Prokon Verbraucherschützer geben Entwarnung für Stromkunden

Zigtausende Prokon-Anleger müssen um ihr Geld bangen. Für die Stromkunden des von Insolvenz bedrohten Unternehmens geben Verbraucherschützer aber Entwarnung: Selbst im schlimmsten Fall hielte sich ihr finanzieller Schaden in engen Grenzen.

Prokon-Strom-Reklame in Hamburger U-Bahn: Kunden können entspannt bleiben
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Prokon-Strom-Reklame in Hamburger U-Bahn: Kunden können entspannt bleiben

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Hamburg - Die Lage beim insolvenzbedrohten Windkraftfinanzierer Prokon spitzt sich weiter zu. Bis Donnerstagmittag haben Investoren Prokon zufolge Genussrechte im Wert von 216,11 Millionen Euro gekündigt, das sind fast 30 Millionen mehr als noch zwei Tage zuvor. Nun müssen rund 75.000 Anleger um ihr Geld bangen, etwa 20.000 Euro haben sie durchschnittlich in Genussrechte investiert.

Doch Prokon betreibt nicht nur Ökostrom-Anlagen, sondern ist seit Anfang 2013 auch Stromversorger. Mehr als 56.000 Kunden beliefert Prokon eigenen Angaben zufolge. Angesichts der möglichen Insolvenz werden Erinnerungen wach an die Pleite des Billigstromanbieters TelDaFax im Jahr 2011: Hunderttausende Kunden hatten teils Hunderte Euro im Voraus für Strom bezahlt, den sie nicht mehr geliefert bekamen. Auch bei der Insolvenz von FlexStrom waren zahlreiche Kunden betroffen, die meist dreistellige Euro-Beträge vorausbezahlt hatten, um im Gegenzug günstigere Stromtarife zu erhalten.

Für die Stromkunden von Prokon geben Verbraucherschützer nun Entwarnung: Selbst wenn das Unternehmen tatsächlich Insolvenz anmelden müsste, drohe ihnen höchstens ein sehr geringfügiger Schaden, sagt Jürgen Schröder von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das bestätigt auch die Verbraucherzentrale Berlin.

So muss etwa kein Prokon-Stromkunde befürchten, plötzlich im Dunkeln zu stehen: In jedem Fall fließt weiter Strom. Erstens bedeutet eine Insolvenz noch nicht, dass Prokon keinen Strom mehr liefern kann. Doch selbst wenn dieser Fall einträte, hat der Gesetzgeber die Versorgung gesichert. Dann würden die Kunden in die Ersatzversorgung fallen. Die wird durch den Grundversorger sichergestellt, also dem Stromlieferanten, der die Mehrzahl der Haushalte im jeweiligen Netzgebiet beliefert.

Auch der mögliche finanzielle Schaden hält sich in äußerst engen Grenzen: Denn anders als bei TelDaFax oder FlexStrom, die Kunden mit vergünstigten Tarifen verleiteten, ihren Strom jeweils für ein Jahr im Voraus zu bezahlen, erhebt Prokon ausschließlich monatliche Abschläge, immer zum 5. des jeweiligen Liefermonats. Prokon könnte also höchstens die Stromlieferung für den Restmonat schuldig bleiben. Zudem ist auch dieser relativ geringe Betrag nicht verloren: Ihre Ansprüche könnten Kunden dann im Insolvenzverfahren geltend machen und zumindest auf eine Teilrückzahlung hoffen.

Auch die Mehrkosten durch den unfreiwilligen Wechsel in die Ersatzversorgung sind überschaubar. Die entsprechenden Tarife der Grundversorger sind zwar in der Regel etwas teurer als der von Prokon. Allerdings können Betroffene ohne Kündigungsfrist aus der Ersatzversorgung zu einem neuen, günstigeren Anbieter wechseln - erst nach drei Monaten verlängert sich die Kündigungsfrist in der Regel auf zwei Wochen.

insgesamt 11 Beiträge
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beck1983 16.01.2014
1. Kündigungsfrist
"Keine Kündigungsfrist" nur theoretisch. Die meisten Anbieter nehmen immer die normalen Wechselfristen, einen Monat zum Monatsende. Wenn sie halbwegs Ahnung haben zum zehnten Werktag. Aber meist sind bei den Anbietern halt nur irgendwelche Call-Center-Fritzen die sich nur eine Frist merken können. Also sind die Kunden leider meist länger als nötig in der Ersatzversorgung. Wer in die Situation kommt sollte seinem neuen Anbieter klar machen, dass er die Fristen kennt und eine direkte Anmeldung aus der Ersatzversorgung wünscht. Es hilft auch dann nicht den billigsten zu nehmen. 50 Euro im Jahr mehr zahlen und man kann sich den Ärger sparen. Am besten über den Anbieter GRÜNDLICH Informieren. Nicht bei "Wechselportalen". Die verdienen damit zu viel Kohle und sind nicht wirklich unabhängig. Was sagen die Leute denn in Foren? Reclabox, Verbraucherforen, et cetra. Den Anbieter wählen ist nichts was man zwischen Tür und Angel macht (Haustürgeschäft zum Beispiel). Und wer Strom für weit unter dem Durchschnitt verkauft muss das Geld woanders sparen. Meist im Service und oft wird in zweiten Jahr deutlich erhöht (man hofft auf das verpassen der Kündigungsfrist und melkt die Kunden dann richtig). Was der Strom im Schnitt kostet sagt einem Wikipedia (Strompreis suchen). Da erfährt man auch mal wie viel der Staat und die Netzbetreiber abzwacken).
remino87 16.01.2014
2. Im Falle der Ersatzversorgung...
durch den Grundversorger gibt es tatsächlich keine Kündigungsfristen. Ein Lieferantenwechsel muss nur innerhalb von drei Wochen nach Anzeige des Wechselwillens erfolgen. Nicht gänzlich richtig ist jedoch, dass nach drei Monaten die Kündigungfrist zwei Wochen beträgt. Eine Ersatzversorgung endet in jedem Fall mit Ablauf von drei Monaten. Sodann schließt man entweder einen Vertrag mit dem regionalen Grundversorger oder man wechselt den Lieferanten eben und dann gelten in Bezug auf Fristen die vertraglichen Bedingungen.
iStone 16.01.2014
3. Insolvenz ggf. juristisch garnicht möglich?
Prokon berichtet: "Ein von uns hinzugezogener Insolvenzberater, der bereits mehrere namhafte Unternehmen begleitet hat, kommt zu der Einschätzung, dass in unserem Fall gekündigte Genussrechte in einem Insolvenzverfahren möglicherweise nicht als fällige Forderungen zu bewerten wären. *Da auch seitens anderer Gläubiger (z. B. Banken, Sozialversicherungsträger, Lieferanten) keine fälligen Forderungen bestehen, müsste ein Insolvenzantrag vom Gericht abgelehnt werden, weil damit keine Insolvenz vorliegen würde.*" Quelle: http://www.prokon.net/anschreiben_popup.html
vitalik 16.01.2014
4. Artikel
Ok. Das ist jetzt der 4-te oder 5-te Artikel des Spiegels zu diesem Thema und man erkennt, dass der Spiegel nicht grade der große Freund von Prokon ist, aber das Ganze wäre doch bereits nach einem Tag vorbei, hätte Prokon vollständige und bestätigte Zahlen vorgelegt. Warum tut sich Prokon diesen Image-Schaden an, wenn doch angeblich alles so gut läuft?
robrien 16.01.2014
5. haben wir gelacht
Zitat von iStoneProkon berichtet: "Ein von uns hinzugezogener Insolvenzberater, der bereits mehrere namhafte Unternehmen begleitet hat, kommt zu der Einschätzung, dass in unserem Fall gekündigte Genussrechte in einem Insolvenzverfahren möglicherweise nicht als fällige Forderungen zu bewerten wären. *Da auch seitens anderer Gläubiger (z. B. Banken, Sozialversicherungsträger, Lieferanten) keine fälligen Forderungen bestehen, müsste ein Insolvenzantrag vom Gericht abgelehnt werden, weil damit keine Insolvenz vorliegen würde.*" Quelle: http://www.prokon.net/anschreiben_popup.html
tolle Nebelkerze. Hat sich dieser ominöse Insolvenzverwalter auch namentlich geoutet. Ein gemäß Vertragsbedingungen kurzfristig kündbares Investment, dasnicht zurück gezahlt wird, wird einfach zur nicht fälligen Forderung deklariert. Toller Trick
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