, dass ihr Nettolohn ähnlich stark steigt wie die Inflation (nämlich zwei Prozent pro Jahr), beträgt ihr Lohn im Jahr 2064 5096 Euro. Davon möchte sie 70 Prozent, also 3567 Euro. Das ist die Summe, die sie zum Start ihrer Rente Monat für Monat braucht.

Wie viel Rente Lara später bekommt, hängt davon ab, wie viele Rentenpunkte sie sammelt. Einen Punkt bekommt sie, wenn sie in einem Jahr das deutsche Durchschnittseinkommen verdient hat. Wenn sie mehr verdient, kriegt sie mehr als einen Punkt, wenn sie weniger verdient, weniger. Aus den gesammelten Punkten wird die Rente berechnet. Das heißt: Je länger Lara arbeitet, desto mehr Punkte sammelt sie und desto höher ist die spätere Rente.

Der Einfachheit halber nehmen wir an, dass Laras Lohnsteigerungen immer genauso ausfallen, dass sie jedes Jahr weiterhin genau einen Entgeltpunkt verdient. Sie kommt damit ab 2064 auf einen Rentenanspruch von knapp 2516 Euro netto pro Monat.

Dadurch ergibt sich für Lara eine Rentenlücke von 1051 Euro (3567 Euro minus 2516 Euro). Das ist der Betrag, der ihr zum gewünschten Renteneinkommen fehlt. Die Summe also, die sie durch private Vorsorge selbst abdecken muss.

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Lara will bis zu einem Alter von 85 Jahren abgesichert sein, sodass sich eine gesamte Finanzierungslücke von 227.106 Euro ergibt (18 Rentenjahre x 12 Monate x 1051,42 Euro).

Wenn Lara sofort zum Berufsstart anfängt zu sparen, hat sie noch 45 Jahre Zeit, um diese Geldsumme zusammenzubekommen. Gehen wir davon aus, dass Lara ihr Erspartes zur Hälfte in einen breit gestreuten Weltaktienindex investiert und fünfzig Prozent auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto liegen hat, kann sie einen Nettozinssatz von drei Prozent pro Jahr erwarten (denn diese Rendite hätte ihr Portfolio auch in den vergangenen hundert Jahren erzielt - trotz schwerer Kriege und Finanzkrisen).

Wenn Lara diesen Zinssatz erhält, müsste sie Monat für Monat 156 Euro sparen, um im Alter in etwa ihren heutigen Lebensstandard zu halten. Das entspricht rund acht Prozent ihres heutigen Nettoeinkommens. Auf ähnlich hohe Sparquoten kommen Gering- und Gutverdiener (siehe Grafik).

Im Young-Money-Blog schreiben wir über Finanzthemen für Einsteiger. Abonnieren Sie den Newsletter direkt und kostenlos hier:

Jeden Monat acht Prozent des Gehalts für die Rente wegzulegen, dürfte für den Großteil der Menschen durchaus anspruchsvoll sein. Denn Spargeld für Urlaube oder teure Anschaffungen ist da noch nicht mit einberechnet. Im Durchschnitt legen die Deutschen für alles rund zehn Prozent ihres Nettoeinkommens zur Seite.

Hinzu kommt: Wir sind in unseren Berechnungen davon ausgegangen, dass die Berufsanfänger sofort anfangen zu sparen. Warten sie hingegen noch zehn Jahre, bis sie anfangen vorzusorgen, haben sie viel weniger Zeit. "Dann müssten sie schon knapp zwölf Prozent ihres Gehalts zur Seite legen, um auf ein ähnliches Ergebnis zu kommen", sagt Ralf Scherfling, Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW.

Auch steht und fällt das Ergebnis mit der angenommenen Rendite. Wer sein gespartes Geld auf dem Sparbuch liegen lässt und keinen Zins darauf bekommt, muss ebenfalls deutlich mehr zurücklegen.

Gerade junge Menschen sollten deshalb so früh wie möglich damit anfangen, Geld zu sparen und es fürs Alter anzulegen. Besonders schwer ist das nicht. Diese drei Möglichkeiten stehen zur Auswahl oder können miteinander kombiniert werden:

1. Einen langfristigen ETF-Aktiensparplan anlegen und selbst fürs Alter vorsorgen (Mehr dazu lesen Sie hier).

2. Betriebsrenten des Arbeitgebers abschließen und den nächsten Arbeitgeber davon überzeugen, dass es sinnvoll ist, in den Vertrag des vorherigen einzuzahlen.

3. Gute Riester-Verträge abschließen oder weiterführen und die staatliche Förderung mitnehmen. Schlechte Verträge beitragsfrei stellen und so dafür sorgen, dass die Förderung erhalten und der angerichtete Schaden klein bleibt (Mehr dazu lesen Sie hier).



insgesamt 149 Beiträge
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Seite 1
phantomias3782 10.07.2019
1. Früh anfangen
Bin als dualer Student in der Lage monatlich mehr als 500? anzusparen / zu investieren. Ich investiere bereits seit ich 17 bin in den MSCI world und stehe damit bei meinen Freunden / Familie sehr einsam da. Ich kann nur raten früh anzufangen. Ich kann mir bereits anfangen Gedanken zu machen über erste größere Investitionen nach dem Studium, evtl. eine Eigentumswohnung falls die Preise sich Mal wieder korregieren. Ansonsten kann man weiter in Aktien investieren!
Crom 10.07.2019
2.
Die Rechnung geht von 18 Jahren Rentenbezug aus entsprechend wird Rentenlücke * 12 * 18 gerechnet. Das ist aber falsch! Schließlich wird das Kapital zur Beginn der Rente auch verzinst.
marthaimschnee 10.07.2019
3. funktioniert nur leider an keiner Stelle
Die Rentenlücke für mittlere und hohe Einkommen ist grober Unfug, denn je höher das Einkommen, desto weniger wird davon verkonsumiert. Wenn meine Ausgaben als Gutverdiener aber nur 40% des Einkommens betragen und ich den Rest eh schon spare, dann brauch ich im Alter auch keine 70% dieser Einkünfte, von dem ich einen Großteil ja trotzdem nur sparen würde. Und in die andere Richtung - so ca bei 50% der Bevölkerung - sind selbst die 100 Euro Zusatzbedarf einfach nicht finanzierbar, weil bereits 100% oder gar mehr vom Einkommen für das Bestreiten der Existenz drauf gehen. Übrigens: - Aktien sind erfahrungsgemäß dann am wertlosesten, wenn man das Geld ganz dringend braucht - Entgeltumwandlung durch Betriebsrenten verringern die gesetzlichen Rentenansprüche, da diese das zu versteuernde Einkommen reduzieren (wovon auch die Rentenbeiträge berechnet werden) - gute Riester-Verträge gibt es nicht, weil bei allen ein horrender Verwaltungsanteil von den Versicherungen einbehalten wird, der in der Regel der Höhe der staatlichen Zuschüsse mindestens entspricht - wer sich später in der Grundsicherung bewegt, wird für jegliche Zusatzvorsorge bestraft, indem sie ihm eiskalt auf das Existenzminimum angerechnet wird
oelfinger 10.07.2019
4.
"Denn die Rentenversicherung ist durch die Alterung der Gesellschaft unter Druck geraten"? Einer der Hauptgründe ist, daß sich JEDE Regierung schamlos am Rententopf bedient hat. Ich habe 1974 meine Ausbildung begonnen, da lag das Rentenniveau bei ca. 63%. Und wovon Ansparen? Bei der unsicheren Arbeitsmarktlage, gerade für Geringverdiener, einen langfristigen Vertrag abschließen? Oder lieber noch einen Drittjob dafür? Wer garantiert mir, daß mein Angespartes nicht auf die staatliche Rente angerechnet wird?
Kaptah 10.07.2019
5. Finanzamt?
Sind in den Berechnungen auch die Steuern berücksichtigt? Wenn ich heute einen ETF kaufe, ist es extrem wahrscheinlich, dass er in 40 Jahren wesentlich mehr wert sein wird, aber den gesamten Wertzuwachs, auch wenn er zum Teil durch Inflation verursacht wird, muss ich versteuern, und das hat einen sehr großen Einfluss auf die Rendite.
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