SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

16. Januar 2014, 18:11 Uhr

Prokon

Verbraucherschützer geben Entwarnung für Stromkunden

Von

Zigtausende Prokon-Anleger müssen um ihr Geld bangen. Für die Stromkunden des von Insolvenz bedrohten Unternehmens geben Verbraucherschützer aber Entwarnung: Selbst im schlimmsten Fall hielte sich ihr finanzieller Schaden in engen Grenzen.

Hamburg - Die Lage beim insolvenzbedrohten Windkraftfinanzierer Prokon spitzt sich weiter zu. Bis Donnerstagmittag haben Investoren Prokon zufolge Genussrechte im Wert von 216,11 Millionen Euro gekündigt, das sind fast 30 Millionen mehr als noch zwei Tage zuvor. Nun müssen rund 75.000 Anleger um ihr Geld bangen, etwa 20.000 Euro haben sie durchschnittlich in Genussrechte investiert.

Doch Prokon betreibt nicht nur Ökostrom-Anlagen, sondern ist seit Anfang 2013 auch Stromversorger. Mehr als 56.000 Kunden beliefert Prokon eigenen Angaben zufolge. Angesichts der möglichen Insolvenz werden Erinnerungen wach an die Pleite des Billigstromanbieters TelDaFax im Jahr 2011: Hunderttausende Kunden hatten teils Hunderte Euro im Voraus für Strom bezahlt, den sie nicht mehr geliefert bekamen. Auch bei der Insolvenz von FlexStrom waren zahlreiche Kunden betroffen, die meist dreistellige Euro-Beträge vorausbezahlt hatten, um im Gegenzug günstigere Stromtarife zu erhalten.

Für die Stromkunden von Prokon geben Verbraucherschützer nun Entwarnung: Selbst wenn das Unternehmen tatsächlich Insolvenz anmelden müsste, drohe ihnen höchstens ein sehr geringfügiger Schaden, sagt Jürgen Schröder von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das bestätigt auch die Verbraucherzentrale Berlin.

So muss etwa kein Prokon-Stromkunde befürchten, plötzlich im Dunkeln zu stehen: In jedem Fall fließt weiter Strom. Erstens bedeutet eine Insolvenz noch nicht, dass Prokon keinen Strom mehr liefern kann. Doch selbst wenn dieser Fall einträte, hat der Gesetzgeber die Versorgung gesichert. Dann würden die Kunden in die Ersatzversorgung fallen. Die wird durch den Grundversorger sichergestellt, also dem Stromlieferanten, der die Mehrzahl der Haushalte im jeweiligen Netzgebiet beliefert.

Auch der mögliche finanzielle Schaden hält sich in äußerst engen Grenzen: Denn anders als bei TelDaFax oder FlexStrom, die Kunden mit vergünstigten Tarifen verleiteten, ihren Strom jeweils für ein Jahr im Voraus zu bezahlen, erhebt Prokon ausschließlich monatliche Abschläge, immer zum 5. des jeweiligen Liefermonats. Prokon könnte also höchstens die Stromlieferung für den Restmonat schuldig bleiben. Zudem ist auch dieser relativ geringe Betrag nicht verloren: Ihre Ansprüche könnten Kunden dann im Insolvenzverfahren geltend machen und zumindest auf eine Teilrückzahlung hoffen.

Auch die Mehrkosten durch den unfreiwilligen Wechsel in die Ersatzversorgung sind überschaubar. Die entsprechenden Tarife der Grundversorger sind zwar in der Regel etwas teurer als der von Prokon. Allerdings können Betroffene ohne Kündigungsfrist aus der Ersatzversorgung zu einem neuen, günstigeren Anbieter wechseln - erst nach drei Monaten verlängert sich die Kündigungsfrist in der Regel auf zwei Wochen.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung